Pakistan und Afghanistan in "offenem Krieg"

Gefechte mit Afghanistan:Pakistan: "Jetzt herrscht offener Krieg"

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Der schwelende Konflikt zwischen Afghanistan und Pakistan eskaliert. Nach einer Offensive der Taliban am Donnerstag spricht Pakistan nun von einem "offenen Krieg" mit dem Nachbarn.

Ein Taliban-Kämpfer läuft durch Rauch nach einem Angriff von Pakistan im afghanischen Grenzgebiet.

Pakistan hat sieben Ziele im Grenzgebiet zu Afghanistan angegriffen. Laut Behörden richteten sich die Angriffe gegen die Taliban und die Terror-Miliz Islamischer Staat.

22.02.2026 | 0:26 min

Nach gegenseitigen Angriffen mit mehreren Toten ist der Konflikt zwischen Afghanistan und Pakistan am Freitag eskaliert: Die pakistanische Regierung verkündete einen "offenen Krieg" gegen die Taliban-Regierung in Afghanistan.

Unsere Geduld ist am Ende. Jetzt herrscht offener Krieg zwischen uns und Euch.

Khawaja Asif, Verteidigungsminister Pakistan

Das erklärte der pakistanische Verteidigungsminister im Onlinedienst X. Zuvor hatte die pakistanische Regierung Taliban-Ziele in der afghanischen Hauptstadt Kabul und in den Provinzen Kandahar und Paktia bombardiert. Das bestätigte der Sprecher der islamistischen Taliban-Regierung, Sabiullah Mudschahid, auf der Plattform X. Es gebe keine Berichte über Opfer der Luftangriffe. Die pakistanische Seite sprach von Dutzenden getöteten Taliban-Kämpfern.

Pakistanische Sicherheitsbeamte und Rettungskräfte versammeln sich am Ort einer Bombenexplosion in einer schiitischen Moschee in Islamabad, Pakistan, Freitag, 6. Februar 2026.

Bei einem Anschlag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad sind mindestens 31 Menschen getötet worden. Ein Attentäter soll sich vor einer Moschee in die Luft gesprengt haben.

06.02.2026 | 0:24 min

Tote auf beiden Seiten

Afghanistan hatte zuvor pakistanische Stellungen entlang der umstrittenen Grenze angegriffen. Dabei seien 55 pakistanische Soldaten getötet worden, teilte das afghanische Verteidigungsministerium mit. Pakistanische Stellungen im Grenzgebiet seien eingenommen worden. Bei Angriffen seien unter anderem Waffenlager, Panzer und Militäranlagen zerstört worden. Die Angaben beider Seiten ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Pakistans Regierung gibt sich entschlossen

Pakistans Präsident Asif Ali Zardari schrieb auf X, die Reaktion der pakistanischen Streitkräfte sei umfassend und entschlossen. Sein Land werde keine Zugeständnisse in Bezug auf Frieden und territoriale Integrität machen. 133 afghanische Taliban-Kämpfer seien bei Gegenschlägen getötet worden, so der pakistanische Informationsminister Attaullah Tarar auf X.

Der pakistanische Regierungschef Shehbaz Sharif bekräftigte, die pakistanische Armee verfüge "über die volle Fähigkeit, jegliche aggressiven Ambitionen zu zerschlagen", die Nation stehe "Schulter an Schulter", hieß es in einer bei X veröffentlichten Erklärung.

Iran hat angeboten, im Konflikt zu vermitteln. Teheran sei bereit, "jede notwendige Hilfe zu leisten, um den Dialog zu erleichtern", erklärte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi im Onlinedienst X.

Menschen stehen neben den Trümmern eines Gebäudes in Spin Boldak, Afghanistan.

Im Oktober hatten sich Afghanistan und Pakistan bei Gesprächen in Doha auf eine "sofortige Feuerpause" in ihrem Konflikt geeinigt. Es sollte ein dauerhafter Frieden geschaffen werden.

19.10.2025 | 0:18 min

UN-Chef Guterres fordert Deeskalation

UN-Generalsekretär António Guterres forderte Afghanistan und Pakistan angesichts der jüngsten gegenseitigen Angriffe zur Deeskalation auf. Die Parteien sollten versuchen, alle Differenzen auf diplomatischem Weg beizulegen, sagte Guterres nach Angaben seines Sprechers Stéphane Dujarric.

Am Wochenende hatte Pakistan Stellungen in Afghanistan angegriffen. Die UN-Hilfsmission für Afghanistan (UNAMA) teilte im Nachgang mit, 13 Zivilisten seien bei den Luftschlägen ums Leben gekommen, sieben weitere verletzt worden. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid hatte die folgenden Angriffe auf Pakistan als Gegenoffensive bezeichnet.

Die Beziehungen zwischen den Nachbarländern Afghanistan und Pakistan haben sich zuletzt massiv verschlechtert. Erst im Herbst war es zu Gefechten gekommen. Laut UN-Angaben starben damals 70 afghanische Zivilisten bei pakistanischen Angriffen. Friedensverhandlungen unter Vermittlung des Golfemirats Katar und der Türkei brachten keine nachhaltige Lösung des Konflikts.

Krisenreporterin Katrin Eigendorf blickt hinter die Fassade des Taliban-Regimes

Krisenreporterin Katrin Eigendorf reist mit dem ersten Fernsehteam seit zwei Jahren nach Afghanistan und wirft einen Blick hinter die Fassade des Taliban-Regimes.

18.12.2025 | 43:09 min

Was steckt hinter den Gefechten?

Islamabad wirft Kabul vor, Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben. Kabul bestreitet das. Insbesondere die Gruppe Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) - weithin als Pakistanische Taliban bekannt - und ein regionaler Ableger des Islamischen Staates (IS) verüben in Pakistan seit Jahren immer mehr Anschläge. Nach Angaben des Pakistan Institute for Peace Studies stieg die Zahl der Terroranschläge in Pakistan 2025 auf fast 700.

Auch die Vereinten Nationen schreiben in einem jüngst veröffentlichten Bericht, dass die Regierung in Kabul verschiedenen Terrorgruppen im Land ein günstiges Umfeld biete und die Pakistanischen Taliban unterstütze. Die regierenden Taliban bestreiten das.

Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Morgenmagatin von ARD und ZDF am 27.02.2026 ab 5:30 Uhr.

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