Ex-Diplomat über USA-Iran-Verhandlungen:"USA haben viele Anreize ins Schaufenster gestellt"
Das Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran steht, nun soll eine endgültige Vereinbarung ausgelotet werden. Ex-Diplomat Lucas ist skeptisch, er erwartet "mühsame" Verhandlungen.
Der Blick auf das 14-Punkte-Rahmenabkommen stimme ihn "nicht sehr optimistisch", sagt der Ex-Diplomat Hans-Dieter Lucas. Die USA hätten viele Anreize "ins Schaufenster gestellt".
18.06.2026 | 5:39 minDas Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran zur Beendigung des Krieges steht, US-Präsident Donald Trump und der iranische Präsident Massud Peseschkia haben am Mittwochabend die Vereinbarung mit insgesamt 14 Punkten unterzeichnet.
Eine endgültige Vereinbarung zwischen den USA und Iran soll innerhalb von 60 Tagen erzielt werden. Der Zeitraum ist, wenn beide Seiten zustimmen, verlängerbar. Ob es am Ende zu einer Lösung auch im Streit um das umstrittene iranische Atomprogramm kommt, ist jedoch keineswegs sicher.
Die getroffene Rahmenvereinbarung zwischen Iran und den USA lässt wichtige Fragen offen.
18.06.2026 | 1:00 minNuklear-Frage: "Iran hat keine Konzession gemacht"
Ex-Diplomat Hans-Dieter Lucas, der im Jahr 2015 mit den UN-Vetomächten und der EU um das Atomabkommen mit Irans Führung rang, zeigte sich im ZDF heute journal skeptisch gegenüber den Verhandlungsaussichten:
Der Blick auf die 14 Punkte stimmt mich nicht sehr optimistisch. Die USA haben schon viele Anreize jetzt ins Schaufenster gestellt.
Ex-Diplomat Hans-Dieter Lucas
"Dagegen hat Iran in diesen 14 Punkten keine wirkliche Konzession mit Blick auf die nukleare Frage gemacht. Es ist völlig offen, zu welchen Beschränkungen er bereit sein wird. All das muss jetzt mühsam verhandelt werden", sagte Lucas im ZDF weiter.
Nach vier Monaten Krieg haben die USA und Iran ein Rahmenabkommen unterzeichnet. In welcher Verfassung befindet sich Iran militärisch, wirtschaftlich und politisch?
18.06.2026 | 3:00 minEx-Diplomat Lucas: Strategie für Verhandlungen entwickeln
Während die USA laut Lucas eine "weitestgehende Beschränkung des iranischen Nuklearprogramms erreichen wollen, "idealiter eine Suspendierung der Anreicherung - all das bei massiver internationaler Kontrolle", habe Iran wiederum Interesse an einer Aufhebung aller Sanktionen, "idealiter auch einer zumindest minimalen Fortsetzung seines Anreicherungsprogrammes".
Es müsse nun eine Strategie entwickelt werden, worüber die USA und Iran in den 60 Tagen konkret verhandeln wollen: "Ist es eigentlich nur das Nuklearprogramm? Welche Rolle wird das Raketenprogramm spielen? Welche Rolle spielt die Straße von Hormus? Wie wird man mit dem Konflikt Israel-Libanon umgehen? Das sind alles sehr komplexe Fragen", führt Lucas im Interview auf.
Die Chancen, diese Verhandlungen erfolgreich zu führen, sind umso größer, je eher man sich jetzt auf einen konkreten Fahrplan einigt und auf die Parameter dessen, was man erreichen will.
Ex-Diplomat Hans-Dieter Lucas
"Ich glaube, es kommt jetzt auf der amerikanischen Seite sehr darauf an, ein hochqualifiziertes Expertenteam zusammenzustellen, das in der Lage ist, auf der Fachebene mit Iran zu verhandeln."
CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen zu Gast bei "maybrit illner" zum Thema: "Trumps Frieden mit Iran – Desaster oder Durchbruch?"
18.06.2026 | 1:30 minDie "Knackpunkte" in den USA-Iran-Verhandlungen
Lucas zufolge werden zwischen den USA und Iran diese Themen die "Knackpunkte" in den Verhandlungen sein:
- Wie weit ist Iran bereit, sein Anreicherungsprogramm zu reduzieren?
- Welches Recht wird Iran den Inspektoren einräumen?
- Wie und zu welchem Zeitpunkt werden die Sanktionen aufgehoben werden?
