Social-Media-Verbot "die richtige Wahl"

Interview

Kinder- und Jugendpsychologin:Social-Media-Verbot "die richtige Wahl"

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Kinder- und Jugendpsychologin Isabel Brandhorst spricht sich für ein Social-Media-Verbot für Kinder aus. Im ZDF-Morgenmagazin warnt sie vor Risiken für die psychische Gesundheit.

Ein Mädchen nutzt ihr Smartphone, während ein anderes Mädchen ein Buch liest.

Zu viel Social Media: Das sei für viele Kinder und Jugendliche mit negativen Konsequenzen verbunden. Ein Verbot sei deshalb die richtige Wahl, erklärt Psychologin Isabel Brandhorst.

17.02.2026 | 8:53 min

TikTok, Instagram, Snapchat und Co. - mehr als ein Viertel der Kinder und Jugendlichen nutzt laut einer aktuellen Studie der Krankenkasse DAK Social Media in riskantem oder krankhaftem Ausmaß. In Australien gilt seit Dezember letzten Jahres bereits ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Und auch in Deutschland wird immer wieder über eine Altersbeschränkung diskutiert.

Isabel Brandhorst, Kinder- und Jugendpsychologin und Leiterin einer Forschungsgruppe zu Internetnutzungsstörungen an der Universität Tübingen, spricht sich im ZDF-Morgenmagazin für ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche aus:

Ich halte das für eine gute Sache - vor allem, weil immer mehr Kinder Zugang zu Plattformen wie TikTok und Instagram erhalten.

Isabel Brandhorst, Leiterin der Forschungsgruppe Internetnutzungsstörungen

Junge mit Handy im Schattenriss - Illustration Verbot von Sozialen Medien

10- bis 17-Jährige nutzten im Herbst 2024 werktags im Schnitt 157 Minuten soziale Medien, am Wochenende sogar 227. Mehr als 1,3 Millionen entwickelten dadurch ernsthafte Probleme.

17.02.2026 | 1:55 min

Idealisiertes Leben als Risiko

Problematisch sei vor allem die steigende Nutzungsdauer, so Brandhorst:

Jugendliche verbringen in Deutschland an einem Wochentag etwa zweieinhalb Stunden mit Social Media, am Wochenende vier Stunden.

Isabel Brandhorst, Kinder- und Jugendpsychologin

Je länger sie auf den Plattformen blieben, desto häufiger begegneten ihnen idealisierte Bilder von Welt und Körpern. Das könne Selbstwertgefühl und Körperwahrnehmung beeinträchtigen.

Zwar könne Social Media auch positive Effekte haben: Es mache Spaß, biete Unterhaltung und ermögliche soziale Verbundenheit. Auch Präventionsangebote könnten darüber verbreitet und genutzt werden. Insgesamt zeige die Studienlage jedoch, dass die Nutzung "für viele Kinder und Jugendliche mit negativen Konsequenzen vor allem für die psychische Gesundheit verbunden ist."

Und deswegen ist ein Verbot aus meiner Sicht die richtige Wahl.

Isabel Brandhorst, Uni Tübingen

Ein Kind liegt auf dem Sofa und schaut auf ein Handy

Die Nationale Akademie der Wissenschaften warnt vor erheblichen Risiken sozialer Medien für Kinder und Jugendliche. Die Wissenschaftler fordern rasches politisches Handeln.

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Expertin sieht vor allem Eltern in der Verantwortung

Ein Verbot müsse allerdings sorgfältig ausgearbeitet werden. Den Zugang frühzeitig einzuschränken hält sie für sinnvoll, denn ist er erst einmal etabliert, sei eine Umkehr schwierig. "Es kann nur eine Möglichkeit sein, ein solches gesetzliches Verbot zu formulieren. Aber dann muss die Gesellschaft auch gemeinsam daran arbeiten, dass es einen Wandel gibt und dass es dann auch gemeinsam durchgesetzt wird", so Brandhorst.

Besonders die Eltern sieht sie in der Verantwortung. Wichtig sei es, mit Kindern und Jugendlichen im Gespräch zu bleiben und gemeinsam zu reflektieren: Was tut ihnen gut, was nicht? Und welche Rolle spielt die Dauer der Nutzung? Auch über die konsumierten Inhalte sollte gesprochen werden.

lilli-berthold

Statt eines Social-Media-Verbots müsse mehr in Medienkompetenz investiert werden. "Wir hätten gerne mehr Regulierungen“, sagt Lilli Berthold, stellvertretende Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz.

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Drei Anzeichen für eine Social-Media-Sucht

Ein Suchtverhalten erkennt man laut Brandhorst an drei Kriterien: Erstens, wenn die Kontrolle darüber verloren geht, wann, wie lange, wie häufig oder wo Social Media genutzt wird. Zweitens, wenn soziale Medien andere Lebensbereiche verdrängen und wichtiger werden als Freunde, Schule, Hobbys oder Familie. Drittens, wenn negative Folgen auftreten, etwa nachlassende schulische Leistungen oder zerbrechende Freundschaften. In solchen Fällen sei eine Therapie sinnvoll.

Ansonsten empfiehlt die Expertin eine bewusste Auszeit, ein Social-Media-Detox, also eine zeitlich begrenzte Reduzierung der Nutzung beispielsweise über zwei Wochen.

Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 17.02.2026 ab 05:30 Uhr sowie in der heute ab 17 Uhr.

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