Zölle fallen, Handel wird erleichtert:EU und Australien einigen sich auf Freihandelsabkommen
Die EU und Australien einigen sich auf ein Handelsabkommen, das Zölle abschaffen, Investitionen fördern und Europas Versorgung mit wichtigen Rohstoffen stärken soll.
Nach acht Jahren haben sich die EU und Australien geeinigt – ein geopolitischer Schachzug gegen Trumps Zölle und Chinas Einfluss, ergänzt durch eine neue Sicherheitspartnerschaft.
24.03.2026 | 2:46 minDie Europäische Union und Australien haben nach rund acht Jahren die Verhandlungen über ein umfassendes Freihandelsabkommen abgeschlossen. Das teilten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Premierminister Anthony Albanese in der australischen Hauptstadt Canberra mit. Beide stellten zudem auch eine neue Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft vor.
EU will unabhängiger werden
Von der Leyen machte deutlich, dass es für die EU wichtig ist, internationale Handelsbeziehungen auszubauen und zu diversifizieren, um Risiken und Abhängigkeiten zu verringern - zumal in einer Zeit, in der die USA unter Präsident Donald Trump mit ihrer aggressiven Zollpolitik ein zunehmend schwieriger Partner sind. Das Abkommen mit Australien folgt auch den politischen Zielen der EU, die Beziehungen im Indopazifik-Raum auszubauen und die Kooperation mit gleichgesinnten Demokratien zu stärken.
Australien hat viele seltene Rohstoffe, die Deutschland ansonsten aus China beziehen müsste. Es könne so eine "wirtschaftliche Lebensversicherung" sein, so Florian Neuhann.
24.03.2026 | 2:00 minMit dem Abkommen sollen Zölle und Handelshemmnisse abgebaut werden, um die Wirtschaft aller Partner anzukurbeln. Industriebereiche, die besonders von dem Abkommen profitieren könnten, sind der EU-Kommission zufolge etwa Maschinenbau, Chemikalien, Fahrzeugindustrie und Landwirtschaft.
Wir senden ein starkes Signal an den Rest der Welt, dass in Zeiten der Turbulenzen Freundschaft und Zusammenarbeit das Wichtigste sind.
Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin
Die EU und Australien seien geografisch weit voneinander entfernt, doch in der Sicht auf die Welt könne man einander kaum näher sein.
Partnerschaft bei Sicherheit und Verteidigung
Auch mit der neuen Partnerschaft im Bereich Sicherheit und Verteidigung rücke man noch enger zusammen. Von der Leyen sieht unter anderem stärkere Kooperation gegen Cyber-Risiken, hybride Bedrohungen sowie ausländische Informationsmanipulation und Einmischung vor.
Die EU geht davon aus, dass die Exporte aus den Mitgliedstaaten nach Australien im kommenden Jahrzehnt um bis zu 33 Prozent auf jährlich 17,7 Milliarden Euro wachsen könnten. Zu den Schlüsselsektoren mit starkem Wachstumspotenzial zählen den Angaben zufolge Molkereierzeugnisse mit einem erwarteten Plus von bis zu 48 Prozent, Kraftfahrzeuge mit 52 Prozent sowie Chemikalien mit 20 Prozent. EU-Investitionen in Australien könnten um mehr als 87 Prozent zulegen, heißt es.
Die EU ist nach Angaben aus Brüssel Australiens drittgrößter Handelspartner nach China und Japan. Für die Europäer ist Australien allerdings nur ein relativ kleiner Handelspartner: Im Warenhandel mit den 27 EU-Staaten rangiert das Land mit knapp 28 Millionen Einwohnern auf dem 20. Platz.
Nachdem der Supreme Court einen Teil der Zölle des US-Präsidenten für unrechtmäßig befand, reagiert Trump mit neuen Zöllen. Was bedeutet das für die EU? Die Analyse bei ZDFheute live.
21.02.2026 | 24:07 minFast alle Zölle sollen wegfallen
Das Abkommen sieht die Abschaffung von mehr als 99 Prozent der Zölle auf EU-Warenausfuhren nach Australien vor, wodurch Unternehmen aller Größen nach Angaben aus Brüssel jährlich rund eine Milliarde Euro an Zöllen sparen würden.
Zudem sind die Öffnung des australischen Dienstleistungsmarktes bei Finanzdienstleistungen und in der Telekommunikation, ein besserer Zugang für EU-Unternehmen zu öffentlichen Aufträgen in Australien und Maßnahmen für eine bessere Versorgung Europas mit kritischen Rohstoffen aus Australien Teil des Abkommens.
Auch soll es EU-Fachkräften die Arbeit in Australien erleichtern, und mit Einreisequoten für Ingenieure und Forschende auf beiden Seiten die Innovationskraft stärken.
Die EU und Australien rücken wirtschaftlich enger zusammen und haben in Canberra ein gemeinsames Freihandelsabkommen beschlossen. ZDF-Wirtschaftsexpertin Sina Mainitz mit einer Einschätzung.
24.03.2026 | 1:06 minWann das Abkommen mit Australien ratifiziert werden kann, ist noch unklar. Denn der Vertragstext muss noch rechtlich geprüft und in alle Amtssprachen der EU übersetzt werden. Anschließend muss er von den Mitgliedstaaten und vom Europäischen Parlament gebilligt werden.
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