Lithium im Erzgebirge: Abbaupläne sorgen in Liebenau für Protest

Protest im sächsischen Liebenau:Lithium im Erzgebirge: Warum die Abbaupläne Ängste schüren

Porträt der ZDF-Landesstudioleiterin Sachsen Cornelia Schiemenz

von Cornelia Schiemenz

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Unter dem Erzgebirge schlummert tonnenweise wertvolles Lithium. Während die einen das große Geschäft wittern, haben andere Angst um Natur, Tourismus und Heimat.

Schilder gegen Lithiumabbau in Liebenau hängen an einem Bauzaun.

Millionen Tonnen Lithium werden unter dem Erzgebirge vermutet. Ab 2030 will das Unternehmen Zinnwald Lithium das Leichtmetall dort abbauen. Anwohner befürchten zu hohe Umweltbelastungen.

28.02.2026 | 4:24 min

Das Erzgebirge war immer ihr Traum. Ruhig, beschaulich, landschaftlich reizvoll. Deshalb ist Kristine Hennig vor fünf Jahren ins sächsische Zinnwald gezogen, gemeinsam mit ihrem Mann. Raus aus dem Großstadtleben von Dresden, rein in die Abgeschiedenheit.

Doch seitdem der Bedarf an Lithium explodiert ist, steht ihre Welt Kopf. Denn der milliardenschwere Schatz im Erzgebirge soll abgebaut werden.

Ich habe Angst um die Umwelt. So ein Bergwerk braucht ja viel Wasser.

Kristine Hennig

"Und um es zu betreiben, muss der Grundwasserspiegel abgesenkt werden. Wir wollen einfach diese schöne Natur erhalten", sagt Hennig und engagiert sich seit längerem in der örtlichen Bürgerinitiative gegen den Lithium-Abbau.

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Unternehmen will bis 2030 mit Lithium-Abbau beginnen

Im sächsischen Zinnwald befindet sich eine der größten Lagerstätten Europas für Lithium. Das zumindest behauptet das Unternehmen Zinnwald Lithium. Es wurde extra gegründet, um den wertvollen Rohstoff abzubauen. Lithium braucht man für Akkus. Eingebaut in Elektroautos, Laptops, Smartphones sind Lithium-Ionen-Akkus derzeit ohne Alternative.

Zinnwald Lithium spricht von 192 Millionen Tonnen Lithium unter der Erde. Bis 2030 will man hier mit dem Abbau beginnen. In einem ehemaligen Baumarkt hat sich das Unternehmen eingemietet, lagert dort Unmengen an Bohrkernen. Probebohrungen, die beweisen sollen: der Abbau im Erzgebirge sei effizient.

"Die Probebohrungen haben ergeben, dass es hier ein Vorkommen gibt, dass sich lohnt, abzubauen. Mit dem Lithium aus dem Erzgebirge kann zur Versorgungssicherheit Deutschlands und Europas beigetragen werden", erklärt Unternehmenskommunikator Björn Fröbe.

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Zinnwald: Abbau unter historischen Stollen geplant

Es ist ein gigantischer Plan. Unter den jahrhundertealten Stollen, die zum Welterbe gehören und nicht beschädigt werden dürfen, soll das Lithium abgebaut werden. Und dann in einem neun Kilometer langen unterirdischen Tunnel abtransportiert und schließlich oberirdisch aufbereitet werden.

Thomas Dittrich, Chefgeologe bei Zinnwald Lithium, steht im Besucherzentrum und zeigt auf Röhren, die die Dimension des Abbaus verdeutlichen.

Aus jeder Tonne Erz, die wir abbauen, bekommen wir ungefähr zehn Kilogramm Lithium heraus. Das reicht gerade so für eine Autobatterie für ein vollelektrisches Auto.

Thomas Dittrich, Chefgeologe bei Zinnwald Lithium

Protestplakate in Liebenau und Sorge vor Umweltschäden

Im Ortsteil Liebenau soll auf einer großen Freifläche die Aufbereitungsanlage entstehen. Hier würde der Bergbau für jedermann sichtbar. Im ganzen Ort stehen Protestplakate. Die Gemüter sind erhitzt. Auch deshalb lädt Zinnwald Lithium zum Bürgerdialog. Man will aufklären, nimmt die Ängste und Bedenken der Menschen durchaus ernst.

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Bei seinem Besuch in Australien wirbt Außenminister Wadephul für mehr Zusammenarbeit mit dem Land. Zentrales Thema: Der Import von Lithium, etwa für die Produktion von E-Autos.

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Marko Uhlig ist der Geschäftsführer des Unternehmens und versteht die Ängste. "Die Region ist gebrandmarkt von einem Bergbau, der in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts stattgefunden und viele Schäden hinterlassen hat." Das sorge in der Region ein stückweit dafür, dass man Bergbau auch nicht mehr offen gegenüber stehe, sagt Uhlig, der selbst aus einer Bergbaufamilie stammt.

Auf nichts ist das sächsische Erzgebirge so stolz wie auf seine Bergbautraditionen. Schwibbögen, die den Stollen symbolisieren. Bergparaden, die die schwere und gefährliche Arbeit der Bergleute unter Tage würdigen. Pyramiden als tröstendes Licht. Doch neuer Bergbau? Neue Umweltverschmutzungen? Das ist umstritten.

Weihnachtsfeier

In Jöhstadt prägt der Bergbau seit Jahrhunderten das Leben. Silber, Kobalt und Kupfer machten die Region einst reich - heute halten Tradition und Gemeinschaft den Geist der Gruben wach.

15.12.2025 | 6:10 min

Entscheidung beim Oberbergamt in Sachsen

Zinnwald Lithium verspricht 400 direkte und 1.000 indirekte Arbeitsplätze in der strukturschwachen Region. Wohl auch ein Grund, warum der Bürgermeister eher unentschlossen in seiner Bewertung ist. "Ein neues Unternehmen bringt Gewerbesteuer," sagt André Barth (AfD). Und fügt hinzu: "Es ist aber eben auch ein Unternehmen, dass Rohstoffe abbauen will, was Umweltschäden verursachen und unseren sanft aufgebauten Tourismus beeinträchtigen kann."

Auf dem Bürgerdialog in der Kulturscheune Liebenau wird deutlich: Die Pläne zum Lithium-Abbau werden heiß diskutiert. Da ist Thomas Kaden, der meint "Wenn es denn mal losgeht, dann bringt es doch Arbeitsplätze in die Region". Nicht weit von ihm entfernt sitzt Barbara Zander und zweifelt:

Mir erschließt sich nicht ganz, ob das wirklich wirtschaftlich ist. Das wage ich zu bezweifeln.

Barbara Zander, Anwohnerin

Derzeit lässt der Investor eine freiwillige Umwelt- und Sozialverträglichkeitsstudie erstellen, unter Mitwirkung der Bevölkerung. Eine endgültige Entscheidung muss das sächsische Oberbergamt fällen. Von dieser Entscheidung hängt ab, ob es im traditionsbewussten Erzgebirge wieder Bergbau geben wird.

Cornelia Schiemenz leitet das ZDF-Landesstudio in Sachsen.

Über dieses Thema berichtete der Länderspiegel am 28.02.2026 ab 17:05 Uhr.

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