Handelspartner in der EU:Deutschland und Frankreich: Stockt der Motor - oder nicht?
von Klaus Weber
Man könnte den Eindruck haben, zwischen Frankreich und Deutschland liefe es nicht gut: Das Kampfjet-Projekt FCAS steht vor dem Aus. Doch ein Blick in Zahlen verrät etwas anderes.
Deutschland und Frankreich - eine alte, verlässliche Handelsbeziehung wächst weiter. Gerade in Zeiten von geopolitischen Spannungen immer wichtiger.
13.03.2026 | 0:42 minFrankreich, Deutschland und Spanien wollten das wichtigste europäische Rüstungsprojekt realisieren: Das Future Combat Air System (FCAS). Industriell wird das Projekt von Dassault Aviation auf französischer Seite betreut und von Airbus für Deutschland und Spanien.
Seit Langem gibt es jedoch Streit über die Aufteilung der Arbeiten zwischen den beiden Konzernen. Nun sieht es so aus, als stünde das Gemeinschaftsprojekt vor dem Aus.
Wirtschaft mit Frankreich: In Wirklichkeit "brummt es"
FCAS überschattet aktuell die wirtschaftliche Beziehung Deutschlands zu Frankreich, die aber eigentlich eine lupenreine Erfolgsstory ist. Die Beziehung zu unseren Nachbarn gehört zur Kategorie "Alte Liebe rostet nicht".
Trotz der lauten Rufe nach neuen internationalen Partnern gibt es nämlich auch uralte Beziehungen, die über Jahrzehnte hinweg die Wirtschaft am Laufen halten. Deutschland und Frankreich sind dafür ein Paradebeispiel. Es ist die wichtigste Beziehung in und für ganz Europa.
Vor Monaten feierten Bundeskanzler Merz und Präsident Macron ein wiederbelebtes deutsch-französisches Verhältnis. Nun gibt es Zwietracht, etwa beim Projekt des gemeinsamen Superkampfjets FCAS.
29.01.2026 | 2:11 minSchon seit vielen Jahren läuft der Handel zwischen den beiden größten Ländern der EU hervorragend. Aber im Moment "brummt" es regelrecht. Für Frankreich ist Deutschland sogar die Nummer eins unter den Handelspartnern. Für knapp 117 Milliarden Euro lieferten deutsche Exporteure im vergangenen Jahr Waren in unser Nachbarland.
Umgekehrt lieferte Frankreich Güter im Wert von 69 Milliarden Euro nach Deutschland. Damit ist Frankreich - hinter den USA - der zweitwichtigste Partner für die Bundesrepublik.
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Binnenmarkt in der EU gewinnt an Bedeutung
Im Vorjahr legte das Handelsvolumen nochmals um zwei Prozent zu. Daran haben auch die US-Amerikaner ihren Anteil, erklärt Handelsexpertin Claudia Schmucker:
Aufgrund der protektionistischen Handelspolitik der USA gewinnt der Binnenmarkt und damit auch die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zu Frankreich an Bedeutung.
Claudia Schmucker, Handelsexpertin der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik
"Nearshoring" wird für Deutschland wichtiger
Auch wenn dieser Anstieg den schrumpfenden Handel mit den USA nicht ausgleichen kann, wird gerade durch die unberechenbare Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump eines klar: Der deutsche Warenaustausch findet zunehmend in und mit der Nachbarschaft statt.
Die EU will den europäischen Binnenmarkt stärken. Öffentliche Aufträge sollen in Zukunft demnach vor allem an europäische Unternehmen gehen. Aus dem Wirtschaftsministerium gibt es Kritik.
10.02.2026 | 0:48 minDas "Nearshoring" wird immer wichtiger. Auch abzulesen am Handel mit den Niederlanden: Dieser wuchs im vergangenen Jahr um drei Prozent, der mit Polen gar um sechs.
"Nearshoring" ist schon seit einiger Zeit ein wichtiges Konzept, um die Lieferketten widerstandsfähiger zu gestalten. Globale Lieferketten seien störanfälliger und somit gäbe es Tendenzen zu stärker regional ausgerichteten Lieferketten, so Handelsexpertin Claudia Schmucker.
An keiner Stelle ist Europa so abhängig von den USA wie bei nuklearer Verteidigung. Lässt sich das ändern? Was die Gespräche von Merz und Macron über einen Atomschirm bedeuten: ZDFheute live.
17.02.2026 | 12:22 minFrankreich auch Ziel von Investitionen
Frankreich ist aber nicht nur Exportziel für deutsche Produkte und Dienstleistungen. "Deutsche Unternehmen waren auch der größte direkte Investor in Frankreich im Jahr 2025, gemessen an der Anzahl der Projekte", sagt Patrick Brandmaier, Chef der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer in Paris. Deutschland investierte zwar schon immer viel in Frankreich, aber damit löste man die USA ab, die traditionell bei unserem Nachbarn an erster Stelle standen.
Neben der Größe Frankreichs als zweitgrößter EU-Staat seien die Infrastruktur und die sehr gut ausgebildeten Arbeitskräfte, vor allem im technischen Bereich, Gründe für die starke Investitionstätigkeit. Umgekehrt schätzten die Franzosen, so Brandmaier, "den langen Atem der Deutschen". Diese Verlässlichkeit und das Interesse an nachhaltigen Geschäftsbeziehungen käme in unserem Nachbarland gut an.
Brandmaier zufolge gebe es bei FCAS Probleme, weil die Gewichtung falsch gelegen habe. FCAS sei ein politisch gewolltes Projekt gewesen und zehn Jahre später finde man nun heraus, dass diese industrielle Zusammenarbeit scheinbar nicht so offenkundig und automatisch sei wie erhofft.
Frankreich erhöht angesichts wachsender globaler Bedrohungen die Zahl seiner Atomsprengköpfe. Präsident Macron kündigte außerdem gemeinsame Atom-Militärübungen mit Deutschland an.
02.03.2026 | 2:30 minPräsidentschaftswahl in Frankreich am Horizont
Ob es bei FCAS weitergeht, könnte demnächst auch ganz woanders entschieden werden. "Weil solche Projekte naturgemäß sehr lange Laufzeiten haben, spielen politische Risiken und Instabilität eine große Rolle", meint Jacob Ross, DGAP- Experte für deutsch-französische Beziehungen.
Da bei der Präsidentschaftswahl im April 2027 der rechtspopulistische Rassemblement National an die Macht kommen könnte, würden schon heute viele Stimmen in Berlin gegen eine vertiefte Zusammenarbeit mit Frankreich argumentieren. Doch noch ist es nicht so weit. Aktuell schnurrt der deutsch-französische Wirtschaftsmotor noch wie ein Kätzchen.
Klaus Weber ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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