Handelsabkommen offenbar vor Abschluss:Neuer Deal mit Australien für eine unabhängigere EU?
von Klaus Weber
Die EU will das nächste Freihandelsabkommen unter Dach und Fach bringen. Diesmal mit Australien. Was bringt der Deal und wo hakt es noch?
Die Europäische Union sucht neue Handelspartner, um weniger abhängig von den USA und China zu sein. Nach Indien und den Mercosur-Staaten hat die EU jetzt Australien im Blick.
21.03.2026 | 0:37 minMit Handelsabkommen der EU ist das so eine Sache. Zuletzt verständigte man sich nach bereits erfolgten Vollzugsmeldungen darauf, das Abkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten zunächst nur vorläufig anzuwenden. Man darf eben nie das Fell des Bären verteilen, bevor er tatsächlich erlegt ist.
Im Falle von Australien wäre es - um im Bild zu bleiben - wohl eher das Fell des Kängurus. Doch jedes Abkommen ist anders und es gibt starke Argumente dafür, dass die Verhandlungen mit "Down Under" tatsächlich bald abgeschlossen sein werden.
Bei seinem Besuch in Australien wirbt Außenminister Wadephul für mehr Zusammenarbeit mit dem Land. Zentrales Thema: Der Import von Lithium, etwa für die Produktion von E-Autos.
05.02.2026 | 0:27 minVon der Leyen fliegt nach Canberra
Das deutlichste Indiz dafür ist wahrscheinlich, dass EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kommende Woche persönlich den weiten Weg in die australische Hauptstadt Canberra auf sich nimmt. Sie reist üblicherweise nur an, wenn es etwas Erfolgreiches zu verkünden gibt. Die deutsche Wirtschaft hofft jedenfalls, dass es nun schnell geht, wie der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier, exklusiv gegenüber ZDFheute erklärt:
Die deutsche Wirtschaft setzt große Erwartungen in einen zügigen Abschluss der Handelsverhandlungen mit dem G20-Partner Australien.
Volker Treier, Außenwirtschaftschef der DIHK
Ein umfassendes Abkommen könne deutschen Unternehmen den Zugang zu diesem wichtigen Markt erleichtern und bestehende Handelshemmnisse in Down Under wirksam abbauen, sagt Treier.
Die EU und Indien haben in Neu-Delhi nach jahrzehntelangen Verhandlungen ein Freihandelsabkommen beschlossen. ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann mit einer Einschätzung.
27.01.2026 | 1:22 minAbkommen mit Australien wäre geopolitisches Signal
In geopolitisch unsicheren Zeiten sucht man Partner, die das gleiche Weltbild teilen und verlässlich sind. Es geht darum, sich unabhängiger von China und inzwischen auch den USA zu machen.
Für Guntram Wolff, Ökonom bei der Brüsseler Denkfabrik Bruegel, hätte ein Australien-Deal auch deswegen Gewicht: "Ein erfolgreiches Handelsabkommen mit Australien wäre ein wichtiges geopolitisches Signal, dass Europa in der Handelspolitik handlungsfähig ist und dass die Politik des US-Präsidenten eben nicht breit unterstützt wird."
Die EU will den europäischen Binnenmarkt stärken. Öffentliche Aufträge sollen in Zukunft demnach vor allem an europäische Unternehmen gehen. Aus dem Wirtschaftsministerium gibt es Kritik.
10.02.2026 | 0:48 minAustraliens Rohstoffe begehrt
Beim Deal besonders im Fokus: Rohstoffe. "Mit 23 der 37 von der EU-Kommission als kritisch eingestuften Rohstoffe kann Australien eine Schlüsselrolle im Aufbau resilienter Lieferketten für Batterien, erneuerbare Energien, Digitalisierung und Sicherheit spielen", sagt Wirtschaftswissenschaftler Treier.
Australien hat also fast alles zu bieten, was das Technologie-Herz der EU begehrt. Bei Lithium stehen die "Aussies" sogar für mehr als 50 Prozent der Weltproduktion.
Wirtschaftsexperte Florian Neuhann erklärt, warum die Wirtschaftskrise mehr als eine konjunkturelle Schwächephase ist, welche Probleme dahinterstecken und ob es Hoffnung gibt.
09.01.2026 | 8:50 minHandelsvolumen mit Australien ausbaufähig
Das Handelsvolumen beim Warenhandel mit Australien lag zuletzt bei 47 Milliarden Euro. Vergleichsweise wenig, und "von den Wachstumsperspektiven her ist der Stellenwert des Abkommens mit Australien niedriger einzustufen als die Abkommen mit Mercosur und Indien", so Rolf Langhammer, Handelsexperte vom Kiel Institute.
Es könnte aber seiner Ansicht nach "eine weitere Tür zum Transpazifischen Handelsabkommen (CPTPP) öffnen". Zu diesem Raum gehören bislang zwölf Länder, die für bis zu 15 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung stehen. Am Ende könne die EU sogar Mitglied in diesem äußerst bedeutsamen Integrationsraum werden, meint Langhammer.
Das Freihandelsabkommen Mercosur zwischen der EU und südamerikanischen Staaten wird umgesetzt. Zuvor hatten Uruguay und Argentinien das Abkommen ratifiziert.
27.02.2026 | 0:27 minLandwirtschaft in der EU noch nicht überzeugt
Bis es so weit ist, gilt es aber zunächst einmal den ersten Schritt zu machen und noch eine entscheidende Hürde mit Australien aus dem Weg zu räumen. Denn wie zuletzt beim Mercosur-Abkommen steht der Agrarsektor sozusagen quer im Stall.
Australien - mit seinen riesigen Farmflächen - verspricht sich einen besseren Zugang zum europäischen Agrarmarkt. Bisher weist Australien beispielsweise nur zwei Prozent an Fleischausfuhren in die EU aus. Vor allem französische und irische Viehzüchter fürchten den Preiswettbewerb. Zudem gibt es noch Differenzen bei Lammfleisch, Zucker oder Molkereiprodukten.
Rolf Langhammer glaubt aber an eine Lösung: "Anders als bei den Mercosur-Abkommen scheinen die Chancen für Einigungen mit der Landwirtschaft besser zu sein, weil die Produktionsstandards in Australien denen der EU mehr ähneln als die in Lateinamerika." Es gibt also Hoffnung, dass Ursula von der Leyen kommende Woche den ersten großen Schritt zum Abkommen verkünden kann. Danach müssen noch EU-Parlament und die Mitgliedsstaaten zustimmen.
Klaus Weber ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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