Social Media ab 16 Jahren:Wirkt Australiens Social-Media-Verbot?
von Lea Scholz
Seit Dezember ist Social Media für unter 16-Jährige in Australien verboten - trotzdem hat jeder Dritte noch einen Account. Australiens Kampf gegen die Tech-Konzerne geht weiter.
Seit Dezember gilt in Australien ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. Doch eine Erstuntersuchung der Regierung zeigt nun: Das Gesetz lässt sich viel zu leicht umgehen.
07.04.2026 | 1:20 minVor gut drei Monaten bekamen die 13-jährigen Freundinnen Evita und Scarlett aus Australien die Aufforderung von TikTok, ihre Accounts zu löschen. TikToks drehen können sie trotzdem noch - obwohl Australien im Dezember als erstes Land der Welt ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige einführte. "Ich habe mein Alter auf 20 Jahre gesetzt und sie haben wohl geglaubt, dass das stimmt", erzählt Scarlett, als die ZDFheute die beiden Anfang des Jahres trifft.
In Australien werden fünf Social-Media-Plattformen wegen möglicher Verstöße gegen das neue Verbot für unter 16-Jährige untersucht. Betroffen sind unter anderem Facebook, Instagram und TikTok.
31.03.2026 | 0:26 minWie den beiden Freundinnen gelingt es vielen Jugendlichen in Australien, das Verbot zu umgehen. Das zeigt auch der erste Untersuchungsbericht seit Inkrafttreten des Gesetzes, den die australische Internet-Aufsichtsbehörde "eSafety" vergangene Woche veröffentlicht hat.
Viele Jugendliche umgehen das Verbot
Demzufolge haben die Plattformen zwar fünf Millionen Nutzerkonten gelöscht und weitere 310.000 Registrierungen verhindert. Jedoch berichtete knapp ein Drittel der 900 befragten Eltern, ihre Kinder hätten mindestens noch ein Social-Media-Konto - verglichen mit der Hälfte vor Einführung des Gesetzes. Insbesondere TikTok, Instagram und Snapchat werden weiterhin genutzt: Knapp 70 Prozent aller unter 16-Jährigen, die vor dem Verbot auf diesen Plattformen ein Nutzerkonto hatten, können noch immer darauf zugreifen. Das zeigt ein Bericht der australischen Aufsichtsbehörde.
Als erstes Land hat Australien im Dezember 2025 ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige eingeführt. Noch funktioniert dort allerdings nicht alles nach Plan.
16.02.2026 | 2:38 minPlattformen versagen bei der Altersüberprüfung
Der häufigste Grund: Die Plattformen fordern die Kinder und Jugendlichen gar nicht erst auf, ihr Alter zu verifizieren. Und wenn die unter 16-Jährigen gefragt wurden, hätten sie die Altersüberprüfung mehrmals durchlaufen können, bis sie das gewünschte Ergebnis erhielten. Wie Scarlett aus Sydney geben die Jugendlichen entweder ein falsches Alter an oder tricksen die Gesichtserkennung der Plattformen aus, indem sie einem Älteren das Handy vor das Gesicht halten oder sich älter schminken.
Aber wie kann das sein? Das Gesetz schreibt den Techkonzernen bisher nicht vor, wie sie sicherstellen, dass die Altersgrenze eingehalten wird. Die Verantwortung liegt bei den Plattformen selbst. "Die Taktiken, die wir bei Social-Media-Plattformen beobachten, um Australiens weltweit führendes Gesetz zu untergraben, stammen direkt aus dem Handbuch der großen Tech-Konzerne", sagt Australiens Kommunikationsministerin Anika Wells.
Manfred Patzer-Bönig, Vorsitzender des Fachverbands Medienabhängigkeit e.V., im Interview zum Social Media-Verbot in Australien und zur einer Umsetzbarkeit in Deutschland.
10.12.2025 | 6:12 minTechkonzernen drohen Strafen in Millionenhöhe
Die Ergebnisse des Untersuchungsberichts seien inakzeptabel:
Wenn diese Social-Media-Unternehmen in Australien Geschäfte machen wollen, müssen sie sich an die australischen Gesetze halten.
Anika Wells, australische Kommunikationsministerin
Die australische Aufsichtsbehörde leitete nun Ermittlungen gegen fünf Plattformen ein - betroffen sind Facebook, Instagram, TikTok, Snapchat und YouTube. Ihnen drohen Strafen von bis zu 49,5 Millionen australischen Dollar (27,9 Millionen Euro). Wells erklärte, "eSafety" sammle weiter Beweismaterial, bevor entschieden werde, ob diese Bußgelder gegen ein Unternehmen verhängt würden.
Die Plattformbetreiber stehen vor wegweisenden Umbrüchen. Urteile über Schadenszahlungen in Millionenhöhe erschüttern die Branche. ZDFheute live zu den Folgen für die Konzerne.
26.03.2026 | 9:56 minAustralien gilt als Vorreiter
Australiens Online-Sicherheitsbeauftragte Julie Inman Grant sieht trotzdem erste Erfolge des Verbots: "Eltern erzählen uns, dass sie durch das Gesetz nun die Möglichkeit hätten, den Wünschen ihrer Kinder nach Social-Media-Konten eine Absage zu erteilen." Und genau die brauche es, um die Kinder und Jugendlichen zu schützen:
Wir verbieten nicht Kindern den Zugang zu Sozialen Medien - wir versuchen, Sozialen Medien den Zugang zu unseren Kindern zu verbieten. Das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied.
Julie Inman Grant, australische Online-Sicherheitsbeauftragte
Australien bleibt damit ein Vorreiter im Umgang mit den Social-Media-Plattformen. Immer mehr Länder in Südostasien nehmen sich daran ein Beispiel. Seit wenigen Wochen gilt auch in Indonesien eine Altersbegrenzung, in Malaysia ist ein Verbot bereits angekündigt.
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