Indien und EU einigen sich auf Freihandelsabkommen

Wirtschaftliche Zusammenarbeit:Indien und EU einigen sich auf Freihandelsabkommen

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Die EU und Indien rücken wirtschaftlich enger zusammen. Die Verhandlungen über den Aufbau einer Freihandelszone seien abgeschlossen, teilten beide Seiten in Neu-Delhi mit.

Ursula von der Leyen steigt von einer Kutsche bei einer indischen Parade

Die Europäische Union hat sich auf ein Handelsabkommen mit Indien geeinigt. Die Vereinbarung wurde in Neu-Delhi unterzeichnet und sieht die Senkung von Zöllen und die Öffnung von Märkten vor.

27.01.2026 | 1:42 min

Die EU und Indien haben sich nach fast zwei Jahrzehnten Verhandlungen auf ein umfassendes Handelsabkommen geeinigt. Das teilten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Indiens Premierminister Narendra Modi in Neu-Delhi mit. Modi bezeichnete die Einigung als "Mutter aller Abkommen", die den 1,4 Milliarden Menschen in Indien und der Bevölkerung Europas große Chancen eröffne.

Durch den Abbau von Handelsbarrieren und Zöllen soll der Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen der EU und Indien angekurbelt werden. Ziel ist es, Wachstum und Arbeitsplätze zu fördern und zugleich unerwünschte Abhängigkeiten von anderen Staaten zu reduzieren. Vor dem Hintergrund der aggressiven Zoll- und Handelspolitik der USA und dem zunehmenden Machtstreben Chinas gilt das Abkommen zudem auch als geopolitisch bedeutsamer Schritt.

EU-Kommissionspräsident Ursula von der Leyen bei der Parade zum Tag der Republik in Indien.

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und Ratspräsident Costa sind zurzeit zu Besuch in Indien.

26.01.2026 | 0:25 min

EU und Indien repräsentieren knapp ein Viertel des weltweiten BIP

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen sagte:

Die EU und Indien schreiben heute Geschichte und vertiefen die Partnerschaft zwischen den größten Demokratien der Welt.

Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin

Man schaffe eine Freihandelszone mit zwei Milliarden Menschen, von der beide Seiten wirtschaftlich profitieren würden. Zudem sende man das Signal in die Welt, dass regelbasierte Zusammenarbeit weiterhin hervorragende Ergebnisse liefere.

Das Abkommen wird zwar nicht so umfassend sein wie jenes, das die Europäische Union zuletzt mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay geschlossen hat. Angesichts der Größe des indischen Marktes ist es dennoch eines der größten, die bislang vereinbart wurden.

sgs haller handelsabkommen

Welche Bedeutung das Abkommen hat, erklärt ZDF-Wirtschaftsexpertin Valerie Haller.

26.01.2026 | 1:41 min

Indien ist noch vor China mit mehr als 1,45 Milliarden Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Welt. In der EU leben rund 450 Millionen Menschen. Gemeinsam repräsentieren beide Seiten nahezu ein Viertel des weltweiten BIP und der Weltbevölkerung.

EU-Indien-Abkommen könnte dieses Jahr in Kraft treten

Bis zur praktischen Umsetzung wird es jedoch noch etwas dauern: Einem indischen Regierungsvertreter zufolge steht nun eine fünf- bis sechsmonatige juristische Prüfung an. "Wir erwarten, dass das Abkommen innerhalb eines Jahres in Kraft tritt", fügte er hinzu.

Angaben der EU zufolge könnte von dem Abkommen insbesondere die deutsche Autoindustrie profitieren, da Indien den Import von Fahrzeugen aus der EU bislang mit Zöllen von bis zu 110 Prozent belastet. Diese sollen nun zumindest für 250.000 Fahrzeuge pro Jahr schrittweise auf 10 Prozent gesenkt werden, während sie für Autoteile nach fünf bis zehn Jahren vollständig abgeschafft werden. Auch Zölle von bis zu 44 Prozent auf Maschinen, 22 Prozent auf Chemikalien und 11 Prozent auf Pharmazeutika würden weitgehend beseitigt, heißt es.

Der indische Premierminister Nrendra Modi trifft EU Kommissionspräsidentin Ursula von der LEyen in Neu Delhi am 28. Febraur 2025.

Die EU und Indien wollten das Freihandelsabkommen ursprünglich 2025 abschließen.

28.02.2025 | 0:19 min

Abkommen könnte zu Verdoppelung von EU-Exporten bis 2032 führen

Zum Potenzial der Handelsbeziehungen teilte die EU mit, es werde erwartet, dass das Abkommen bis 2032 zu einer Verdoppelung der EU-Exporte nach Indien führen werde, indem Zölle auf 96,6 Prozent des Wertes der EU-Warenexporte nach Indien abgeschafft oder gesenkt würden. Insgesamt würden die Zollsenkungen Einsparungen von rund vier Milliarden Euro pro Jahr an Abgaben auf europäische Produkte ermöglichen. Nach EU-Angaben sind bereits heute mehr als 6.000 europäische Unternehmen in Indien vertreten.

Eine EU-Beamtin in Brüssel sagte, der Handel mit Indien mache bislang nur rund 2,5 Prozent des gesamten EU-Warenhandels aus - im Vergleich zu knapp 15 Prozent bei China. Trotz vergleichsweise hoher Zölle auf indischer Seite sei der Handel zwischen der EU und Indien in den letzten zehn Jahren bereits um fast 90 Prozent gewachsen.

Quelle: Reuters, AFP, dpa
Über dieses Thema berichteten am 27.01.2026 mehrere Sendungen, unter anderem das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF ab 05:30 Uhr und heute Xpress ab 09:00 Uhr.
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