Pistorius in Australien: Partnersuche im Pazifik

Analyse

Verteidigungsminister in Australien:Und dann steht Pistorius plötzlich im Teebaum-Rauch

Ines Trams

von Ines Trams, Canberra

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Verteidigungsminister Pistorius wirbt in Australien für engere Zusammenarbeit. Zwischen Rüstungsdeals nimmt er auch an einer traditionellen Räucherzeremonie teil - zur Reinigung.

Boris Pistorius

Boris Pistorius bei einem Reinigungsritual in Australien.

Quelle: epa

Der Tag beginnt mit Rauch. Dichter, würziger Rauch steigt in den Himmel über Canberra, während ein Ältester Blätter verbrennt - Eukalyptus, Teebaum.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und sein australischer Amtskollege Richard Marles schreiten langsam hindurch, fächeln sich den Rauch über Arme und Schultern.

Die sogenannte "Smoking Ceremony" ist ein jahrtausendealtes Reinigungsritual der Aboriginals. Der Rauch soll schlechte Energien vertreiben, schützen, einen neuen Anfang markieren.

Boris Pistorius (SPD), Verteidigungsminister, spricht am 26.03.2026 in Australien, Canberra

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Australien sucht neue Partner

Ein Auftakt, der an diesem Tag gut passt. Denn auch politisch geht es um einen Neuanfang - oder zumindest um eine Neujustierung. Australien, lange sicher eingebettet zwischen Ozeanen und Bündnissen, blickt zunehmend nervös auf seine Umgebung.

China tritt selbstbewusster, aggressiver auf. Die USA, traditioneller Schutzgarant, gelten nicht mehr als verlässlich. Die Folge: ein Land auf Partnersuche. Und Deutschland? Sucht ebenfalls.

ZDF-Korrespondentin Ines Trams berichtet aus Japan

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Mittelmächte auf der Suche

Was beide verbindet, formuliert Pistorius ungewöhnlich offen. Die Welt sei unberechenbarer geworden, sagt er - und die Unberechenbarkeit nehme weiter zu. Gerade deshalb dürfe man sich nicht nur daran orientieren, was andere tun.

Entscheidend sei, dass sich jene zusammenschließen, die an einer regelbasierten Ordnung festhalten. Mittelmächte wie Deutschland und Australien. Wenn sie nicht zusammenstünden, so Pistorius, werde es niemand für sie tun.

Auch Marles spricht von einem "sehr bedeutenden Moment". Nach den Gesprächen mit seinem deutschen Kollegen fühle er sich sicherer, sagt er. Es sind Sätze, die viel Nähe ausdrücken - und zugleich den Ernst der Lage.

Zu sehen ist Boris Pistorius bei seiner Asien-Reise. Er trägt einen Anzug.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius ist momentan in Singapur zu Besuch. Neben einem Besuch im Stadtteil Katong unterschrieb Pistorius auch einen Deal für die Wartung deutscher U-Boote.

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Harmonie - mit kleinen Rissen

Die Einigkeit ist groß, doch nicht grenzenlos. Beim Thema Iran-Krieg zeigen sich Nuancen. Australien, das im Zuge des Iran-Kriegs ein Aufklärungsflugzeug in die Golfregion entsandt hat, bleibt vorsichtig in der Bewertung. Marles weicht klaren Festlegungen eher aus.

Pistorius dagegen wird deutlicher als bisher. Der Krieg sei "eine Katastrophe für die Volkswirtschaften der Welt", sagt er. Schon jetzt seien die Folgen spürbar. Es brauche eine diplomatische Lösung - so schnell wie möglich. Und er wird grundsätzlich: Deutschland sei nicht konsultiert worden, sagt der Minister.

Es ist nicht unser Krieg.

Boris Pistorius, SPD

Man wolle auch nicht hineingezogen werden. Ungewöhnlich scharfe Töne für einen deutschen Verteidigungsminister auf Auslandsreise. Und sie zeigen: Die Suche nach neuen Partnerschaften geht einher mit wachsender Distanz zu alten Gewissheiten.

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Rüstung als Teil der Diplomatie

Am Nachmittag wird die Reise dann sehr konkret. Am Rand der australischen Hauptstadt Canberra besucht Pistorius das australische Unternehmen Electro Optic Systems. Dort geht es nicht mehr um Rituale und Grundsatzreden, sondern um Technik - und um Geschäfte.

Im Mittelpunkt: das Lasersystem "Apollo", entwickelt zur Abwehr von Drohnen. Ein Container, darin gebündelte Energie von bis zu 150 Kilowatt. Präzise, schnell, vergleichsweise günstig. Zumindest nach Darstellung des Unternehmens. Der Auftritt hat etwas von einer Verkaufsshow.

Der CEO ruft dem Minister vom Podium aus zu: "Doppelte Leistung zum halben Preis!" Und als Zugabe könne man sich gar vorstellen, den Standort nach Deutschland zu verlagern. Ein Auftritt, den Pistorius befremdet und doch aufmerksam zur Kenntnis nimmt.

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Die NATO wurde 1949 gegründet, ihr gehören 32 Staaten an. Das Bündnis dient der gemeinsamen Verteidigung und weltweiter politischer Stabilität. Deutschland ist seit 70 Jahren dabei.

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Ein Kurswechsel in Berlin

Klar wird: Lange Zeit hielt die deutsche Politik Abstand zur eigenen Rüstungsindustrie. Zu heikel, zu sensibel, zu sehr im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Interessen und politischer Zurückhaltung.

Pistorius geht einen anderen Weg. Der Minister reist nicht nur als sicherheitspolitischer Partner, sondern auch als eine Art Türöffner für die deutsche Rüstungsindustrie.

Vertreter der Branche begleiten ihn - ein Bild, das es so bislang nicht gegeben hat. Er sucht den Kontakt, wirbt für Kooperationen, signalisiert Offenheit - auch für Beschaffung im Ausland. Und er zeigt Präsenz, wo es um industrielle Partnerschaften geht.

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Pistorius - Türöffner der Rüstungsindustrie?

Für viele in der Branche ist das überfällig. Der deutsche CEO von EOS, Andreas Schwer, spricht von einem deutlichen Schritt nach vorn.

Dass eine Industriedelegation einen Minister begleite, sei in Deutschland lange ungewöhnlich gewesen - in Ländern wie Frankreich oder Großbritannien dagegen Standard.

Man habe sich oft gewünscht, dass die eigene Regierung die Industrie stärker unterstütze, sagt er. Nun scheine sich das zu ändern.

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Ein neuer Pragmatismus

Am Ende dieses ersten Tages bleibt ein Eindruck: Deutschland tastet sich vor in eine neue Rolle. Weniger zurückhaltend, weniger zögerlich - dafür pragmatischer Bereiter, Interessen klar zu benennen.

Die Rauchschwaden vom Morgen sind da längst verzogen. Geblieben ist die Erkenntnis, dass in einer unsichereren Welt neue Allianzen entstehen müssen - nicht aus Symbolik, sondern aus Notwendigkeit.

Oder, um es mit Pistorius zu sagen: Wenn die, die an die regelbasierte Ordnung glauben, nicht zusammenstehen - dann tut es niemand sonst.

Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung heute Xpress unter dem Titel "Boris Pistorius reist nach Asien" am 21.03.2026 um 17:13 Uhr. Ebenfalls um den Iran-Krieg ging es am 26.03.2026 im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF ab 5:30 Uhr.

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