Merz zu Gast bei Modi:Kanzler sendet Signal an Indiens Wirtschaft - und nach China
von Wulf Schmiese
Auf seiner Indien-Reise darf Merz auch die Heimat von Premierminister Modi besuchen. Eine Ehre für den Kanzler. Der ist aber vor allem an der Wirtschaft des Landes interessiert.
Bundeskanzler Friedrich Merz reist nach Indien. ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese ordnet ein, was von der Reise zu erwarten ist - und warum sie ein Zeichen an China sendet.
11.01.2026 | 1:58 minDer Bundeskanzler fliegt in die Zukunft: Indien ist nicht nur tageszeitlich 4,5 Stunden voraus. Auch das Wirtschaftswachstum ist dem deutschen um das fast Fünffache voraus. Friedrich Merz will Deutschland daran teilhaben lassen. Hier reist nun erstmals der Handelskanzler.
Merz setzt ein Zeichen - auch gegen China
Es ist die allererste Reise des Bundeskanzlers nach Indien und zugleich seine erste nach Asien. Das ist ein bewusstes Zeichen - und zwar für Indien und gegen China. Dorthin wird er wohl im Februar reisen. Doch die Inder sollen wissen: Ihr seid uns enorm wichtig!
heute journalDer deutsche Außenminister ist mit einer Wirtschaftsdelegation in Indien unterwegs. Neben einem Besuch bei Premier Modi übt sich Wadephul auch im äußerst beliebten Hockey...
03.09.2025 | 2:30 minDas indische Protokoll ist kompliziert, wie das bei den Vorbereitungen der Reise klar wurde. Wer darf von deutscher Seite mitkommen zu welchem Termin? Wie viele Handelsvertreter dürfen dabei sein? Alles wurde über Monate hinweg ausgeklügelt. Vor allem: Wohin soll es überhaupt gehen in dem Staat mit den meisten Einwohnern der Erde, fast 1,5 Milliarden Menschen.
Besuch in Modis Heimat
Das Ziel soll eine Ehre für Merz sein: Ahmedabad. Die Acht-Millionen-Stadt ist das wirtschaftliche Zentrum des indischen Bundesstaats Gujarat. Der liegt ganz im Westen des riesigen Subkontinents, fast am Arabischen Meer. Es ist die Heimat des Gastgebers. Indiens Premierminister Narendra Modi stammt von dort, er war hier Teeverkäufer auf der Straße, studierte Politik und regierte viele Jahre diesen Bundesstaat, bevor er dann von Neu-Delhi aus das ganze Land lenkte.
Die Einladung dorthin sei "ein besonderes Zeichen der persönlichen Wertschätzung Modis, das bislang nur ausgewählten Regierungschefs zuteil wurde", heißt es seitens der deutschen Regierung. Hinzu kommt, dass diese Stadt eng mit Mahatma Gandhi verbunden ist. Hier lebte er seit 1915 als Anwalt, bevor er sich aufmachte, sein Land gewaltfrei in die Unabhängigkeit von der britischen Krone zu führen; was ihm vor fast 80 Jahren - 1947 - gelang. In diesem Jahr werden auch 75 Jahre der Aufnahme deutsch-indischer Beziehungen gefeiert.
Er sieht sich als Führer eines neuen, selbstbewussten Indiens und stellt sich auf eine Stufe mit Ikonen wie Nehru und Gandhi. Narendra Modi will erneut Premierminister werden.
09.05.2024 | 43:33 minMerz ist insofern ein Jubiläumsgast, entsprechend feierlich das Programm. Gandhis Ashram soll er gezeigt bekommen, ein Drachenfest, viel Symbolik. Doch es geht Deutschland um wirtschaftlichen Austausch.
Indiens Wirtschaft wächst rasant
Schon jetzt liegt das bilaterale Handelsvolumen bei 50 Milliarden Dollar jährlich. Das mit China ist zwar fünfmal höher, doch Indiens Wirtschaft wächst dermaßen dynamisch, dass auch das Volumen sich binnen der nächsten Jahre schon verdoppeln könnte.
Deswegen begleiten etwa 25 Vertreter großer und mittelständischer deutscher Unternehmen, die in Indien bereits im Geschäft sind. Merz gilt auch als Vorhut der EU, die Ende des Monats nach 20 Jahren zäher Verhandlungen ein Freihandelsabkommen mit Indien schließen will.
Russlands Präsident Putin und der indische Premier Modi wollen die Zusammenarbeit ihrer Länder ausweiten. Für den Kremlchef hat das "enorme politische Symbolik", so ZDF-Korrespondent Hano.
06.12.2025 | 2:35 minAlso alles rosig, bis auf eine Sache: Modi hat kein Problem mit Wladimir Putin, Indien treibt doppelt so viel Handel mit Russland wie mit Deutschland. Daran wird Merz nichts ändern. Doch mahnen wird er wegen der indischen Gleichgültigkeit gegenüber des russischen Gebarens in der Ukraine. Dieses Thema wird aber nicht im Mittelpunkt dieser ersten Reise stehen.
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