Handelsabkommen zwischen EU und Indien:Experte: "Historischer Tag" für EU und Indien
Die EU und Indien haben sich auf ein Freihandelsabkommen geeinigt. Experte Scholz erklärt, warum der Tag vor allem symbolisch wichtig ist, und was sich beim Handel ändern könnte.
Die EU und Indien haben ein neues Handelsabkommen abgeschlossen. ZDFheute live erklärt, warum die EU auf Indien setzt und wie Europa und Deutschland davon profitieren könnten.
27.01.2026 | 24:41 minDie Europäische Union und Indien haben sich nach fast 20 Jahren Verhandlungen auf ein Freihandelsabkommen geeinigt. Kern des Deals: Weniger Zölle, leichterer Handel und besserer Zugang zum Markt des anderen.
Auch Deutschland könnte davon einen Nutzen haben, vor allem die Automobilbranche. Indien wiederum profitiert unter anderem in den Branchen für Textilien, Schmuck und Dienstleistungen. Zusätzlich wurde eine neue Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft vereinbart, die die Zusammenarbeit strategisch vertiefen soll.
Was genau beschlossen wurde und wie die Partnerschaft mit Indien vertieft werden soll, hat ZDFheute live analysiert.
Sehen Sie oben das ganze Interview im Video und lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Südasien-Experte Tobias Scholz von der Stiftung Wissenschaft und Politik dazu ...,
… was das Freihandelsabkommen bedeutet
Der Abschluss des Abkommens ist für Tobias Scholz bedeutend - nicht, weil es das umfangreichste Abkommen der EU wäre, sondern wegen seiner symbolischen Tragweite. Die EU und Indien stellten sich gegen den globalen Trend von Zollkriegen und Machtpolitik. Das Abkommen sei ein Gegenbeispiel:
Indien und die EU zeigen, dass es Staaten und Partner gibt, die weiterhin an Freihandel interessiert sind.
Tobias Scholz, Südasien-Experte
Die EU verspreche sich davon nicht weniger, als in den nächsten zehn Jahren die Handelsexporte nach Indien zu verdoppeln. Der Dienstag ist für den Experten "in jedem Fall ein historischer Tag für die EU-Indien-Beziehungen".
Zudem verweist Scholz darauf, dass beide Seiten mit dem Freihandelsabkommen und einer geplanten Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft die Zusammenarbeit vertiefen wollen.
Die EU schließt ein umfangreiches Freihandelsabkommen mit Indien. Möglich, weil strittige Themen wie der Agrarsektor ausgeklammert werden. Der Schritt betrifft ein Viertel der Weltbevölkerung.
27.01.2026 | 3:29 min… was das Handelsabkommen verändern wird
Das Handelsabkommen werde nach Einschätzung von Tobias Scholz vor allem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zwischen beiden Partnern spürbar verändern. Zentrale Folge seien deutlich niedrigere Zölle in vielen Bereichen, wodurch europäische Produkte leichter Zugang zum indischen Markt erhielten.
Es gibt eine Senkung der Zölle und der allgemeinen Handelsrestriktionen in fast jedem Bereich.
Tobias Scholz
Besonders relevant sei das für die Bereiche Autos, Luft- und Raumfahrt sowie Lebensmittel. Gleichzeitig eröffne das Abkommen Indien neue Exportchancen nach Europa, etwa bei Textilien, Schmuck oder Dienstleistungen.
Nach Ansicht von Scholz gehe es dabei nicht nur um konkrete Handelszahlen, sondern um ein strategisches Signal: Indien werde für Europa "eine Alternative als Investitionsstandort, als Produktionsstandort, als Handelspartner" und trage so zur Diversifizierung von Lieferketten bei.
Er sieht sich als Führer eines neuen, selbstbewussten Indiens und stellt sich auf eine Stufe mit Ikonen wie Nehru und Gandhi. Narendra Modi will erneut Premierminister werden.
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… wie es jetzt mit dem Handelsabkommen weitergeht
Wie es nun weitergeht, hängt nach Einschätzung von Tobias Scholz vor allem von den noch ausstehenden Prüfungen und politischen Verfahren ab. Das Abkommen sei "noch längst nicht in Kraft", betont er, da weder der vollständige Vertragstext vorliege noch die juristischen Prüfungen abgeschlossen seien.
Auf indischer Seite könne dieser Prozess fünf bis sechs Monate dauern, zudem müsse das Abkommen im Europäischen Parlament beraten und ratifiziert werden. Scholz rechnet damit, dass es dabei noch Diskussionen über Details geben werde, etwa zu Arbeits-, Umwelt- oder Klimastandards.
Insgesamt schätzt er das politische Momentum jedoch als günstig ein: Trotz möglicher Debatten bestehe auf beiden Seiten der Wille, "diesen Abschluss zum Ende zu bringen".
Das Interview führte Philip Wortmann. Zusammengefasst haben es Janine Arendt und Stefanie Bechtel-Gareiß.
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