Experte über Gefechte mit Afghanistan:Pakistan versucht, "Druck auf Regierung in Kabul zu erhöhen"
Pakistan spricht im Dauerkonflikt mit Afghanistan von "Krieg". Islamabad versuche, den "Druck auf Regierung in Kabul zu erhöhen", sagt Christian Wagner bei ZDFheute live.
Nach gegenseitigen Angriffen ist der Konflikt zwischen Afghanistan und Pakistan eskaliert. Der pakistanische Verteidigungsminister spricht von einem "offenen Krieg". ZDFheute live ordnet ein.
27.02.2026 | 16:03 minDer Konflikt zwischen Afghanistan und Pakistan ist erneut eskaliert. Nach pakistanischen Luftangriffen auf Afghanistan in der Nacht spricht Pakistans Verteidigungsminister Asif von einem "offenen Krieg". Afghanistan hatte zuvor bereits Stellungen im Nachbarland entlang der umstrittenen Grenze angegriffen.
Kommt es jetzt tatsächlich zu einem dauerhaften Krieg? Welche Interessen verfolgen beide Seiten? Wie geht es weiter? Christian Wagner von der Stiftung Wissenschaft und Politik erklärt bei ZDFheute live, was zwischen Kabul und Islamabad passiert.
Sehen Sie das Video oben in voller Länge und lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Christian Wagner ..
... zu den Hintergründen der aktuellen Entwicklungen
Mit den Luftangriffen habe Pakistan versucht, die Infrastruktur der pakistanischen Taliban in Afghanistan anzugreifen, sagt Christian Wagner. Hintergrund der Eskalation sei, dass die pakistanischen Taliban mehrere hundert Anschläge in Pakistan verübt hätten. Der Experte erklärt:
Das letzte Jahr gilt als das tödlichste Jahr, was Anschläge anbelangt in den letzten zehn Jahren.
Christian Wagner, Stiftung Wissenschaft und Politik
Die pakistanischen Taliban hingegen wollten einen eigenen "Talibanstaat" in Pakistan errichten und fordern daher den Abzug des Militärs aus den Grenzregionen zwischen beiden Ländern, sagt Wagner.
Die Regierung Pakistans spricht von einem "offenen Krieg" mit Afghanistan. Pakistan flog Luftangriffe auf Afghanistan, nachdem es zuvor grenzüberschreitende Angriffe aus Afghanistan gegeben hat.
27.02.2026 | 0:21 minPakistanische Versuche, den Konflikt auf andere Weise zu lösen, seien erfolglos geblieben. Politische und wirtschaftliche Angebote hätten nicht dazu geführt, dass die afghanischen Taliban die pakistanischen Taliban eindämmen konnten, so der Experte.
Auch eine vereinbarte Waffenruhe, die von Katar und der Türkei vermittelt wurde, habe nicht funktioniert. Die jetzigen Angriffe seien nochmal eine neue "Eskalationsstufe", mit der Pakistan versuche, "den Druck auf die Regierung in Kabul zu erhöhen", um zu einer Verhandlungslösung zu kommen, meint Wagner.
... zu den Aussagen über einen "offenen Krieg"
Von einem "offenen Krieg" - so äußerte sich Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif - würde Wagner nicht sprechen. In der Wissenschaft gelte ein Krieg meist dann als solcher, "wenn er mehr als 1.000 Tote bei Kampfhandlungen fordern würde".
Die Wortwahl des pakistanischen Verteidigungsministers diene aus seiner Sicht dazu, internationalen Druck zu erzeugen und auf die Gefährlichkeit der Lage im Grenzgebiet aufmerksam zu machen.
Der schwelende Konflikt zwischen Afghanistan und Pakistan eskaliert. "Auslöser der Operation war wohl ein schwerer Anschlag auf pakistanische Grenzsoldaten", so ZDF-Korrespondent Johannes Hano.
27.02.2026 | 1:55 min... dazu, wie es weitergehen könnte
Wie es nun weitergeht, hängt nach Einschätzung Wagners vor allem von neuen Initiativen ab. Verhandelt werde zwar grundsätzlich zwischen den Regierungen beider Länder, doch Kabul sei bislang "offensichtlich nicht in der Lage", sich an eigene Zusagen zu halten.
Die Aktivitäten der pakistanischen Taliban seien nicht eingedämmt worden. Gleichzeitig lasse sich die pakistanische Regierung nicht auf Verhandlungen mit den pakistanischen Taliban ein, sagt Wagner.
Pakistan hatte erst vor wenigen Tagen sieben Ziele im Grenzgebiet zu Afghanistan angegriffen. Laut Behörden richteten sich die Angriffe gegen die Taliban und die Terror-Miliz Islamischer Staat.
22.02.2026 | 0:26 minInternational könnten erneut die Golfstaaten aktiv werden - zum Beispiel Katar, das bereits eine Waffenruhe vermittelt hatte, ebenso Saudi-Arabien oder die Türkei. Auch China dürfte eine größere Rolle spielen, so Wagner.
Peking habe sowohl sicherheitspolitische als auch wirtschaftliche Interessen und könne "seinen wirtschaftlichen Hebel einsetzen", um Druck auszuüben. Denkbar sei auch ein regionaler Ansatz, bei dem Nachbarstaaten Afghanistan wirtschaftliche Kooperation anbieten - im Gegenzug für ein entschiedeneres Vorgehen gegen andere terroristische Gruppen im Land.
Sollte das nicht gelingen, rechnet Wagner eher mit "andauernden Schießereien entlang der Grenze" als mit einem offenen Krieg.
Das Interview führte ZDFheute-live-Moderatorin Christina von Ungern-Sternberg, zusammengefasst hat es Caroline Kleine-Besten.
Mehr zu Afghanistan and Pakistan
"Vergeltungsmaßnahme" nach Anschlägen:Pakistan: Ziele in afghanischer Grenzregion angegriffen
mit Video0:26Lage bleibt angespannt:Pakistan und Afghanistan einigen sich auf Waffenstillstand
mit Video0:18Nach Angriff auf Kabul:Gefechte zwischen Afghanistan und Pakistan entbrannt
mit Video16:12