Krieg zwischen Iran und USA "wie eine Kneipenschlägerei"

Angriffe im Persischen Golf :Krieg zwischen Iran und USA "wie eine Kneipenschlägerei"

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Trotz diplomatischer Bemühungen wächst die Gewalt im Persischen Golf. Politologe Thomas Jäger erklärt, warum Europa kaum Einfluss hat - und kritisiert den Konflikt als ziellos.

Straße von Hormus: "Sowas wie eine Kneipenschlägerei"

Politikwissenschaftler Prof. Thomas Jäger spricht in der Sendung "phoenix der Tag" über die Lage zwischen den USA und Iran. Die gegenseitigen Angriffe in der Straße von Hormus bezeichnet er als "sowas wie eine Kneipenschlägerei".

11.06.2026 | 5:22 min

Immer wieder stellt US-Präsident Donald Trump eine baldige Einigung auf ein gemeinsames Rahmenabkommen mit Iran in Aussicht. Immer wieder widerspricht Iran und bringt doch noch ungeklärte Streitpunkte an. Trotz laufender Verhandlungen und offiziell bestehender Waffenruhe setzen beide Staaten ihre gegenseitigen Angriffe im Persischen Golf fort.

Auch am Donnerstagabend hat Trump erneute Hoffnungen auf einen baldigen Deal geweckt und in Erwägung gezogen, Vize-Präsident JD Vance könne das Abkommen "vielleicht noch am Wochenende", "vielleicht in Europa" unterzeichnen. Zuvor hatte Bundeskanzler Friedrich Merz am Donnerstagmorgen die Bereitschaft Deutschlands bekräftigt, sich an der Sicherung der Straße von Hormus zu beteiligen.

US-Präsident Donald Trump spricht im Oval Office des Weißen Hauses, bevor er in Washington eine Durchführungsverordnung unterzeichnet.

US-Präsident Trump hat die erst wenige Stunden zuvor von ihm selbst angekündigten Militärschläge gegen Iran wieder abgesagt. Grund seien weit fortgeschrittene Verhandlungen.

12.06.2026 | 1:36 min

Dem Politikwissenschaftler Thomas Jäger zufolge habe Europa zwar ein großes Interesse an der Öffnung der Straße von Hormus, doch die Einflussmöglichkeiten seien gering. "Die Europäer haben keinen Hebel. Sie können dort nichts bewegen", sagte Jäger bei phoenix. Auch eine frühere oder stärkere diplomatische Einbindung hätte daran wenig geändert, da die militärische Dynamik derzeit dominiere.

Sehen Sie das Interview mit Jäger oben in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen:

Experte: Eskalation in Iran ohne klare Strategie

Jäger beschreibt die aktuelle Lage im Persischen Golf als zunehmend unkontrolliert. Trotz diplomatischer Signale und zwischenzeitlicher Waffenruhe kippe die Situation immer wieder in neue Gewalt. "Wir sehen gerade, dass dieser Krieg aus seiner prekären Waffenruhe wieder in gegenseitige Schläge umkippt", sagt er.

Wobei diejenigen, die da zuschlagen, eigentlich gar nicht so genau wissen, was sie damit erreichen wollen.

Prof. Thomas Jäger, Politikwissenschaftler an der Uni Köln

Jäger beobachtet beidseitige Beschüsse, "die letztlich keinen politischen Zweck erfüllen". Sie seien "sowas wie eine Kneipenschlägerei", so Jäger, "wo einer nicht aufhören will, weil der andere nicht aufhört".

... ist seit 1999 Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Politik und Außenpolitik an der Universität zu Köln und Experte für geopolitische Analysen. Seine Forschungsschwerpunkte sind internationale Beziehungen, Außen- und Sicherheitspolitik sowie internationale Konflikte.


Fehlkalkulationen und verhärtete Fronten

Als Ausgangspunkt der aktuellen Lage sieht Jäger eine grundlegende Fehleinschätzung auf US-Seite. Die Erwartung, im Februar durch militärischen Druck schnell zu einer Einigung bezüglich Irans Atomprogramm zu kommen, habe sich nicht erfüllt. Die "fixe Idee in Trumps Kopf", durch einen Enthauptungsschlag die iranische Führung zu zersplittern und das Regime so zum Nachgeben zu bringen, "war falsch".

Jetzt hat man den Scherbenhaufen und weiß nicht, wie man das wieder zusammenkleben soll.

Prof. Thomas Jäger, Politikwissenschaftler an der Uni Köln

Bereits vor Beginn der Eskalation hätten Gespräche gezeigt, wie schwierig eine Einigung ist. Die Fronten seien verhärtet, weil die Vorstellungen beider Seiten unrealistisch geblieben seien und kein tragfähiger Ausweg entwickelt worden sei.

Claudia Bates | ZDF-Korrespondentin in Washington

"Donald Trump hat schon 38-mal angekündigt, man stehe kurz vor einer Vereinbarung", berichtet Claudia Bates, ZDF-Korrespondentin aus Washington zu dem andauernden Konflikt zwischen den USA und Iran.

12.06.2026 | 3:20 min

Experte: Diplomatische Versäumnisse Europas

An eine Vermittlungsrolle Europas glaubt Jäger nicht. "Die Europäer können es sich nicht leisten", sagt er. Zwar beträfen die Folgen der Krise sie direkt, etwa durch Risiken für Handelswege, doch vor Ort hätten sie keine Macht.

Diejenigen, die dort militärisch vor Ort agieren, sind in einem Maße stärker, dass man sie davon nicht abhalten kann, das zu tun, was sie gerade tun.

Prof. Thomas Jäger, Politikwissenschaftler an der Uni Köln

Als nicht militärisch handelnder Akteur habe Europa "hier nichts mitzureden". Auch auf die USA habe Europa "überhaupt keinen Einfluss mehr".

Jäger verweist auf langfristige Defizite europäischer Außenpolitik im Nahen Osten. Der Aufbau engerer Beziehungen zu wichtigen Akteuren sei vernachlässigt worden. "Das hätte man weit früher, weit intensiver machen müssen", sagt er mit Blick auf Staaten wie Katar oder Saudi-Arabien.

Europa habe Teile der Region "mit spitzen Fingern" angefasst und dadurch Chancen verspielt, heute stärker eingebunden zu sein. Diese Versäumnisse ließen sich kurzfristig nicht aufholen - insbesondere nicht in einer Phase, in der militärische Entwicklungen den Ton angäben.

Das Interview führte phoenix-Moderatorin Tina Dauster, ausgewertet hat es Anne Sophie Feil.

Mit Material von dpa und Reuters.

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Über dieses Thema berichtete phoenix der Tag am 11.06.2026 ab 17:30 Uhr.

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