Social-Media-Verbot in Australien: Die Ziele hinter der Strategie

Interview

Erfahrungen mit Altersgrenze in Australien:"Sozialen Medien den Zugang zu unseren Kindern verbieten"

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Seit zwei Monaten ist Social Media für unter 16-Jährige in Australien verboten. Australiens Online-Sicherheits-Beauftragte Julie Inman Grant über Erfolge, Widerstände und Ziele.

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Australiens Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige zeigt eine gemischte Bilanz: Rund fünf Millionen Konten wurden gesperrt. Trotz drohender Bußgelder gibt es Schlupflöcher.

09.02.2026 | 1:32 min

ZDFheute: Wie würden Sie nach den ersten zwei Monaten den Erfolg des Verbots der Nutzung von Social Media für unter 16-Jährige einschätzen?

Julie Inman Grant: Innerhalb der ersten zwei Tage wurden 4,7 Millionen Konten von unter 16-Jährigen deaktiviert. Zum Vergleich: In Australien gibt es etwa 2,5 Millionen 8- bis 15-Jährige. Wenn man bedenkt, dass bereits fast 84 Prozent der 8- bis 12-Jährigen Zugang zu mindestens einem Social-Media-Konto hatten, zeigt das, dass eine beträchtliche Zahl an Konten minderjähriger Nutzer betroffen ist.

Der australische Premierminister Anthony Albanese spricht zum Start der australischen Social-Media-Reform. Jugendliche können Aps wie Instagram oder Snapchat nun erst ab 16 Jahren nutzen.

Als erstes Land der Welt hat Australien ein Mindestalter von 16 Jahren eingeführt. Rund 4,7 Millionen Nutzerkonten wurden deaktiviert, befürchtete Proteste blieben aber aus.

23.01.2026 | 1:35 min

ZDFheute: Haben Sie Informationen darüber, ob die Kinder einen Weg gefunden haben, das Verbot zu umgehen?

Grant: Wir haben immer damit gerechnet, dass das passieren könnte. Wir haben rechtlich durchsetzbare Auskunftsanordnungen an jede der Plattformen verschickt. Und wir haben sehr konkrete Fragen gestellt - nicht nur dazu, welche Technologien sie einsetzen, sondern auch, wie sie diese umsetzen und konfigurieren, um sicherzustellen, dass die Maßnahmen wirksam sind. Wir erwarten, dass es in dieser Phase gewisse Anlaufschwierigkeiten geben wird.

Ein weiterer Bestandteil unserer regulatorischen Leitlinien ist jedoch die kontinuierliche Verbesserung: Wenn wir Schwachstellen feststellen oder die Einstellungen nicht ausreichend sind, werden wir Änderungen und Nachbesserungen verlangen. Außerdem werden wir in den nächsten sechs Monaten prüfen, ob die Leitlinien für die Regeln aktualisiert werden müssen.

Das französische Parlament in Paris

Nach australischem Vorbild hat auch die französische Nationalversammlung für ein Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige gestimmt, der Senat muss noch zustimmen.

27.01.2026 | 0:16 min

ZDFheute: Gibt es inzwischen rechtliche Konsequenzen für die großen Tech-Unternehmen?

Grant: Ob wir bereits Durchsetzungsmaßnahmen ergriffen haben? In den ersten zwei Monaten nicht. Wir führen jedoch intensive Untersuchungen über die Einhaltung der Regeln durch - zehn Untersuchungen gleichzeitig gegen zehn der technologisch fortschrittlichsten und wohlhabendsten Unternehmen der Welt. Uns geht es hier nicht um einzelne Fälle, die durch das Raster fallen. Wir achten auf systemische Versäumnisse, bei denen Unternehmen klar gegen den Wortlaut des Gesetzes verstoßen, indem sie nicht wirksam verhindern, dass unter 16-Jährige Konten besitzen und nutzen.

ZDFheute: Warum halten Sie dieses Verbot für unter 16-Jährige für so wichtig für die Zukunft Australiens?

