WhatsApp für Kinder: Prien für Regulierung, Pädagogen kritisch

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Debatte um Social-Media-Verbot:WhatsApp & Kinder: Prien für Regulierung, Pädagogen kritisch

von Annika Block

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Bildungsministerin Karin Prien fordert eine stärkere Regulierung für Messenger - und stößt damit nicht nur beim Lehrerverband auf Kritik. Auch der Jugendmedienschutz hat Bedenken.

Die Symbole von Social-Media-Apps wie Facebook, Instagram, YouTube und WhatsApp sind auf dem Bildschirm eines Mobiltelefons zu sehen.

Bundesbildungsministerin Prien will auch Messenger regulieren. Der Deutsche Lehrerverband hält ein Verbot für unrealistisch. Anlass der Debatte sind Probleme wie Mobbing-Fälle in Klassenchats.

20.03.2026 | 0:31 min

Im Rahmen der aktuellen Debatte um ein Social-Media-Verbot für Kinder und Erwachsene hat die Bildungsministerin Karin Prien eine Regulierung von WhatsApp gefordert. Die Idee stößt auf scharfe Kritik. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was fordert Karin Prien?

Die CDU-Politikerin hatte sich am Mittwoch im WDR für eine Regulierung von Plattformen wie WhatsApp für junge Menschen ausgesprochen. Sie teilte dem Sender mit:

Ich glaube, wir müssen nicht nur über Social-Media-Regulierung, sondern auch über Messengerdienst-Regulierung sprechen.

Karin Prien, Bildungsministerin

Hintergrund ist eine Umfrage unter Kindern und Jugendlichen von Infratest dimap, die der WDR in Auftrag gegeben hat und die im Februar 2026 veröffentlicht wurde.

Prien gab im Gespräch mit dem WDR zu, bisher "zu lange weggeguckt" zu haben, wenn es um Klassenchats ging. Doch Nacktbilder oder Videos von Gewalt hätten in WhatsApp-Gruppen keinen Platz, erklärte die Bildungsministerin.

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Was hält die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz von der Forderung?

Grundsätzlich würde die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) die Debatte um eine "kindgerechte und risikoarme Nutzung von digitalen Diensten" befürworten. Denn auf Messengern wie WhatsApp würden nach der Erfahrung des BzKJ Risiken wie Cybermobbing in Klassenchats bestehen. Zusätzlich stuft die BzKJ weitere Risiken wie Cybergrooming, Sexting ohne Einverständnis oder die Verbreitung radikalisierender Inhalte als "besorgniserregend" ein.

Ein effektiver Schutz von Kindern und Jugendlichen wäre auch bei Messengern nur "im Dreiklang aus Schutz, Befähigung und Teilhabe" möglich. Die BzKJ erläuterte gegenüber ZDFheute:

Kindern und Jugendlichen müssen niedrigschwellig und möglichst frühzeitig entsprechende Kompetenzen vermittelt werden.

Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz

Konkret bräuchten junge Menschen das Bewusstsein, wie sich ihr eigenens Handeln auf Andere auswirkt und Strategien, um Probleme schnell zu bekämpfen. Dazu können Vertrauenspersonen oder die mögliche Strafbarkeit von Inhalten gehören. Medienpädagoginnen und -pädagogen oder Anlaufstellen wie die "Nummer gegen Kummer" können Kindern und Jugendlichen unterstützen.

Die "Nummer gegen Kummer" ist ein kostenloses und anonymes Beratungsangebot. Jede Person kann in einem vertraulichen Rahmen jegliche Themen ansprechen und wird von einer Ansprechsperson unterstützt.

Für Kinder und Jugendliche lautet die Nummer 116 111.


Doch Messenger würden jungen Menschen auch einen einen Ort bieten, in dem sie sich mit Gleichaltrigen austauschen können und sich gegenseitig orientieren können. Sie würden gemeinsam lernen, diskutieren und so ihr "Recht auf Teilhabe" ausüben. Die BzKJ erklärt, dass das eng mit der Entwicklung junger Personen zusammenhänge:

Ganz zentral ist hierbei die Frage des Loslösens vom Elternhaus sowie die eigene Rollenfindung in Bezug auf die Gesellschaft. Messenger bieten dafür einen Kommunikationsraum, um soziale Erfahrungen zu machen.

Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz

Der Rat der BzKJ lautet also: Erziehungsberechtigte sollten offen mit ihren Kindern in das Gespräch gehen, Interesse und Respekt zeigen und eine gemeinsame Vertrauensbasis schaffen. Eine strenge Überwachung könnte die gute und vertrauliche Beziehung wieder zerstören.

Manfred Patzer-Bönig

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Was denken Medienpädagogen?

Heike Kaminski vom Arbeitsbereich Medienpädagogik an der Johannes-Gutenberg-Universität sieht eine Regulierung als "sehr schwer umsetzbar" an. Sie erklärte:

Ferner finde ich, dass sich die Politik aus so einem Thema weitgehend heraushalten sollte; für mich liegt die Hauptverantwortung bei den Eltern.

