Indien und EU: Freihandelsabkommen vor Unterzeichnung

Industrie hofft auf Zollsenkungen:EU und Indien: Freihandelsabkommen vor Unterzeichnung

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EU und Indien haben laut einem indischen Regierungsvertreter die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen erfolgreich abgeschlossen. Die Einigung soll Dienstag verkündet werden.

EU-Kommissionspräsident Ursula von der Leyen bei der Parade zum Tag der Republik in Indien.

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und Ratspräsident Costa sind zu Besuch in Indien. Das Freihandelsabkommen soll zügig unterzeichnet werden.

26.01.2026 | 0:25 min

Die EU und Indien haben ihre Gespräche über ein Freihandelsabkommen nach Angaben eines indischen Regierungsvertreters erfolgreich abgeschlossen. Die Verhandlungen seien beendet und beide Seiten bereit, die Einigung am Dienstag zu verkünden, sagte der indische Handels-Staatsekretär Rajesh Agrawal am Montag der Nachrichtenagentur AFP.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Indiens Premier Narendra Modi wollen das Abkommen am Dienstag in Neu Delhi unterzeichnen. Gemeinsam mit EU-Ratspräsident António Costa besuchte von der Leyen dort bereits am Montag auf Einladung von Modi die alljährliche Parade zum indischen Nationalfeiertag.

Welche Vorteile bietet das Abkommen?

Von EU-Seite wurde die Einigung zunächst nicht bestätigt. Mit dem Abkommen würden beide Seiten ihr strategische Partnerschaft auf eine nächste Stufe heben. Durch einen Freihandelspakt sinken Zölle, es werden einheitliche Regeln festgelegt und auch die Lieferketten werden vereinfacht.

Der indische Premierminister Nrendra Modi trifft EU Kommissionspräsidentin Ursula von der LEyen in Neu Delhi am 28. Febraur 2025.

Schon länger wollen die EU und Indien das geplante Freihandelsabkommen abschließen. Auch wegen der Neuausrichtung der USA will sich die EU in Handelsfragen breiter aufstellen.

28.02.2025 | 0:19 min

EU sucht Handelspartner abseits der USA

Das Abkommen würde einen Markt mit rund zwei Milliarden Menschen schaffen. Indien ist noch vor China mit mehr als 1,4 Milliarden Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Welt. In der EU leben rund fast 450 Millionen Menschen. Gemeinsam repräsentieren beide Seiten nahezu ein Viertel des weltweiten BIP und der Weltbevölkerung.

Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen waren 2022 nach einer neunjährigen Pause wieder aufgenommen worden. Sie nahmen zuletzt Fahrt auf, nachdem US-Präsident Donald Trump mit seiner Zollpolitik für Probleme in der europäischen Exportwirtschaft sorgte. Mit Indien will die EU außerdem in der Cybersicherheit und der Terrorismus-Abwehr enger zusammenarbeiten.

Deutsche Industrie: Zollsenkungen wünschenswert

Die deutsche Industrie hofft auf eine zügige Verkündung des Abkommens. Dies wäre ein echter Game-Changer, sagte der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier.

Das Abkommen kann die zum Teil beachtlichen Zollsätze und Handelshürden, die beim Eintritt zum indischen Markt für unsere Unternehmen zu beachten sind, helfen abzubauen.

Volker Treier, Deutsche Industrie- und Handelskammer

Insbesondere wären signifikante Zollsenkungen für Industrieprodukte für Firmen aus dem Automobil- und Maschinenbau sowie dem Chemiesektor eine wünschenswerte Konjunkturhilfe.

Auf dem Bild ist der indische Premierminister Modi zu sehen.

Er sieht sich als Führer eines neuen, selbstbewussten Indiens und stellt sich auf eine Stufe mit Ikonen wie Nehru und Gandhi: Narendra Modi.

09.05.2024 | 43:33 min

Deutschland exportierte 2024 Waren im Wert von 17 Milliarden Euro nach Indien

Handelsexperte Treier ergänzte, wichtig sei, dass der Marktzugang nicht durch die Hintertür mit bürokratischen Regeln wieder verhindert werde. "Damit die Unternehmen das Abkommen auch nutzen können, darf die Nachweisführung beim Warenursprung keine neuen Dokumentationspflichten enthalten."

Aufgrund der Bedeutung des deutsch-indischen Dienstleistungshandels und der vielen deutschen Investitionen im Land sollte sich Indien auch in den Bereichen von Dienstleistung und Tech-Industrie öffnen.

Volker Treier, Deutsche Industrie- und Handelskammer

Das deutsch-indische Handelsvolumen betrug 2024 rund 31 Milliarden Euro. Aus Deutschland wurden Waren im Wert von 17 Milliarden Euro nach Indien exportiert, von dort Güter im Wert von 14 Milliarden importiert. In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Handelsvolumen fast verdoppelt. In Indien sind etwa 2.000 deutsche Unternehmen mit Niederlassungen vertreten, die insgesamt mehr als 500.000 Mitarbeiter beschäftigen.

Quelle: AFP, Reuters, dpa
Über dieses Thema berichtete heute Xpress am 26.01.2026 ab 11:12 Uhr.
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