Wirtschaftsabkommen in Singapur:Burkhard: "Verbündete mit gleichem Mindset suchen"
Im Interview betont Oliver Burkhard, Vorstandschef der ThyssenKrupp Marine Systems, die Bedeutung von Wirtschaftsabkommen und Partnerschaften mit Gleichgesinnten.
TKMS-Chef Oliver Burkhard begleitet die Delegation von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) nach Singapur. Im Interview betont er die Bedeutung von Wirtschaftsabkommen und Partnerschaften mit Gleichgesinnten.
ZDFheute: Sie haben nun eine Absichtserklärung unterschrieben, die Wartung der U-Boote in Singapur auszubauen. Warum ist das wichtig?
Oliver Burkhard: Es hat eine hohe strategische Bedeutung. Normalerweise werden die U-Boote an den Heimatstützpunkten gewartet, dort wird der Service gemacht. Und dass wir jetzt hier mit Singapur einen Außenposten haben, das ist was ganz Besonderes und ist natürlich für die Nutzer unserer U-Boote ein enormer Vorteil. Wir haben ja an über 30 Nationen in der Welt unsere U-Boote verkauft. Und das ist für alle natürlich (…) eine große Gelegenheit, enorm viel Kosten und Aufwand auch zu sparen.
ZDFheute: Sechs U-Boote hat Singapur insgesamt von TKMS gekauft. Was sagt uns das über die sicherheitspolitische Lage im Indo-Pazifik?
Burkhard: Ich denke, das ist eine der Regionen, die eine besondere Bedeutung hat, eine besondere Beachtung braucht. Und dass Singapur in der Tat sechs U-Boote nun in der Zukunft betreiben wird, ist für so einen kleinen Stadtstaat schon eine ganze Menge. Aber es ist umzingelt, im wahrsten Sinne des Wortes, geografisch zumindest, von vielen großen Ländern. (…)
Singapur ist ja ein bisschen die Schweiz Asiens und dementsprechend natürlich auch in einer großen Neutralität unterwegs. Aber wehrhaft, das wollen sie auch weiterhin sein.
ZDFheute: Singapur versucht ja, die Balance zwischen den Blöcken USA und China zu halten. Inwieweit begibt sich TKMS, vielleicht auch Deutschland, mit diesem jetzt vertieften Fokus auf Singapur in ein geopolitisches Spannungsfeld? Ist das riskant?
Burkhard: Ich glaube, es ist ratsam für die sogenannten Mittelmächte - also neben den Großen Amerika, USA, China - , sich auch Verbündete im Ausland zu suchen, die ein gleiches Mindset haben, ein gleiches Werteverständnis haben, die sozusagen politisch auf einer Linie sind.
Das, denke ich, ist mit Singapur der Fall. Und wir sehen es auch immer wieder bei Besuchen von dort in Deutschland, auch in Kiel, wie viel wir gemeinsam haben, wenn man auf die Welt schaut. Und da die Kräfte zu bündeln, das macht schon Sinn. Sehr viel Sinn.
ZDFheute: Singapur rüstet auf, Japan ebenfalls. Wenn Sie in die Zukunft schauen, was erleben wir da - mehr Stabilität auf den Weltmeeren oder ein Wettrüsten?
Burkhard: Ich würde mich nicht zwischen diesen beiden Alternativen entscheiden wollen, sondern ich glaube, wir müssen davon ausgehen, dass die Welt in einem Zustand verbleibt, den wir heute haben: relativ unberechenbar, relativ viel Disruption. Und dementsprechend ist es gut, wenn Sie als eigene Nation, als Bündnis, ausreichend ausgestattet sind, um sich möglicherweise verteidigen zu können.
ZDFheute: Sie verstehen sich nicht als Kriegsgewinnler. Dennoch profitiert TKMS von Krieg und Krise. Wie gehen Sie mit diesem Spannungsfeld um?
Burkhard: Also ich lege da wirklich Wert darauf, weil die Folie, auf der das stattfindet, ist keine schöne. Die Welt ist unsicherer geworden, Krieg in der Welt ist nichts, wonach wir uns sehnen. Um Gottes Willen. Im Gegenteil. Ich hätte lieber Frieden und all das, was wir da entwickeln, hochtechnologisiert, könnte für andere Zwecke eingesetzt werden.
Ich glaube aber, dass es jetzt eine Phase braucht, wo wir ein Stück weit wieder das auffüllen, was wir nicht mehr hatten, seit Beginn der 90er. Dann werden wir eine Phase haben, wo wir auf einem hohen Niveau sein werden und eben nicht mehr diesen Boom so sehen werden, wie wir ihn jetzt sehen. Wenn ich mir was wünschen dürfte, natürlich hätte ich gern, dass die Welt friedlich ist, aber es wird sie nicht sein. Deswegen ist meine Prophezeiung eher, wir werden uns eine ganze Weile noch mit diesen ganzen Themen beschäftigen müssen. Wir werden neue Partnerschaften suchen, alte Gewissheiten möglicherweise nicht mehr so sehen.
Aber als Kriegsgewinnler sehe ich immer Menschen, die sozusagen aus einer unmittelbaren Not, aus einem einmaligen Vorgang etwas machen. Unsere Boote halten 40, 50 Jahre. Sie patrouillieren die Seewege, sorgen für Sicherheit, nicht nur auf der militärischen Seite, sondern auch auf der zivilen Seite. Von daher würde ich das für uns einfach nicht gelten lassen wollen, weil wir auch nicht so denken. Nebenbei schaffen wir Arbeitsplätze, ziemlich viele sogar, was Menschen auch ein gutes Auskommen gibt.
Das Interview führte Ines Trams, Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio, derzeit in Singapur.