In dem bisher letzten großen Abkommen mit Iran, dem in Wien geschlossenen Atomdeal von 2015, habe man erreicht, "Iran für viele, viele Jahre den Weg zur Atombombe zu verbauen", berichtet Lucas, der 2015 die deutsche Delegation in den Verhandlungen anführte. Iran habe sich bis 2018 an dieses Abkommen gehalten, so Lucas. "Erst als Donald Trump 2018 sich entschloss, aus dem Abkommen auszusteigen, hat Iran auch wieder angefangen, anzureichern."
Es kommt jetzt wirklich darauf an, ein möglichst wasserdichtes Abkommen zu verhandeln. Aber ich denke, bis dahin ist noch ein sehr, sehr weiter Weg zu gehen.
Ex-Diplomat Hans-Dieter Lucas
Die Vereinigten Staaten von Amerika, die Islamische Republik Iran sowie ihre Verbündeten im gegenwärtigen Krieg erklären mit der Unterzeichnung dieses Memorandum of Understanding (MOU) die sofortige und dauerhafte Beendigung militärischer Operationen an allen Fronten, einschließlich des Libanon, und verpflichten sich, von nun an keinen Krieg und keine militärischen Operationen gegeneinander zu beginnen sowie auf Drohung oder Anwendung von Gewalt gegeneinander zu verzichten und die territoriale Integrität und Souveränität des Libanon zu gewährleisten. Ein endgültiges Abkommen wird die dauerhafte Beendigung des Krieges an allen Fronten, einschließlich des Libanon, sowie die weiteren Bestimmungen bestätigen.
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Islamische Republik Iran verpflichten sich, die Souveränität und territoriale Integrität des jeweils anderen zu achten und jede Einmischung in die inneren Angelegenheiten des jeweils anderen zu unterlassen.
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Islamische Republik Iran verpflichten sich, innerhalb von maximal 60 Tagen ein endgültiges Abkommen auszuhandeln und zu erzielen; diese Frist kann im gegenseitigen Einvernehmen verlängert werden.
Unmittelbar nach der Unterzeichnung dieses Memorandums werden die Vereinigten Staaten von Amerika mit der Aufhebung ihrer Seeblockade sowie sämtlicher Störungen oder Hindernisse gegenüber der Islamischen Republik Iran beginnen und die Seeblockade innerhalb von 30 Tagen vollständig beenden. In diesem Zeitraum wird das Schiffsverkehrsaufkommen proportional zu den von der Islamischen Republik Iran wiederhergestellten Verkehrszahlen aus der Vorkriegszeit sein. Die Vereinigten Staaten von Amerika verpflichten sich ferner, ihre Kräfte innerhalb von 30 Tagen nach Abschluss des endgültigen Abkommens aus der Nähe der Islamischen Republik Iran abzuziehen.
Mit der Unterzeichnung dieses Memorandums wird die Islamische Republik Iran nach besten Kräften Vorkehrungen für die sichere Durchfahrt von Handelsschiffen ohne Gebühren für einen Zeitraum von 60 Tagen zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman sowie in umgekehrter Richtung treffen. Der Verkehr von Handelsschiffen wird unter Berücksichtigung der Notwendigkeit der Beseitigung technischer und militärischer Hindernisse unverzüglich aufgenommen; Maßnahmen zur Minenräumung durch die Islamische Republik Iran werden innerhalb von 30 Tagen eingeleitet. Die Islamische Republik Iran wird einen Dialog mit dem Sultanat Oman führen, um die zukünftige Verwaltung und maritime Dienstleistungen in der Straße von Hormus festzulegen, in Abstimmung mit anderen Anrainerstaaten des Persischen Golfs, im Einklang mit dem geltenden Völkerrecht und den souveränen Rechten der Küstenstaaten der Straße von Hormus.
Die Vereinigten Staaten von Amerika verpflichten sich gemeinsam mit regionalen Partnern zur Entwicklung eines verbindlichen, gemeinsam abgestimmten Plans mit einem Volumen von mindestens 300 Milliarden US-Dollar für den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Entwicklung der Islamischen Republik Iran. Der Mechanismus zur Umsetzung dieses Plans wird im Rahmen einer endgültigen Vereinbarung innerhalb von 60 Tagen festgelegt. Alle für die entsprechenden Finanztransaktionen erforderlichen Lizenzen, Ausnahmeregelungen und Genehmigungen werden von den Vereinigten Staaten von Amerika erteilt.
