Aus Iran abgeschoben - ohne Perspektive:Hunderttausende Rückkehrer verschärfen Not in Afghanistan
von Christian Hauser und Katrin Eigendorf
Teheran schiebt massenhaft Afghanen ab. Viele können nur mitnehmen, was sie tragen können. Die immense Zahl an Rückkehrern verschärft die humanitäre Lage in Afghanistan.
Im letzten Jahr kehrten laut UN-Flüchtlingshilfswerk 2,9 Millionen Menschen aus Iran und Pakistan nach Afghanistan zurück. Eine große Herausforderung für die Taliban-Regierung.
22.06.2026 | 2:32 minBeladen mit dem wenigen Hab und Gut, das ihnen geblieben ist, überqueren Menschen in der sengenden Sonne die Grenze. Es sind kleine Kinder, die weinen, Gruppen junger Männer und Frauen, die komplett verhüllt sind. An der afghanisch-iranischen Grenze herrscht ein Klima der Angst. Viele wissen nicht, wie es nach ihrer Ankunft weitergehen soll.
Ein junger Mann, Zainullah Sayidi, ist einer von ihnen und wirkt verzweifelt. Er berichtet, von der iranischen Polizei auf dem Heimweg nach der Arbeit aufgegriffen worden zu sein. Seine Frau musste er in Iran zurücklassen.
Hunderttausende Rückkehrer treffen auf Armut und Unsicherheit. Die Lage in Afghanistan spitzt sich weiter zu.
Quelle: epaFlüchtlinge berichten von brutalem Vorgehen
Ähnlich erging es Ahmad Shah. Er wurde von den iranischen Sicherheitskräften festgesetzt und abgeschoben. Vier Jahre lebte er mit seiner Frau und Kindern in Iran - unter schwierigsten Bedingungen:
Die Flüchtlinge leben in Angst in Iran, es ist nicht unser Land, sie fürchten die Abschiebung, die iranische Polizei nimmt immer mehr Menschen fest.
Ahmad Shah
Viele Afghanen fürchten die Abschiebung aus dem Iran. Für Ahmad Shah ist das jetzt eingetreten.
Quelle: ZDFZahlreiche Rückkehrer berichten, sie seien geschlagen und brutal behandelt worden. Manche von ihnen mussten ihre Familie zurücklassen, fast immer wurden ihnen Geld und Papiere abgenommen, erzählen sie.
"Weitere Flüchtlinge zu versorgen, stellt das Land vor fast unlösbare Aufgaben", sagt ZDF-Korrespondentin Katrin Eigendorf zur Versorgung von Afghanen, die aus dem Iran zurückkehren mussten.
22.06.2026 | 3:13 minAfghanistan mit Rückkehrern überfordert
Ungefähr 3.000 afghanische Rückkehrer sollen hier täglich die Grenze überqueren, schätzen Beobachter an der Grenze. Zwar bekommen sie von den Vereinten Nationen eine erste Versorgung. Doch dann bleibt unklar, was mit ihnen geschehen soll. Die Unsicherheit ist überall zu spüren.
Allein im vergangenen Jahr kehrten laut UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) 2,9 Millionen Menschen aus Iran und Pakistan nach Afghanistan zurück. Seit Oktober 2023 sind es nach UNHCR-Angaben insgesamt sogar mehr als fünf Millionen.
Afghanistan, das gestehen auch die Taliban ein, sei überfordert damit, so viele Flüchtlinge unterzubringen.
Die iranische Regierung hat eine Ankündigung gemacht, wonach die Menschen das Land verlassen sollen; andernfalls werde der Iran sie zwangsweise abschieben, wobei ihr Eigentum zurückbleiben müsse.
Abdul Ghani Qazizadah, Leiter der Flüchtlingsregistrierung der Taliban
Das UNHCR spricht von einer dramatischen Lage im Hinblick auf die Menschenrechtssituation in Afghanistan durch die Taliban-Herrschaft, insbesondere für Frauen und Mädchen. Es fehle an Arbeit, hinzu komme extreme Armut.
Zainullah Sayidi wurde aus dem Iran abgeschoben, seine Frau musste er zurücklassen.
Quelle: ZDFArbeit für Journalisten schwierig
Für Journalisten ist die Berichterstattung aus dieser Region nicht einfach. Gegenüber dem ZDF-Team reagieren die iranischen Grenzbeamten ungehalten, ganz offenkundig wollen sie verhindern, dass an der Grenze gefilmt wird.
Bei Vorbereitungen für ein Interview mit geflüchteten Frauen für einen ZDF-Fernsehbeitrag tauchen plötzlich Männer der iranischen sogenannten Tugendpolizei auf. Die iranischen Beamten sagen uns, wir dürften mit den Frauen nicht drehen, das sei verboten.
Zudem dürfe auch die iranische Seite der Grenze nicht gezeigt werden, erklären sie. Weder die iranischen Flaggen noch das übergroße Porträt des getöteten früheren Obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei, das dort hängt, sollen gezeigt werden.
Krisenreporterin Katrin Eigendorf reist mit dem ersten Fernsehteam seit zwei Jahren nach Afghanistan und wirft einen Blick hinter die Fassade des Taliban-Regimes.
18.12.2025 | 43:09 minDramatische Lage in Iran - in Afghanistan erst recht
Abseits der Kamera berichtet eine der Frauen, dass sie fürchte, von der schwierigen Situation in Iran in eine noch viel dramatischere Lage in Afghanistan zu geraten. Sie sei Lehrerin und würde sich so sehr wünschen, weiter arbeiten zu können. Die Aussichten dafür sind alles andere als gut.
Durch den Krieg und die Unsicherheit in Iran hat sich die Situation afghanischer Flüchtlinge verschlechtert. Für sie ist es eine erzwungene Heimkehr ohne Perspektive. Sie treffen auf eine sowieso bereits angespannte humanitäre Lage in Afghanistan, die ihre eigene Situation noch weiter erschwert.
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