Ausfuhr von Waren 2025:Exporte in USA brechen ein - EU-Markt gewinnt
von Christian Hauser
Deutschland hat seine Exporte 2025 insgesamt leicht gesteigert. Der Handel mit den USA ging kräftig zurück. Warum US-Präsident Donald Trump das positiv sehen dürfte.
Deutsche Exporte kommen kaum voran, vor allem US-Handelskonflikte und Zölle bremsen die Bilanz. Viele Mittelständler beklagen den geringeren Export von Autoteilen in die Vereinigten Staaten.
06.02.2026 | 1:33 minKupplungen und Bremsen - das ist die Welt von Charlotte Finger. Seit mehr als 110 Jahren fertigt ihr Unternehmen, die Maschinenfabrik Mönninghoff in Bochum, Produkte der Antriebstechnik für Industrie und Robotik und liefert diese in die ganze Welt.
Doch insbesondere ihr Geschäft in den USA stockt, Zölle belasten: "Etwa 20 Prozent weniger Umsatz erzielen wir dort", sagt Finger.
Warenexporte steigern sich kaum
Was viele Mittelständler wie Finger spüren, belegen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Zwar legten die Exporte im letzten Monat des Jahres gegenüber November stark um 4,0 Prozent zu, im Gesamtjahr 2025 wuchs die Warenausfuhr aber nur um 1,0 Prozent.
ZDFheute Infografik
Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.
Selbst das Plus auf Jahressicht ist mit Vorsicht zu betrachten: Es entsteht auch durch höhere Preise, nicht unbedingt dadurch, dass tatsächlich mehr Waren verkauft werden.
Seit 2022 stagniert Deutschlands stark exportabhängige Wirtschaft. Die Nachfrage nach deutschen Waren im Ausland bleibt schwach, wodurch die Industrie und potenzielles Wachstum hierzulande gebremst wird.
Wirtschaftsexperte Florian Neuhann erklärt, warum die Wirtschaftskrise mehr als eine konjunkturelle Schwächephase ist, welche Probleme dahinterstecken und ob es Hoffnung gibt.
09.01.2026 | 8:50 minNeue Konkurrenz und Verlagerung der Produktion
Timo Wollmershäuser, Wirtschaftswissenschaftler am ifo Institut für Wirtschaftsforschung, sieht zwei Hauptgründe: Zum einen verliere Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit, weil technologische Umbrüche und neue Konkurrenten, vor allem aus China, Marktanteile kosten. "Die Chinesen nehmen uns im Grunde genommen Marktanteile weg", so Wollmershäuser.
Zum anderen verlagerten viele Unternehmen ihre Produktion ins Ausland, sodass Exporte nicht mehr in Deutschland, sondern dort anfallen, wo die Waren hergestellt würden.
Handelsüberschuss und Handelsdefizit
Ein Handelsüberschuss liegt vor, wenn ein Land mehr Waren exportiert als importiert. Der Wert der Ausfuhren ist also höher als der Wert der Einfuhren. Das ist ein Zeichen für eine starke Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft, kann aber gleichzeitig auch zu wirtschaftlichen Spannungen mit Handelspartnern führen.
Ein Handelsdefizit entsteht, wenn ein Land mehr Waren importiert als exportiert. Der Wert der Einfuhren übersteigt also den Wert der Ausfuhren. Das weist auf eine hohe Nachfrage nach ausländischen Produkten hin und bedeutet, dass mehr Geld ins Ausland abfließt.
Zölle belasten Handel mit USA
Stabile Impulse kommen weiterhin aus der EU: Die Exporte legten gegenüber 2024 um 4,2 Prozent zu. Dagegen belastet die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump das USA-Geschäft, das im vergangenen Jahr um 9,3 Prozent schrumpfte.
Wenn die Zölle da bleiben, wo sie sind, dann sind das verlorene Marktanteile, mit denen wir dauerhaft leben müssen.
Prof. Timo Wollmershäuser, ifo Institut für Wirtschaftsforschung
ZDFheute Infografik
Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.
Der deutsche Handelsüberschuss mit den USA ist damit so niedrig wie seit 2022 nicht mehr. Ein Punkt, der Trump freuen dürfte, hatte er in der Vergangenheit Deutschland doch wiederholt vorgeworfen, zu viel in die USA zu liefern und zu wenig zu importieren.
Seine Kritik blendete jedoch aus, dass die USA insbesondere im Dienstleistungssektor, etwa durch digitale Angebote großer Tech-Konzerne, stark vertreten sind, und dort erhebliche Umsätze in Deutschland erzielen.
China nutzt seine Rohstoffe und industriellen Verarbeitungsmöglichkeiten zunehmend strategisch. Machen sich deutsche Unternehmen unabhängiger davon? Bislang ist das die Ausnahme.
17.12.2025 | 2:50 minAbhängigkeiten mit China bleiben
Umgekehrte Vorzeichen bei China: Mit der Volksrepublik ergibt sich ein Handelsdefizit. Die Exporte sind ebenfalls um fast zehn Prozent zurückgegangen.
Sichtbar wird nach wie vor die starke Abhängigkeit von China, etwa bei Vorprodukten und Rohstoffen, die unter anderem für die Digitalisierung benötigt werden.
ZDFheute Infografik
Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.
Neue Absatzmärkte dringend gesucht
Deutschland sucht nach neuen Absatzmärkten. Länder wie die Staaten des Mercosur-Bündnisses (unter anderem Brasilien und Argentinien) spielen bislang nur eine Nebenrolle. Auch Indien taucht in der Liste der zehn wichtigsten Handelspartner nicht auf.
Wir sind in vielen Punkten zu langsam. Es dauert zu lange.
Prof. Timo Wollmershäuser, ifo Institut für Wirtschaftsforschung
Wollmershäuser sieht hohes Potenzial bei diesen Ländern: Es handele sich um große, wachsende Volkswirtschaften mit Millionen potenzieller Konsumenten. Freihandelsabkommen könnten den Zugang zu diesen Märkten erleichtern, neues Wachstum generieren sowie Abhängigkeiten reduzieren.
Die EU und Indien haben ein neues Handelsabkommen abgeschlossen. ZDFheute live erklärt, warum die EU auf Indien setzt und wie Europa und Deutschland davon profitieren könnten.
27.01.2026 | 24:41 minWachstum, das sich auch Charlotte Finger von der Maschinenfabrik Mönninghoff wünscht, um wieder mehr Kupplungen und Bremsen aus Bochum in die Welt zu exportieren.
Mehr zum Thema Wirtschaft
Experten sehen Trendwende:"Wer hätte das gedacht?" - Industrie verbucht Auftragsplus
mit Video0:28- Exklusiv
Zahlen zur Lage in Deutschland:ZDF-Wirtschaftsbarometer: Nur wenige erwarten Aufschwung
von Dennis Bergermit Video8:33 Hapag-Lloyd spürt Auswirkungen:Wie politische Krisen den Welthandel verunsichern
von Matthias Nick und Florian Neuhannmit Video3:11