Grant:

Wir verbieten nicht Kindern den Zugang zu Sozialen Medien - wir versuchen, Sozialen Medien den Zugang zu unseren Kindern zu verbieten. Das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied.

Wir brauchen eine Art Schutzmechanismus, eine Unterbrechung. Kinder brauchen Zeit, um aufzuwachsen, ohne dass all diese mächtigen Einflüsse ihre Entwicklung und ihre Beziehungen beeinträchtigen. Wo Plattformen schädliche oder manipulative Designmerkmale einsetzen, die darauf abzielen, Kinder möglichst lange zu binden, geben wir ihnen Zeit, sich zu gesünderen Jugendlichen und Erwachsenen zu entwickeln.

Eine Gruppe Kinder im Alter von 8-10 Jahren sitzt auf der Fensterbank und spielt Online-Handyspiele.

Digitale Medien haben ein enormes Suchtpotential. Eine neue Studie zeigt: ein Viertel der 10- bis 17-Jährigen weisen ein riskantes oder krankhaftes Verhalten auf.

12.03.2025 | 1:39 min

Es mangelt den Unternehmen weder an technischer Fähigkeit noch an finanziellen Ressourcen oder Fachwissen. Was wir festgestellt haben, ist ein Mangel an Willen, alle vorhandenen Sicherheitsinstrumente konsequent über alle Dienste und Plattformen hinweg anzuwenden. Solange sie keine sichereren Räume schaffen, in denen junge Menschen gedeihen können, ist dieser Schritt notwendig.

ZDFheute: Damit machen Sie sich bei der aktuellen amerikanischen Regierung vermutlich keine Freunde, oder?

Grant: Die geopolitische Lage hat sich sicherlich verändert. Aber die überwältigende Mehrheit der Menschen weltweit - auch amerikanische Bürgerinnen und Bürger - möchte, dass ihre Kinder vor den Gefahren Sozialer Medien geschützt sind. Regierungen sind hier das notwendige Gegengewicht. Betrachtet man Größe, Macht und Reichtum dieser Technologieunternehmen, sind sie größer und einflussreicher als manche Nationalstaaten.

Ein Kind liegt auf dem Sofa und schaut auf ein Handy

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13.08.2025 | 1:30 min

Ich widerspreche der Ansicht, dass unsere Maßnahmen zur Erhöhung der Online-Sicherheit die Meinungsfreiheit von Amerikanern untergraben würden. Wir haben Gesetze zur Online-Sicherheit, und wir erwarten, dass jedes Unternehmen, das in unserem Markt Daten erhebt, Einnahmen erzielt und Dienstleistungen anbietet, sich an unsere Gesetze hält. Meine Aufgabe ist es, diese Gesetze durchzusetzen.

ZDFheute: Wann rechnen Sie mit ersten psychologischen Berichten darüber, welche Auswirkungen das auf die Kinder hat?

Grant: Wir haben eine sehr intensive Auswertung. Und wir werden dem Open Science Network in den nächsten Wochen unsere Fragen und das theoretische Gerüst zur Verfügung stellen. Ich versuche, der Öffentlichkeit immer wieder klarzumachen: Eine so grundlegende öffentliche Gesundheitsmaßnahme oder digitale Reform zeigt keine Wirkung innerhalb von Wochen oder Monaten. Wahrscheinlich wird die Generation Alpha am stärksten davon profitieren.

Wenn wir fünf oder zehn Jahre in die Zukunft blicken: Die Kinder, die heute noch Kleinkinder sind, werden dann - so wie sie wissen, dass sie mit 16 den Führerschein machen dürfen - auch wissen, dass sie mit 16 Sozialen Medien beitreten dürfen und mit 18 Alkohol trinken oder rauchen dürfen. Wir setzen also klare Altersgrenzen, und es wird Zeit brauchen, bis sich das im System widerspiegelt.

Johannes Hano ist Studioleiter in Singapur und zuständig für Asien und Australien.

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Über dieses Thema berichtete das heute journal update am 09.02.2026 ab 23:55 Uhr.

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