Weltklimakonferenz COP30 in Brasilien:Abschlusstext wohl ohne Fahrplan für fossile Energien
Die Weltklimakonferenz ringt um das Abschlussdokument. Ein Fahrplan für den Ausstieg aus fossilen Energieträgern fehlt im Entwurf. Die EU hat dem jetzt wohl zugestimmt.
Die Weltklimakonferenz in Belém muss in die Verlängerung. Es gibt noch keine Einigung, ob die Folgen fossiler Energieträger im Abschlussdokument Erwähnung finden sollen.
22.11.2025 | 0:22 minAuf der Weltklimakonferenz COP30 in Brasilien ist offenbar eine vorläufige Einigung erzielt worden. Die Europäische Union hat sich mit ihrer Forderung nach einem Fahrplan zur Abkehr von fossilen Energieträgern nicht durchsetzen können.
Der am Samstag vorgelegte übergreifende Beschlussentwurf enthält das Wort "fossile" nicht, er verweist lediglich auf einen Aufruf bei der vorletzten COP in Dubai zu einem "Übergang weg von fossilen Energieträgern in den Energiesystemen". Außerdem wird in der neuen Vorlage die Notwendigkeit betont, den globalen Treibhausgas-Ausstoß drastisch zu verringern.
Die EU hatte sich zuvor vor allem mit Ölländern und anderen Staaten darüber gestritten, ob ein Fahrplan für eine globale Abkehr von fossilen Energieträgern beschlossen werden soll oder nicht.
Die Delegierten des Klimagipfels konnten sich bisher nicht auf ein Abschlussdokument einigen. Die Weltklimakonferenz befinde sich in einer "Pattsituation", berichtet ZDF-Korrespondentin Winnie Heescher.
22.11.2025 | 1:01 minWarum ist eine Einigung in Belém so schwierig?
Die Europäer wollten nach den fast zweiwöchigen Verhandlungen in Belém dringend Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgas-Emissionen und ein grundsätzliches Bekenntnis zur Abkehr von Kohle, Öl und Gas erreichen, da deren Verbrennung der Hauptverursacher des Klimawandels ist. Dagegen stellten sich unter anderem China, Indien und die Ölländer Saudi-Arabien und Russland.
Die Leitung der Klimakonferenz COP30 strebe für den späten Vormittag (Ortszeit) ein Treffen aller verbliebenen Delegationen von Ländern, bei dem ein Beschluss gefasst werden solle. Umweltverbände sprachen indes schon von einem schwachen Ergebnis.
Bei der Weltklimakonferenz müssen Beschlüsse der rund 190 Staaten im Konsens getroffen werden.
Die Weltklimakonferenz COP 30 findet dieses Jahr in Belém statt, einer brasilianischen Millionenstadt im Amazonasgebiet. Nun geht diese ihrem Ende entgegen. Außer Symbolik – was hat sie gebracht?
20.11.2025 | 30:21 minListe mit Vorschlägen statt Fahrplan für Ausstieg
COP30-Präsident André Corrêa do Lago räumte im Gespräch des Portals "Amazônia Vox" am Samstag ein, dass ein Fahrplan für einen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas, wie ihn Deutschland und mehr als 80 weitere Länder fordern, sich nicht im Abschlusstext der Klimakonferenz finden werde.
Stattdessen werde dieses Thema in einer separaten Liste mit Vorschlägen vorkommen, die sein Team zu einem späteren Zeitpunkt präsentieren werde. Dadurch werde die Forderung nicht dasselbe Gewicht haben wie ein Beschluss, dem Staaten bei der Klimakonferenz zustimmen würden, monierten Kritiker.
Bei der Klimakonferenz entlädt sich die Wut einiger indigener Aktivisten. Sie dürfen über ihren Lebensraum nicht mitverhandeln. Ob das Klima bei der COP gewinnt, bleibt abzuwarten.
12.11.2025 | 2:23 minUmweltminister Schneider kritisiert Öl-Staaten
Umweltminister Carsten Schneider hat den Öl-Staaten vorgeworfen, ehrgeizige Beschlüsse zum Klimaschutz verhindert zu haben. Zugleich hätten ärmere Staaten nicht konsequent dagegengehalten. "Wir waren hier konfrontiert mit einer sehr stark auftretenden Petro-Industrie - Ländern, die sich mit Öl und Gas ihr Geld verdienen, die hier eine Blockade-Mehrheit organisiert haben gegen jeden Fortschritt in diesem Bereich", sagte der SPD-Politiker im brasilianischen Belém.
Ich hätte erwartet, dass insbesondere von den am meisten betroffenen Ländern, den Inselstaaten, Afrika, eine lautere Stimme auch für das Thema Klimaschutz zu hören war.
Carsten Schneider, Umweltminister
"Das war ehrlicherweise nur von Europa zu hören." Deutschland und die Europäer hatten sich in den vergangenen Tagen vehement für einen Plan zur Abkehr von Öl, Gas und Kohle eingesetzt.
In Belém hat Umweltminister Schneider Hilfe für Entwicklungsländer bei Extremwetterereignissen zugesagt. Auch präsentiert heute Germanwatch auf der Weltklimakonferenz den Klimaschutz-Index.
18.11.2025 | 1:46 minFossilen-Ausstieg "ohne festgelegte Frist"?
Der Fahrplan zum Ausstieg aus den fossilen Energien war ursprünglich von Brasiliens Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva vorgeschlagen worden und eines der zentralen Themen der zweiwöchigen Verhandlungen bei der UN-Klimakonferenz in Belém.
Am Mittwoch hatte Lula allerdings bei einem Besuch am Konferenzort gesagt, die Länder sollten den Ausstieg aus den klimaschädlichen Energien entsprechend ihrer "Möglichkeiten" vollziehen. Dies solle erfolgen, "ohne irgendjemandem etwas vorzuschreiben, ohne eine Frist festzulegen".
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