"Sondervermögen" ist Unwort des Jahres 2025

"Sondervermögen" ist Unwort des Jahres 2025

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Das Unwort des Jahres 2025 lautet "Sondervermögen". Die Auszeichnung soll auf diskriminierenden Sprachgebrauch aufmerksam machen.

Unwort des Jahres 2025: Sondervermögen

Quelle: dpa

"Sondervermögen" ist das Unwort des Jahres 2025. Das gab die Jury der sprachkritischen "Unwort"-Aktion am Morgen im hessischen Marburg bekannt. Der Gebrauch des ursprünglich aus der wirtschaftlichen und juristischen Fachsprache stammenden Begriffs in der öffentlichen Kommunikation verdecke, was mit ihm eigentlich gemeint sei - nämlich die Aufnahme von Schulden.

Der im vergangenen Jahr vermehrt im öffentlich-politischen Sprachgebrauch verwendete Begriff habe "sehr deutlich die politischen Debatten über Staatsverschuldung und Investitionsprogramme" geprägt, hieß es weiter.

Diskrepanz zum Alltagsgebrauch

Im Alltagssprachgebrauch werde unter "Sondervermögen" eine spezielle Menge an Eigentum verstanden, die von einem Gesamtvermögen abgetrennt sei. Im Fachdiskurs über den Staatshaushalt jedoch meine "Sondervermögen" einen Nebenhaushalt, der zur Erfüllung bestimmter Aufgaben eingerichtet werde und mit der Aufnahme von Schulden oder einer Kreditermächtigung verbunden sei.

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Der Ausdruck habe sich im öffentlichen Diskurs verselbstständigt, befand die Jury. Viele Bürgerinnen und Bürger seien nicht mit der Spezialbedeutung vertraut und orientierten sich an der Alltagsbedeutung.

Durch diese Diskrepanz tritt eine irreführende euphemistische Bedeutung des Wortes deutlich in den Vordergrund.

"Unwort"-Jury

"Zustrombegrenzungsgesetz" auf Platz zwei

Auf Platz zwei landete der Ausdruck "Zustrombegrenzungsgesetz". Der Ausdruck bediene sich einer "Wassermetapher" und stelle Zuwanderung als "Herbeiströmen in großen Mengen" dar, hieß es. Dadurch werde Zuwanderung negativ als Bedrohung konnotiert.

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Bei der bundesweit viel beachteten Aktion werden seit 1991 nach Auffassung der Fachleute unmenschliche oder unangemessene Begriffe ausgewählt, die gegen das Prinzip der Menschenwürde verstoßen, in irreführender Weise etwas Negatives beschönigen oder diskriminieren.

Ehrenamtliche Aktion

Die Jury der institutionell unabhängigen und ehrenamtlichen Aktion "Unwort des Jahres" besteht aus vier Sprachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, einer Journalistin sowie jährlich wechselnden Mitgliedern.

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533 Begriffe vorgeschlagen

Das "Unwort des Jahres" wird aus Vorschlägen ausgewählt, die interessierte Bürgerinnen und Bürger jeweils bis 31. Dezember eines Jahres einsenden können. Insgesamt gab es dieses Mal 2.631 Einsendungen, sie enthielten 533 verschiedene Ausdrücke, von denen rund 70 den Kriterien der Jury entsprachen.

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Infrage kommen Begriffe und Formulierungen, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistisch, verschleiernd oder irreführend sind. Wie häufig ein Begriff vorgeschlagen wurde, ist nicht entscheidend für Kür zum "Unwort" des Jahres. Für 2024 war "biodeutsch" zum "Unwort des Jahres" bestimmt worden.

Bisherige "Unworte des Jahres"


















Bis zum Einsendeschluss an Silvester gingen mehr als 2.300 Vorschläge ein. Mit der Aktion wollen die Initiatoren auf unangemessene und menschenverachtende Begriffe aufmerksam machen. Vor einem Jahr fiel die Wahl auf die Zuschreibung "biodeutsch", weil der Begriff in rassistischer und nationalistischer Weise gebraucht werde.

Quelle: AFP, dpa, KNA
Über dieses Thema berichteten das heute journal update am 13. Januar 2026 ab 00:15 Uhr und die heute Xpress ab 9 Uhr.