Gewalt zwischen Afghanistan und Pakistan: Rufe nach Dialog

EU und UN fordern Deeskalation:Gewalt zwischen Afghanistan und Pakistan: Rufe nach Dialog

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Der Konflikt zwischen Afghanistan und Pakistan spitzt sich zu. Nach einer Offensive der Taliban erklärt Pakistan nun einen "offenen Krieg". Rufe nach Deeskalation werden laut.

ZDF-Korrespondent Johannes Hano

Bereits in der Vergangenheit haben Afghanistan und Pakistan sich gegenseitig vorgeworfen, Terroristen zu unterstützen. Nun ist der Konflikt eskaliert. ZDF-Korrespondent Johannes Hano berichtet.

27.02.2026 | 1:19 min

Angesichts der Eskalation der Spannungen zwischen den Nachbarländern Afghanistan und Pakistan hat der Rat der Europäischen Union alle Akteure "zu einer sofortigen Deeskalation und zur Einstellung der Feindseligkeiten" aufgerufen. Die Gewalt könnte "schwerwiegende Folgen für die Region haben", warnte der EU-Rat in einer Stellungnahme zu dem Konflikt.

Das afghanische Hoheitsgebiet dürfe nicht dazu genutzt werden, andere Länder zu bedrohen oder anzugreifen, hieß es weiter. Die EU fordere die afghanischen Machthaber auf, "wirksame Maßnahmen gegen alle terroristischen Gruppen zu ergreifen, die in oder von Afghanistan aus operieren".

Wir fordern beide Seiten nachdrücklich auf, in einen Dialog zu treten.

EU-Rat in einer Stellungnahme

Das Völkerrecht müsse von allen Akteuren eingehalten und die Zivilbevölkerung geschützt werden.

Guterres und Kallas fordern Waffenruhe

Auch UN-Generalsekretär António Guterres rief beide Länder zu einer sofortigen Waffenruhe auf. Guterres sei "sehr besorgt über die Eskalation der Gewalt" zwischen den beiden Ländern und fordere "eine sofortige Einstellung der Kampfhandlungen", erklärte sein Sprecher Stéphane Dujarric am Freitag.

Der UN-Generalsekretär fordere beide Seiten dazu auf, "ihre Differenzen mit diplomatischen Mitteln beizulegen", sagte der Sprecher weiter. Guterres sei sehr besorgt über die Auswirkungen der Gewalt auf die Zivilbevölkerung in beiden Ländern sowie auf die humanitäre Lage in Afghanistan.

In einer in der Nacht zum Samstag veröffentlichten Erklärung von der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas hieß es zudem:

Die EU bekräftigt, dass das afghanische Staatsgebiet nicht dazu genutzt werden darf, andere Länder zu bedrohen oder anzugreifen, und fordert die De-facto-Behörden in Afghanistan auf, wirksame Maßnahmen gegen alle Terrorgruppen zu ergreifen, die in oder von Afghanistan aus operieren.

Kaja Kallas, EU-Außenbeauftragte

Pakistan: "Jetzt herrscht offener Krieg"

Der Dauerkonflikt zwischen den beiden Ländern ist der Regierung in Islamabad zufolge zu einem Krieg eskaliert. "Unsere Geduld ist am Ende", erklärte der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif. Jetzt herrsche "offener Krieg". Pakistan bombardierte in der Nacht auf Freitag Taliban-Ziele in afghanischen Städten.

Atomstaat Pakistan ist Afghanistan weit überlegen

Hintergrund des Konflikts zwischen den ehemaligen Verbündeten ist vor allem der Vorwurf Pakistans, dass die seit 2021 wieder in Kabul herrschenden Taliban Extremisten der Pakistanischen Taliban (TTP) sowie anderen Rebellen Unterschlupf bieten. Die Taliban-Führung weist dies zurück und beschuldigt Pakistan, Kämpfer des mit ihnen verfeindeten Islamischen Staats (IS) zu beherbergen.

Das atomar bewaffnete Pakistan ist Afghanistan auch bei konventionellen Waffen weit überlegen. Die Taliban erklärten sich zu Verhandlungen bereit.

bewaffnete Soldaten auf einer Straße mit einem Militärjeep die Straße blockierend.

Nach gegenseitigen Angriffen ist der Konflikt zwischen Afghanistan und Pakistan eskaliert. Der pakistanische Verteidigungsminister spricht von einem "offenen Krieg". ZDFheute live ordnet ein.

27.02.2026 | 16:03 min

Mit Raketen attackierte Pakistan laut Sicherheitskreisen Posten, Hauptquartiere und Munitionsdepots der Taliban - unter anderem in der Hauptstadt Kabul, in der Stadt Kandahar sowie in der Provinz Paktia.

