Industrie verbucht Auftragsplus - "Trendwende"?

Experten sehen Trendwende:"Wer hätte das gedacht?" - Industrie verbucht Auftragsplus

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Das Wort "Trendwende" macht unter Experten die Runde: Die deutsche Industrie verbucht erneut ein dickes Auftragsplus. Anzeichen für ein Ende der Durststrecke?

Container im Duisburger Hafen

In der deutschen Industrie wurde ein überraschendes Auftragsplus vermeldet. Im Dezember wuchsen die Aufträge so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr, auch durch eine Reihe von Großaufträgen.

05.02.2026 | 0:28 min

Trendwende in der deutschen Industrie? Die Aufträge wuchsen im Dezember den vierten Monat in Folge - und so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr. Das Neugeschäft legte auch dank staatlicher Investitionen um 7,8 Prozent zum Vormonat zu, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte.

Schon im November hatte es mit 5,7 Prozent einen kräftigen Zuwachs gegeben - umso überraschender, dass jetzt noch einmal ein großes Plus hinzukommt.

"Ein Auftragsboom zum Jahresende. Wer hätte das gedacht?", sagt Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg.

Das sieht jetzt wirklich sehr stark nach Trendwende aus.

Jens-Oliver Niklasch, LBBW-Ökonom

Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe

ZDFheute Infografik

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Investitionspaket schlägt sich in Zahlen nieder

Weitere Experten sehen das ähnlich: "Die deutsche Industrie steht vor einem Aufschwung", erwartet der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Der Leiter Volkswirtschaft bei Union Investment, Michael Herzum, urteilt: "Der Aufwind straft Konjunkturpessimisten Lügen. Der Aufwärtstrend ist etabliert."

In den gestiegenen Auftragseingängen spiegelten sich die ersten Effekte der höheren staatlichen Ausgaben wider, so Gitzel. Diese kommen nicht zuletzt der Rüstungsindustrie zugute, fließen aber auch in Infrastruktur und Klimaneutralität.

Das Quartalsplus sei "ein weiteres Indiz, dass die steigenden Staatsausgaben im neuen Jahr die Wirtschaft ankurbeln werden", sagt auch Konjunkturforscher Sebastian Dullien von der Hans-Böckler-Stiftung.

Rohkarossen fahren im Zentralgebäude über die Büroarbeitsplätze zum nächsten Produktionsschritt im BMW Group Werk Leipzig.

Nach einem schwierigen Jahr für die deutsche Wirtschaft sehen die Unternehmer vorsichtig zuversichtlich dem neuen Jahr entgegen. Ein Rückgang des Stellenabbaus wird aber nicht erwartet.

29.12.2025 | 1:30 min

Werden Großaufträge ausgeklammert, fällt das Plus am Jahresende mit 0,9 Prozent zwar deutlich kleiner aus - aber auch dies war der vierte Zuwachs in Folge. Im weniger schwankenden Dreimonatsvergleich lag der Auftragseingang im vierten Quartal 2025 um insgesamt 9,5 Prozent höher als in den drei Monaten zuvor.

Weniger Aufträge in der Autobranche

Vor allem bei den Herstellern von Metallerzeugnissen legten die Aufträge um 30,2 Prozent zu. Die Maschinenbauer kamen auf ein Plus von 11,5 Prozent. "In diesen beiden Wirtschaftszweigen meldete eine Reihe von Betrieben aus unterschiedlichen Bereichen Großaufträge", erklären die Statistiker. Auch die Zuwächse in der Herstellung von elektrischer Ausrüstung sowie von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen wirkten sich positiv aus.

Börsengespräch Zimmermann mit Frank Bethmann

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In der Automobilindustrie schrumpfte der Auftragseingang hingegen um 6,3 Prozent. Im sonstigen Fahrzeugbau - Flugzeuge, Schiffe, Züge, Militärfahrzeuge - gab es ein Minus von 18,7 Prozent gegenüber dem hohen Niveau des Vormonats. "Dennoch gab es auch hier wieder umfangreiche Großaufträge", hieß es. Experten gehen davon aus, dass auch in den kommenden Monaten große staatliche Bestellungen für die Aufrüstung kommen dürften.

"Die Auftragsentwicklung hat an Breite gewonnen, das ist erfreulich", erklärt der Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger. Die Anzeichen mehrten sich, dass es industriell aufwärts gehe.

Für mehr Produktion kommt es jetzt darauf an, dass die Aufträge auch zügig abgearbeitet werden.

Alexander Krüger, Chefvolkswirt Hauck Aufhäuser Lampe

Autoindustrie

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Auch mahnende Worte

Dem Bundesverband der Deutschen Industrie zufolge ist die Produktion zuletzt vier Jahre in Folge gesunken - auch wegen der zunehmenden Konkurrenz aus China und der schwächeren Nachfrage aus der Volksrepublik. Diese stellt viele Waren inzwischen selbst her, die früher aus Deutschland bezogen wurden und ist so zu einem Konkurrenten auf den Weltmärkten herangewachsen - etwa bei Autos.

Auch gibt es mahnende Stimmen: "Man sollte bedenken, dass das wichtige Ifo-Geschäftsklima in den zurückliegenden Monaten tendenziell gesunken ist", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Noch signalisieren die Frühindikatoren keine klare Erholung, die wegen des fehlenden Neustarts in der Wirtschaftspolitik ohnehin moderat ausfallen dürfte."

Das Bundeswirtschaftsministerium warnte, dass sich das Auslandsgeschäft "angesichts der handels- und geopolitischen Unwägbarkeiten" tendenziell schwächer und unter stärkeren Schwankungen entwickle.

Prognose: Wirtschaftswachstum in Deutschland

ZDFheute Infografik

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Und die Deutsche Industrie- und Handelskammer sieht noch große strukturelle Probleme: Konjunkturexperte Jupp Zenzen mahnt an:

Weitere Reformschritte der Regierung sind hier unerlässlich.

Jupp Zenzen, DIHK-Konjunkturexperte

Zudem sei es wichtig, mit weiteren Freihandelsabkommen neue Märkte besser zu erschließen.

Katherina Reiche (CDU), Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, spricht bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts 2026 der Bundesregierung.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat in ihrem Jahreswirtschaftsbericht die Konjunkturprognose statt der erwarteten 1,3 Prozent auf 1 Prozent gesenkt.

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Quelle: Reuters, dpa
Über dieses Thema berichtete ZDFheute am 05.02.2026 um 11:04 Uhr in dem Beitrag "Starkes Auftragsplus für deutsche Industrie"

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