Pistorius in Asien: Verteidigungsminister sucht Verbündete

Analyse

Verteidigungsminister sucht Verbündete:Pistorius in Asien: Neue Partner in unsicheren Zeiten

Ines Trams

von Ines Trams

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Krieg in Nahost, Krieg in der Ukraine, Zweifel an den USA: Verteidigungsminister Pistorius reist nach Asien, um neue Partner zu gewinnen und die regelbasierte Ordnung zu stärken.

Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius (l) und der japanische Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi (r), aufgenomen am 22.03.2026

Verteidigungsminister Pistorius will die Zusammenarbeit mit Partnern in Asien ausbauen. ZDF-Korrespondentin Ines Trams ordnet ein, warum die Region für Deutschland von Bedeutung ist.

22.03.2026 | 1:12 min

Die Verbeugung der beiden Verteidigungsminister klappt noch nicht ganz im Gleichklang, als sie auf der Marinebasis Yokosuka nahe Tokio in der Frühlingssonne die Ehrenformation der japanischen Selbstverteidigungs-Streitkräfte abschreiten. Doch abseits dessen scheinen sich Boris Pistorius (SPD) und Shinjiro Koizumi über vieles einig zu sein.

Auf der Marinebasis sprechen beide von einer Welt in Unruhe: der eskalierende Iran-Krieg, Russlands Angriff auf die Ukraine ohne Aussicht auf ein Ende, ein immer offensiver auftretendes China. Und dazu der Partner USA, der für beide Länder lange unverzichtbare Schutzmacht war - auf den heute aber weniger Verlass ist. Die Konsequenz: neue Allianzen. Mittelmächte müssten enger zusammenrücken, sagt Pistorius, "like-minded-Partner", die an der regelbasierten Ordnung festhielten.

Von Nordkorea bis zur Ukraine: Konflikte hängen zusammen

Beim Pressestatement auf der Mole vor einem japanischen Zerstörer wird der Blick globaler. Konflikte seien miteinander verknüpft, so Pistorius: Nordkorea destabilisiere den Indo-Pazifik - und unterstütze zugleich Russland im Krieg gegen die Ukraine. Die dort gesammelte Kampferfahrung erhöhe wiederum die Gefahr in Asien.

Koizumi warnt, der Iran-Krieg dürfe nicht dazu führen, dass der Indo-Pazifik aus dem Fokus gerate. Im Gegenteil: Gerade jetzt gehe es darum, die eigene Abschreckung gemeinsam zu stärken. Die sicherheitspolitische Lage habe sich so verändert, dass kein Staat mehr allein agieren könne.

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Warum die Indo-Pazifik-Region für Deutschland wichtig ist

Japan ist die erste Station einer Reise, die Pistorius weiter nach Singapur und Australien führen wird - und sie ist bewusst gewählt. Der Indo-Pazifik ist für Deutschland längst mehr als eine ferne Region. Hier verlaufen zentrale Handels- und Versorgungsrouten, hier entscheidet sich der Zugang zu Rohstoffen und Schlüsseltechnologien - und hier wächst zugleich das Risiko militärischer Konfrontation.

Für Berlin ist die Reise deshalb auch ein Signal: Deutschland will hier sichtbarer werden. Lange lag der Fokus auf Handel, Diplomatie und wirtschaftlicher Vernetzung. Doch mit Russlands Angriff auf die Ukraine, Chinas wachsendem Machtanspruch und den Zweifeln an der Verlässlichkeit der USA hat sich der Blick verändert. Der Indo-Pazifik wird zunehmend auch als sicherheitspolitischer Raum verstanden.

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Japan im sicherheitspolitischen Umbruch

Gerade deshalb steht Japan im Zentrum der Reise. Das Land erlebt eine eigene Zeitenwende. Jahrzehntelang definierte sich Japan als pazifistischer Staat, militärisch begrenzt durch Verfassung, politische Kultur und die enge Abhängigkeit vom Schutz der USA. Doch dieses Selbstverständnis gerät unter Druck.

Chinas Militärmanöver rund um Taiwan, Nordkoreas Raketen- und Atomprogramm sowie Russlands aggressiver Kurs haben in Tokio ein neues Bedrohungsgefühl geschaffen. Die Regierung treibt deshalb die militärische Neuaufstellung voran: höhere Verteidigungsausgaben, neue Langstreckenraketen, eine überarbeitete Sicherheitsstrategie.

In Japan wird heute offener darüber gesprochen, dass ein Konflikt um Taiwan das Land unmittelbar betreffen könnte. Tokio lockert entsprechend Beschränkungen bei Rüstung und Kooperationen, sucht neue Partner und baut seine Abschreckungsfähigkeit aus. Japan ist damit ein Land im Übergang - vom sicherheitspolitisch zurückhaltenden Partner der USA hin zu einem eigenständigeren Akteur.

Chancen und Grenzen für Deutschland im Indo-Pazifik

Für Deutschland eröffnet dieser Wandel neue Möglichkeiten. Die deutschen Ambitionen im Indo-Pazifik treffen in Japan auf ein Umfeld, das für Kooperation deutlich offener ist als noch vor wenigen Jahren. Es geht um gemeinsame Übungen, engere militärische Abstimmung, Logistik, Informationsaustausch - und um Interoperabilität, also die Fähigkeit, im Ernstfall gemeinsam zu handeln. Auch in der Rüstungskooperation sehen Experten derzeit ein "window of opportunity".

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Zugleich bleiben die Grenzen klar. Die Bundeswehr ist in Europa stark gebunden: durch die Unterstützung der Ukraine, die Abschreckung gegenüber Russland und den Ausbau der NATO-Ostflanke. Deutschland wird im Indo-Pazifik keine militärische Führungsrolle übernehmen. Es gehe vielmehr um Präsenz, Partnerschaften und punktuelle Beiträge, sagt Pistorius. Die Ostflanke bleibe die zentrale Herausforderung - doch Deutschland dürfe andere Regionen nicht aus dem Blick verlieren. "Es liegt in unserem eigenen Interesse."

Gerade deshalb ist Japan ein Schlüsselpartner. Tokio sucht in einer unsichereren Welt nach zusätzlichen Verbündeten, auch jenseits der USA. Berlin wiederum sucht Anschluss in einer Region, deren Bedeutung weiter wächst. Pistorius’ Stippvisite in Japan ist damit vor allem eines: ein strategischer Annäherungsversuch - an einen Partner, der selbst gerade seine Rolle neu definiert.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 22.03.2026 um 16:43 Uhr in dem Beitrag "Pistorius will Partnerschaften in Asien ausbauen".

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