Entwurf geht an Vermittlungsausschuss:Frankreich: Senat billigt Social-Media-Verbot für Kinder
Soziale Medien können für Kinder große Gefahren bergen. Viele Länder versuchen, das Problem in den Griff zu bekommen. Frankreich ist nun einen Schritt weiter.
Vor allem für Kinder und Jugendliche kann der andauernde Konsum von Social-Media-Inhalten gefährlich sein.
Quelle: dpaFrankreich ist einem Verbot von Social-Media-Diensten für Kinder ein Stück näher gekommen: Der Senat verabschiedete am Dienstagabend einen Gesetzesvorschlag, der ein Mindestalter von 15 Jahren für die Nutzung bestimmter Online-Netzwerken festschreibt. Erklärtes Ziel ist es, die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen zu schützen.
Social-Media-Verbot: Suche nach Kompromiss
Der Text muss allerdings noch durch den Vermittlungsausschuss, wo Abgeordnete beider Kammern einen Kompromiss suchen. Der Senat hatte den ursprünglichen Text umgeschrieben. Statt eines pauschalen Verbots sieht der Entwurf nun vor, dass in einem zweiten Schritt eine Liste "schädlicher" Onlinedienste per Dekret festgelegt werden soll.
Kritiker warnen davor, dass diese Unterscheidung nicht mit dem EU-Recht kompatibel sei. Zu anderen Onlinediensten sollen unter 15-Jährige weiter Zugang haben, wenn ein Elternteil zustimmt.
Die französische Nationalversammlung hatte im Januar für das Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige gestimmt.
27.01.2026 | 0:16 minEinführung des Verbots verzögert sich wohl
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte das Ziel gesetzt, das Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren bereits im kommenden Schuljahr einzuführen. Der Vermittlungsausschuss und die anschließenden Abstimmungen in der Nationalversammlung und im Senat dürften das Inkrafttreten jedoch verzögern.
Experten warnen davor, dass Onlinedienste, die nicht auf der Liste stünden, zu Unrecht als "sicher" eingestuft werden könnten. Sie kritisieren zudem die Einführung einer elterlichen Genehmigung für die übrigen Onlinedienste.
Unter 16-Jährige sollen in Australien keinen Zugang mehr zu bestimmten Social-Media-Plattformen erhalten. Das neue Gesetz sieht die Anbieter bei der Umsetzung in der Pflicht.
10.12.2025 | 2:59 minDadurch werde die Verantwortung, die eigentlich den Plattformen zukommt, auf die Eltern abgewälzt, heißt es in einem am Dienstag in der Zeitung "Libération" veröffentlichten Meinungsartikel der Vorsitzenden einer Untersuchungskommission zu dem Thema. Die Kommission hatte unter anderem ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren gefordert.
15 Länder bemühen sich um Social-Media-Verbote
Der Bericht prangerte das "toxische Wirtschaftsmodell" der Onlinedienste an, das auf eine Maximierung der Bildschirmzeit setze, um Daten zu sammeln und diese durch personalisierte Werbung zu Geld zu machen. Als negative Folgen drohen dem Bericht zufolge Schlafstörungen, Bewegungsmangel, Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit, aber auch Cybermobbing und Kindesmissbrauch.
Manfred Patzer-Bönig, Vorsitzender des Fachverbands Medienabhängigkeit e.V., zum Social Media-Verbot in Australien und zu einer Umsetzbarkeit in Deutschland.
10.12.2025 | 6:12 minFrankreich ist bei der Umsetzung in jedem Fall auf die EU angewiesen, die allein die Online-Plattformen verpflichten kann, das Alter der Nutzerinnen und Nutzer zu prüfen.
Als erstes Land weltweit hatte Australien Ende vergangenen Jahres ein Social-Media-Verbot für Nutzer unter 16 Jahren eingeführt. Derzeit bemühen sich etwa 15 Länder, den Zugang Minderjähriger zu Social Media einzuschränken, darunter Österreich, Portugal, Spanien, Italien, Griechenland, Norwegen, Slowenien und Großbritannien. Auch in Deutschland wird ein solches Vorgehen geprüft.
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