Handyverbot an Grundschulen:Handys ans Schulen: Prien sieht mentale Risiken für Kinder
Handys für Schüler verbieten und die Probleme sind vom Tisch? Bildungsministerin Prien räumt ein: Das greift zu kurz. Sie will zusätzliche Maßnahmen - auch im Einklang mit der EU.
Sehen Sie hier das ganze Gespräch mit Bundesbildungsministerin Karin Prien.
29.08.2025 | 4:08 minBundesbildungsministerin Karin Prien wirbt erneut für ein Handyverbot an Grundschulen. Im ZDFheute journal update erklärt die CDU-Politikerin ihre klare Haltung in der Debatte - und fordert sogar noch mehr.
Die frühe Nutzung sozialer Medien und lange Bildschirmzeiten hätten "massive Auswirkungen auf die mentale und körperliche Gesundheit von Kindern und Jugendlichen". Auch die Fitness leide darunter. Die Studienlage sei eindeutig.
Mehrere Bundesländer offen für Handyverbot an Grundschulen
Konzentrationsprobleme, Cybermobbing, Desinformation: Immer mehr Bundesländer denken wegen der Risiken der frühen Handynutzung offen über ein Verbot an Grundschulen nach - und ziehen Konsequenzen. So hat aktuell Sachsen ein Verbot für die Nutzung privater Handys an Grundschulen angekündigt.
Es soll im nächsten Schulhalbjahr starten, erklärte Kultusminister Conrad Clemens (CDU) am Donnerstagabend nach einem "Handygipfel" in Dresden.
Handyverbot an Schulen, darüber diskutierten Bildungsministerin Prien und der sächsische Ministerpräsident Kretschmer.
29.08.2025 | 1:58 minAnfang 2026 soll es ein weiteres Fachgespräch geben. Dann sollen die Nutzung privater Handys an weiterführenden Schulen und die Stärkung der Medienkompetenz im Fokus stehen.
Handyregeln: Was gilt in den Bundesländern?
Die Landesregierung plant eine Änderung des Schulgesetzes, um eine alters- und entwicklungsangemessene Regelung der Handynutzung zu stärken. Die Schulen sollen dabei weiterhin die Freiheit haben, ihre Regeln selbst zu bestimmen. Die Neuregelung soll noch dieses Jahr vom Landtag beschlossen werden.
Bayern ist das erste Bundesland mit einem landesweiten gesetzlichen Verbot der Handynutzung. Die Regelung wurde jedoch 2022 gelockert. Seitdem gilt sie nur an Grund- und Förderschulen.
Hier besteht kein pauschales Handyverbot. Schulen können dies bei Bedarf selbst über ihre Schulkonferenz festlegen.
Ab dem Schuljahr 2025/2026 müssen Grund- und Förderschüler (Klassen 1 bis 6) Mobiltelefone während des Unterrichts ausschalten und wegpacken. Schulen dürfen darüber hinaus eigene, weitergehende Regeln in ihren Hausordnungen festlegen.
Ab diesem Schuljahr gilt ein generelles Handyverbot an Grundschulen und in der Sekundarstufe I. Geräte müssen ausgeschaltet in den Taschen bleiben, dies gilt auch für Smartwatches. Für die Sekundarstufe II entscheiden die Schulen weiterhin selbst.
Hamburgs Schulbehörde verweist auf die Entscheidungskompetenzen der einzelnen Schulen. Das Schulgesetz erlaubt lediglich die zeitweilige Wegnahme von störenden Gegenständen.
In Hessen gilt ab diesem Sommer ein generelles Handyverbot an allen Schulen. In Grundschulen ist das Verbot besonders strikt und sieht kaum Ausnahmen vor. Für ältere Schülerinnen und Schüler sind Ausnahmen für bestimmte Zeiten, Räume, Unterrichtszwecke oder Notfälle möglich.
Hier können die Schulen eigenständig entscheiden. Das Schulgesetz sieht die vorübergehende Einziehung von Gegenständen als Maßnahme bei Erziehungskonflikten vor.
Die Landesregierung ist gegen ein generelles Handyverbot. Man möchte stärker auf eigenverantwortliche Konzepte der Schulen setzen. Insbesondere an Grundschulen soll die Handynutzung aber stark eingeschränkt werden.