In Kandahar befindet sich die Zentrale der radikalen Islamisten. Dort lebt auch ihr oberster geistiger Führer, Haibatullah Achundsada. Es war das erste Mal, dass Pakistan direkt auf die in Afghanistan regierenden Taliban zielte - nicht nur auf mutmaßlich von ihnen unterstützte Extremisten. Diese Eskalation zeugt von einem tiefen Bruch in den Beziehungen der islamischen Nachbarstaaten.

johannes-hano

Der schwelende Konflikt zwischen Afghanistan und Pakistan eskaliert. "Auslöser der Operation war wohl ein schwerer Anschlag auf pakistanische Grenzsoldaten", so ZDF-Korrespondent Johannes Hano.

27.02.2026 | 1:55 min

Islamabad dementiert Angaben der Taliban

Die afghanischen Taliban berichteten von erfolgreichen Drohnenangriffen auf Militärziele in Pakistan. Die Regierung in Islamabad erklärte dagegen, sämtliche Drohnen seien abgefangen worden.

Zudem gab es Zusammenstöße in mehreren Bereichen entlang der rund 2.600 Kilometer langen Grenze. Die Kämpfe dauerten am Freitag an, auf beiden Seiten gab es Tote.

Menschen stehen neben den Trümmern eines Gebäudes in Spin Boldak, Afghanistan.

Im Oktober hatten sich Afghanistan und Pakistan bei Gesprächen in Doha auf eine "sofortige Feuerpause" in ihrem Konflikt geeinigt. Es sollte ein dauerhafter Frieden geschaffen werden.

19.10.2025 | 0:18 min

Stark abweichende Opferzahlen

Laut einem pakistanischen Militärsprecher wurden 274 Kämpfer und Vertreter der Taliban getötet. Mindestens zwölf pakistanische Soldaten seien ebenfalls ums Leben gekommen.

Die Taliban meldeten dagegen den Tod von 55 pakistanischen Soldaten und zunächst nur acht getöteten Taliban-Kämpfern. Die Zahlen konnten unabhängig nicht bestätigt werden. Schon zuvor war es zu Gefechten entlang der Grenze gekommen.

Ein Taliban-Kämpfer läuft durch Rauch nach einem Angriff von Pakistan im afghanischen Grenzgebiet.

Pakistan hat sieben Ziele im Grenzgebiet zu Afghanistan angegriffen. Laut Behörden richteten sich die Angriffe gegen die Taliban und die Terror-Miliz Islamischer Staat.

22.02.2026 | 0:26 min

Lage für Menschen in Afghanistan schon zuvor prekär

Die afghanische Bevölkerung leidet bereits unter Armut, Arbeitslosigkeit und einer sich verschärfenden Hungersnot. Hilfslieferungen aus dem Ausland versiegten, als die Taliban 2021 wieder die Macht übernahmen.

Die Regierung in Moskau rief russischen Staatsmedien zufolge zu einer Einstellung der Kämpfe auf und bot Vermittlungen an.

Russland ist das einzige Land, das die Taliban-Regierung offiziell anerkennt. Den Berichten zufolge plant der pakistanische Ministerpräsident Shehbaz Sharif einen Russland-Besuch vom 3. bis 5. März. Auch Iran, der an beide Staaten grenzt, bot nach Angaben des Außenministeriums seine Hilfe an.

Krisenreporterin Katrin Eigendorf blickt hinter die Fassade des Taliban-Regimes

Krisenreporterin Katrin Eigendorf reist mit dem ersten Fernsehteam seit zwei Jahren nach Afghanistan und wirft einen Blick hinter die Fassade des Taliban-Regimes.

18.12.2025 | 43:09 min

USA sichern Pakistan Unterstützung zu

Die USA haben sich im eskalierenden Konflikt hinter die Regierung in Islamabad gestellt. "Die Vereinigten Staaten unterstützen das Recht Pakistans, sich gegen Angriffe der Taliban zu verteidigen", teilte ein Sprecher des US-Außenministeriums am Freitag (Ortszeit) mit.

Die Taliban seien eine "besonders ausgewiesene globale Terrorgruppe" ("Specially Designated Global Terrorist group"). "Die Taliban haben ihre Zusagen zur Terrorismusbekämpfung immer wieder nicht eingehalten", hieß es in der Stellungnahme weiter.

Quelle: Reuters, AFP, dpa
Über dieses Thema berichteten am 27.02.2026 mehrere Sendungen, unter anderem die ZDFheute Xpress um 08:31 Uhr in dem Beitrag "Pakistan und Afghanistan in 'offenem Krieg'", die ZDFheute live ab 12:00 Uhr und die heute ab 17:00 Uhr.

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