Heike Kaminski, Arbeitsbereich Medienpädagogik an der Johannes-Gutenberg-Universität

Das Risiko, das sich aus Klassenchats bei Kindern und Jugendlichen ergibt, hält Kaminski für "handelbar" - man könne ja wieder aus den Gruppen austreten, sollte die Ansichten zu extrem werden. Ein Austausch von Kindern mit den Eltern sei dabei "unerlässlich". Wichtig sei ihrer Meinung nach eher, die Medienkompetenz der Kinder im frühen Alter zu stärken.

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Wie lautet die Kritik vom Lehrerverband?

Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, kritisiert den Regulierungs-Vorschlag: "Ein generelles Verbot oder weitreichende Nutzungseinschränkungen" seien "in der Praxis kaum realistisch", sagte Düll den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Denn Messenger wie WhatsApp spielten "heute eine zentrale Rolle in der alltäglichen Kommunikation und Terminabstimmung", sagte Düll. Etwa "innerhalb von Familien, in Vereinen, in Jugendgruppen, in religiösen Gemeinschaften."

In Bezug auf die WDR-Studie erklärt Düll, dass es solche Fälle gebe und "an Schulen durchaus als belastend erlebt" werden würden. Doch Einzelfälle könnten nicht konkret den tatsächlichen Gesamtumfang problematischer Inhalte in Klassenchats abbilden. Eine zuverlässige Abschätzung sei schwierig, so Düll.

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Was besagt die WDR-Studie?

Zahlreiche Schülerinnen und Schüler sind laut der WDR-Umfrage mit problematischen Inhalten konfrontiert. Die Studie hat Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 16 Jahren in Deutschland befragt.

Demnach gaben ein Drittel der Kinder und Jugendlichen an, diese unangenehmen Inhalte in Klassenchats bereits gesehen zu haben. 82 Prozent der Schülerinnen und Schüler seien in einem Klassenchat, die meisten von ihnen auf WhatsApp (92 Prozent).

Beleidigungen, Bloßstellungen, Ausgrenzung, Hass oder Nacktaufnahmen gehören zu den belastenden Inhalten. 35 Prozent der Befragten sind in Klassenchats mit solchen Inhalten. Zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler (69 Prozent), die in diesen Klassenchats sind, haben bereits Beleidigungen oder Bloßstellungen von Mitschülern oder Lehrkräften gesehen.

Über die Hälfte von ihnen (54 Prozent) hat das Mobbing einer Person beobachtet, 16 Prozent waren schon persönlich von Mobbing in Klassenchats betroffen. Jeder vierte Befragte (17 Prozent) hat schon Videos oder Bilder von Gewalt oder Verletzungen gesehen; 12 Prozent bereits Aufnahmen von nackten Körpern.

Bei jedem vierten Kind oder Jugendlichen (25 Prozent) hat ein Post im Klassenchat Sorgen hervorgerufen, so der WDR. Und jeder Sechste (17 Prozent) wollte wegen eines Beitrags in der Gruppe schon einmal nicht in die Schule gehen.

Quelle: WDR


Doch Klassenchats können mitunter auch zur Lösung von Problemen beitragen, zeigt die Studie. Diesem positiven Aspekt stimmten 61 Prozent der Befragten zu.

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Welche Rolle spielen WhatsApp-Kanäle?

Die Landesanstalt für Medien NRW hat ebenfalls eine Studie zum WhatsApp-Konsum von Kindern im März 2026 veröffentlicht. Dabei lag der Fokus auf der 2023 eingeführten "Kanal-Funktion", die häufig den Eltern nicht bekannt ist. Dafür wurden 100 von Minderjährigen betriebene Kanäle untersucht und Personen im Alter von 12 bis 18 Jahren befragt.

Die Kanäle sind besonders bei Jugendlichen beliebt, wenn ihnen von ihren Eltern andere Social-Media-Plattformen verboten wurden. Längst teilen Jugendliche teilweise unzensierte Fotos und Videos, private Gedanken oder persönliche Daten wie den Wohnort oder die Telefonnummer in den Kanälen. Der Gefahren und der erheblichen Risiken wie Cybergrooming sind sich die meisten Jugendlichen nicht bewusst.

Der Begriff des Cybergroomings wird vom Bundeskriminalamt als gezielt aufgebauter Kontakt mit Minderjährigen über das Internet beschrieben. Meist gäben sich Täter als gleichaltrig aus und versuchten, Vertrauen zu ihren Opfern zu gewinnen. Das Ziel sei dabei oft, die Kinder zum Senden von "freizügigen Selbstporträts" zu bringen. Manche Täter hegten zudem die Absicht, die Kinder in der Realität zu treffen und zu missbrauchen.

Quelle: Bundeskriminalamt


Die jungen Menschen erleben der Studie zufolge diese Kanäle wie das "Influencer-Dasein im kleinen Rahmen" und achten oft stark auf Abonnentenzahlen. Dabei erreichen sie aber nicht nur Gleichaltrige, sondern auch unbekannte Erwachsene, die uneingeschränkt Zugriff auf die Kanäle haben. Die WhatsApp-Kanäle sind zudem nicht von Hass verschont, wenn Mitglieder mit gewaltvollen oder sexualisierten Emojis auf die Beiträge reagieren.

Quelle: mit Material von dpa, epd
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress im Beitrag "Lehrerverband: WhatsApp-Verbot unrealistisch" am 20. März 2026 um 16:03 Uhr.

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