Im bevölkerungsreichsten Bundesland gibt es kein generelles Handyverbot. Hier sind die Schulen selbst für ihre Regeln verantwortlich. Für Grund- und Förderschulen wird aber dringend empfohlen, Handys aus dem Schulalltag zu verbannen.
In Solingen startet zum Schulstart ein stadtweites Pilotprojekt für Fünftklässler, das einen Social-Media-Verzicht und ein Handynutzungsverbot in den Schulen vorsieht.
Die Landesregierung lehnt einheitliche Regeln ab. Schulen sollen stattdessen, gemeinsam mit Eltern und Schüler*innen, eigene Regeln für den Umgang mit Handys festlegen.
Im Saarland sind Handys an Grundschulen untersagt. Die Handynutzung an anderen Schulen ist nicht gesetzlich geregelt und bleibt den Schulen überlassen.
Das sächsische Kultusministerium hat angekündigt, ein Handyverbot an Grundschulen zum nächsten Schulhalbjahr im Februar 2026 einzuführen. Für weiterführende Schulen soll es kein landesweites Verbot geben.
Landesweite Verbote sind in Sachsen-Anhalt nicht geplant. Hier sollen Schulen selbst entscheiden.
Ab dem Schuljahr 2025/2026 gilt ein Handyverbot für die private Nutzung bis einschließlich Klasse 9. Die Schulen sind trotzdem angehalten, die konkreten Regeln über ihre Schulordnung festzulegen.
Das Thüringer Schulgesetz regelt, dass digitale Endgeräte grundsätzlich nur mit ausdrücklicher Erlaubnis genutzt werden dürfen. Die private Nutzung von Handys, Smartwatches und Tablets ist in Grundschulen sowie Gemeinschafts- und Förderschulen verboten.
Verbote in der Kritik
Doch Verbote sind auch umstritten. Kritiker warnen, dass Kinder dadurch den richtigen Umgang mit digitalen Medien nicht früh genug lernen. Und nach dem Unterricht seien sie ohnehin wieder Smartphones und Co. ausgesetzt.
Prien räumt im ZDF ein: "Ein mögliches Handyverbot an Grundschulen ersetzt ja nicht eine gute und auch bessere Medienerziehung und Medienpädagogik." Auch Eltern müssten "mit an Bord" sein. "Denn es geht natürlich auch darum, wie Kinder den Nachmittag und Abend verbringen."
Und da gilt zum Beispiel, dass mobile Endgeräte in den Schlafräumen der Kinder überhaupt nichts zu suchen haben.
Karin Prien (CDU), Bildungsministerin
An Schulen in Bremen gilt ab dem neuen Schuljahr ein Handyverbot von der 1. bis zur 10. Klasse.
14.08.2025 | 1:33 minPrien für Altersverifikation bei Social Media
Gleichzeitig gehe es nicht nur um ein Handyverbot oder die Regulierung von Social Media. Prien spricht sich für eine "dringend wirksame" Altersverifikation aus und eine Debatte, "ab welchem Alter Social-Media-Plattformen überhaupt für Kinder verfügbar sein sollten".
Das hatte vor wenigen Tagen auch Hendrik Streeck, Sucht- und Drogenbeauftragter der Bundesregierung, im ZDF gefordert:
26.08.2025 | 5:15 min
Das Thema müsse laut Prien vertieft diskutiert werden, wofür die Bundesregierung eine Expertenkommission einsetzen wolle. Auch mit europäischen Partnern brauche es gemeinsame Entscheidungen, so Prien.
Dass allein ein Handyverbot die Probleme der Nutzung eindämmen kann, glauben auch viele Schüler und Schülerinnen nicht. Dem ZDF sagte eine Schülerin:
Selbst wenn es die Regel gibt, würden sich nicht viele dranhalten, weil es teilweise hier auch Handyverbote gibt und das macht trotzdem jeder heimlich.
Fine, Schülerin
Selbst wenn Handys an Schulen verboten werden, bleibt also die Frage, wie sich solche Regeln im Alltag wirksam durchsetzen lassen.
Das Interview mit Karin Prien führte Stefan Leifert. Zusammengefasst von Christian Harz.
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