Die Vereinigten Staaten von Amerika verpflichten sich, alle Arten von Sanktionen gegen die Islamische Republik Iran zu beenden, einschließlich Resolutionen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, Beschlüsse des Board of Governors der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) sowie aller einseitigen amerikanischen Sanktionen, primärer und sekundärer Art, nach einem vereinbarten Zeitplan im Rahmen des endgültigen Abkommens. Die Islamische Republik Iran und die Vereinigten Staaten von Amerika erkennen die zentrale Bedeutung der oben genannten Sanktionsaufhebung an und bekunden ihre Absicht, diese Fragen unverzüglich in den Verhandlungen zu behandeln, um eine gemeinsame Einigung zu erzielen.
Die Islamische Republik Iran bekräftigt, dass sie keine Atomwaffen beschaffen oder entwickeln wird. Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Islamische Republik Iran haben vereinbart, über den Umgang mit gelagertem angereichertem Material im Einklang mit einem gemeinsam festzulegenden Mechanismus entsprechend dem in Paragraph 7 genannten Zeitplan zu entscheiden, wobei als Mindestmaßnahme eine Abreicherung vor Ort unter Aufsicht der IAEA vorgesehen ist. Beide Parteien haben außerdem vereinbart, Fragen der Urananreicherung sowie weitere einvernehmlich festzulegende Aspekte im Zusammenhang mit den nuklearen Bedürfnissen der Islamischen Republik Iran auf Grundlage eines im endgültigen Abkommen zu vereinbarenden Rahmens zu erörtern. Das endgültige Abkommen wird die Bestimmungen dieses Paragraphen bestätigen. Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Islamische Republik Iran erkennen die große Bedeutung der oben genannten nuklearen Fragen an und bekunden ihre Absicht, diese unverzüglich in den Verhandlungen zu behandeln, um eine einvernehmliche Lösung zu erreichen.
Bis zum Abschluss eines endgültigen Abkommens vereinbaren die Vereinigten Staaten von Amerika und die Islamische Republik Iran, den Status quo aufrechtzuerhalten. Die Islamische Republik Iran wird den aktuellen Stand ihres Atomprogramms beibehalten, und die Vereinigten Staaten von Amerika werden keine neuen Sanktionen verhängen und keine zusätzlichen Streitkräfte in der Region stationieren.
Die Vereinigten Staaten von Amerika verpflichten sich, dass unmittelbar nach der Unterzeichnung dieses Memorandums und bis zur Aufhebung der Sanktionen das US-Finanzministerium Ausnahmegenehmigungen für den Export von iranischem Rohöl, Erdölprodukten und Derivaten sowie für alle damit verbundenen Dienstleistungen, einschließlich Banktransaktionen, Versicherungen, Transport usw., vorbereiten will.
Die Vereinigten Staaten von Amerika verpflichten sich, die eingefrorenen oder eingeschränkten Gelder und Vermögenswerte der Islamischen Republik Iran nach Inkrafttreten dieses Memorandums uneingeschränkt zur Verfügung zu stellen. Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Islamische Republik Iran werden im Verlauf der Verhandlungen gemeinsam die Verfahren für die Freigabe dieser Gelder festlegen. Diese Mittel - unabhängig davon, ob sie auf dem ursprünglichen Konto verbleiben oder übertragen werden - sollen vollständig für Zahlungen an jeden von der Zentralbank der Islamischen Republik Iran benannten Endbegünstigten nutzbar sein. Die Vereinigten Staaten von Amerika verpflichten sich, alle erforderlichen Lizenzen und Genehmigungen entsprechend zu erteilen.
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Islamische Republik Iran vereinbaren die Einrichtung eines Exekutivmechanismus zur Überwachung der erfolgreichen Umsetzung dieses Memorandums sowie der künftigen Einhaltung des endgültigen Abkommens.
Nach der Unterzeichnung dieses Memorandums und unter der Voraussetzung des Beginns der Umsetzung seiner Paragraphen 1, 4, 5, 10 und 11 sowie der fortlaufenden Umsetzung dieser Maßnahmen werden die Vereinigten Staaten von Amerika und die Islamische Republik Iran Verhandlungen über das endgültige Abkommen ausschließlich zu den übrigen Paragraphen aufnehmen.
Das endgültige Abkommen wird durch eine verbindliche Resolution des UN-Sicherheitsrats bestätigt.
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