Pistorius reist nach Singapur

Deutschlands Blick in den Indopazifik:U-Boote für Singapur: Mehr als ein Geschäft

Ines Trams

von Ines Trams, Singapur

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Sechs U-Boote aus Kiel, künftig gewartet in Singapur: Deutschlands Marinekooperation im Indopazifik wächst. Für Verteidigungsminister Pistorius ist das Teil einer größeren Strategie.

Boris Pistorius

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius ist momentan in Singapur zu Besuch. Neben einem Besuch im Stadtteil Katong unterschrieb Pistorius auch einen Deal für die Wartung deutscher U-Boote.

24.03.2026 | 0:59 min

Sechs U-Boote aus deutscher Produktion hat Singapur bereits bestellt, nun wird auch die Wartung vor Ort ausgebaut. Der Kieler U-Boot-Bauer TKMS hat dazu am Rande der Indopazifik-Reise von Verteidigungsminister Boris Pistorius eine Absichtserklärung mit dem lokalen Partner ST Engineering unterzeichnet.

In Singapur soll ein erstes Wartungs- und Servicezentrum für den Pazifik entstehen - ein Schritt, der die Zusammenarbeit deutlich vertieft. Und ein Schritt mit strategischer Bedeutung: U-Boote aus deutscher Produktion müssten mit dem neuen Außenposten nicht mehr den langen Weg nach Kiel zurücklegen, um gewartet zu werden. "Wir haben an über 30 Nationen U-Boote verkauft - das ist für viele eine große Gelegenheit, Kosten und Aufwand zu sparen", sagt TKMS-Chef Oliver Burkhard.

Aufrüstung in einer Schlüsselregion

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Singapur - wie die gesamte Indopazifik-Region - ist verunsichert. Chinas wachsender Einfluss, Konflikte im Südchinesischen Meer und Unsicherheiten über die Rolle der USA prägen die Lage. Viele Staaten reagieren darauf mit militärischer Aufrüstung, vor allem auf See. Burkhard sagt:

Das ist eine Region von besonderer Bedeutung.

Oliver Burkhard, TKMS-Chef

Dass ein kleiner Stadtstaat künftig sechs U-Boote betreibt, sei "schon eine ganze Menge" - zugleich aber Ausdruck eines klaren Sicherheitsinteresses: Singapur wolle "wehrhaft sein" und Konflikte möglichst von sich fernhalten.

Für die mitreisende verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen, Sara Nanni, kommt die engere Zusammenarbeit zur rechten Zeit:

Die letzten Wochen haben gezeigt, dass die USA ihre Machtprojektion nicht mehr überall aufrechterhalten können. Das verschiebt auch im Indopazifik die Balance.

Sara Nanni, verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen

Umso wichtiger sei es, dass Partner wie Singapur mehr Verantwortung für ihre eigene Sicherheit übernehmen.

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Mehr als Export: neue Partnerschaften

Für Berlin ist die vertiefte Kooperation politisch gewollt. Was wie ein klassischer Rüstungsauftrag wirkt, ist Teil einer größeren Strategie: Deutschland will im Indopazifik sichtbarer werden und Beziehungen zu Staaten wie Singapur, Australien oder Japan ausbauen.

Pistorius spricht von "like-minded" Partnern:

Es hat Vorteile, wenn wir zusammenhalten und kooperieren - gerade in Zeiten, in denen die regelbasierte Ordnung immer stärker unter Druck steht.

Boris Pistorius, Verteidigungsminister

Verlässlichkeit werde in einer unsichereren Welt wichtiger, "gerade für diejenigen, die keine Supermächte sind".

Der Indopazifik ist damit für Pistorius kein Nebenschauplatz mehr, sondern ein Testfeld deutscher Sicherheitspolitik. Auch Burkhard verweist auf die Rolle sogenannter Mittelmächte: Es sei "ratsam", sich mit Partnern zu vernetzen, "die ein ähnliches Werteverständnis haben" - und Kräfte zu bündeln.

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Wettrüsten oder Stabilität?

Gleichzeitig bleibt die grundsätzliche Frage: Trägt die Lieferung solcher Systeme zur Stabilität bei - oder befeuert sie ein Wettrüsten? Nanni sagt dazu:

Das ist offen. Wenn es nach mir ginge, würden wir das Geld anders einsetzen. Aber so ist die Lage nicht.

Sara Nanni, verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen

China habe massiv aufgerüstet, die USA seien in einer Phase der Veränderung - "und das bedeutet, dass Sicherheit auch militärisch gewährleistet werden muss".

Mit der Wartung der U-Boote direkt in Singapur geht die Zusammenarbeit über den Verkauf hinaus. Für die Industrie bedeutet das Präsenz vor Ort, für die Politik eröffnet sie neue Einflussmöglichkeiten. Die Kooperation mit Singapur ist deshalb mehr als ein einzelnes Projekt. Sie zeigt, wie sich deutsche Sicherheits- und Wirtschaftspolitik neu ausrichtet - in einer Region, die immer wichtiger wird.

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