"Sondervermögen" ist Unwort des Jahres 2025
Das Unwort des Jahres 2025 lautet "Sondervermögen". Die Auszeichnung soll auf diskriminierenden Sprachgebrauch aufmerksam machen.
Quelle: dpa
"Sondervermögen" ist das Unwort des Jahres 2025. Das gab die Jury der sprachkritischen "Unwort"-Aktion am Morgen im hessischen Marburg bekannt. Der Gebrauch des ursprünglich aus der wirtschaftlichen und juristischen Fachsprache stammenden Begriffs in der öffentlichen Kommunikation verdecke, was mit ihm eigentlich gemeint sei - nämlich die Aufnahme von Schulden.
Der im vergangenen Jahr vermehrt im öffentlich-politischen Sprachgebrauch verwendete Begriff habe "sehr deutlich die politischen Debatten über Staatsverschuldung und Investitionsprogramme" geprägt, hieß es weiter.
Diskrepanz zum Alltagsgebrauch
Im Alltagssprachgebrauch werde unter "Sondervermögen" eine spezielle Menge an Eigentum verstanden, die von einem Gesamtvermögen abgetrennt sei. Im Fachdiskurs über den Staatshaushalt jedoch meine "Sondervermögen" einen Nebenhaushalt, der zur Erfüllung bestimmter Aufgaben eingerichtet werde und mit der Aufnahme von Schulden oder einer Kreditermächtigung verbunden sei.
Vom Sondervermögen sind 100 Milliarden Euro für Länder und Kommunen vorgesehen. Doch die Debatte, wo das Geld genau landen soll, hat gerade erst begonnen.
12.10.2025 | 2:52 minDer Ausdruck habe sich im öffentlichen Diskurs verselbstständigt, befand die Jury. Viele Bürgerinnen und Bürger seien nicht mit der Spezialbedeutung vertraut und orientierten sich an der Alltagsbedeutung.
Durch diese Diskrepanz tritt eine irreführende euphemistische Bedeutung des Wortes deutlich in den Vordergrund.
"Unwort"-Jury
"Zustrombegrenzungsgesetz" auf Platz zwei
Auf Platz zwei landete der Ausdruck "Zustrombegrenzungsgesetz". Der Ausdruck bediene sich einer "Wassermetapher" und stelle Zuwanderung als "Herbeiströmen in großen Mengen" dar, hieß es. Dadurch werde Zuwanderung negativ als Bedrohung konnotiert.
Heftiger Schlagabtausch im Bundestag. Dabei steht der Gesetzentwurf der Union kaum noch im Mittelpunkt – der Abstimmungsvorgang und der zukünftige Umgang mit der AfD polarisieren.
31.01.2025 | 4:02 minBei der bundesweit viel beachteten Aktion werden seit 1991 nach Auffassung der Fachleute unmenschliche oder unangemessene Begriffe ausgewählt, die gegen das Prinzip der Menschenwürde verstoßen, in irreführender Weise etwas Negatives beschönigen oder diskriminieren.
Ehrenamtliche Aktion
Die Jury der institutionell unabhängigen und ehrenamtlichen Aktion "Unwort des Jahres" besteht aus vier Sprachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, einer Journalistin sowie jährlich wechselnden Mitgliedern.
Die Menschen in Gaza umzusiedeln verkomme zu einem radikalen Überbietungswettbewerb, so ZDF-Korrespondent Thomas Reichart. Trumps Zuversicht überrascht derweil in Washington.
08.07.2025 | 3:06 minIn diesem Jahr beteiligte sich der Autor, Jurist und Journalist Ronen Steinke. Sein persönliches "Unwort des Jahres" ist der Begriff "Umsiedlung", mit dem israelische und amerikanische Politiker im vergangenen Jahr dafür geworben hätten, die Bevölkerung des umkämpften Gazastreifens dauerhaft in ein anderes Land zu schicken.
533 Begriffe vorgeschlagen
Das "Unwort des Jahres" wird aus Vorschlägen ausgewählt, die interessierte Bürgerinnen und Bürger jeweils bis 31. Dezember eines Jahres einsenden können. Insgesamt gab es dieses Mal 2.631 Einsendungen, sie enthielten 533 verschiedene Ausdrücke, von denen rund 70 den Kriterien der Jury entsprachen.
"KI-Ära" ist das Wort des Jahres 2025. Das hat die Gesellschaft für deutsche Sprache bekanntgegeben. Der wachsende Einfluss von Künstlicher Intelligenz stehe für einen "epochalen Wandel".
05.12.2025 | 0:21 minInfrage kommen Begriffe und Formulierungen, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistisch, verschleiernd oder irreführend sind. Wie häufig ein Begriff vorgeschlagen wurde, ist nicht entscheidend für Kür zum "Unwort" des Jahres. Für 2024 war "biodeutsch" zum "Unwort des Jahres" bestimmt worden.
Bisherige "Unworte des Jahres"
Der Begriff sei verstärkt im öffentlichen und gesellschaftlichen Sprachgebrauch sowie vor allem in den sozialen Medien verwendet worden, "um Menschen vor dem Hintergrund vermeintlich biologischer Abstammungskriterien einzuteilen, zu bewerten und zu diskriminieren".
Rechte Parteien und Rechtsextreme würden den Ausdruck beschönigend für ihre Forderung nach Zwangsausweisungen und Deportationen missbrauchen, argumentierte die Unwort-Jury. Remigration sei ein "rechter Kampfbegriff" und eine "beschönigende Tarnvokabel".
Die Verwendung des Begriffs kritisiert die Jury, weil Aktivistinnen und Aktivisten mit Terroristen "gleichgesetzt und dadurch kriminalisiert und diffamiert werden". Gewaltlose Protestformen zivilen Ungehorsams und demokratischen Widerstands würden so in den Kontext von Gewalt und Staatsfeindlichkeit gestellt.
Der aus dem Englischen stammende Begriff bedeutet zurückdrängen oder zurückschieben und wird im Zusammenhang mit möglichen illegalen Zurückweisungen von Migranten an der EU-Außengrenzen verwendet. Die Jury kritisiert die Nutzung des Ausdrucks, "weil mit ihm ein menschenfeindlicher Prozess" beschönigt werde.
Erstmals gibt es ein "Unwort"-Paar: "Corona-Diktatur" sei ein Begriff von sogenannten Querdenkern und rechten Propagandisten, um die Politik zur Eindämmung der Pandemie zu diskreditieren.
"Rückführungspatenschaften" sei zynisch und beschönigend. Mit Rückführung sei nichts anderes gemeint als Abschiebung und die Patenschaft sei ein eigentlich positiv besetzter Begriff.
Mit dem Wort werden nach Auffassung der Jury Klimaschutzbemühungen und die Klimaschutzbewegung diffamiert und wichtige Debatten zum Klimaschutz diskreditiert.
Der Ausdruck "Anti-Abschiebe-Industrie" wurde 2018 durch den Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag eingeführt. Laut Jurymitglied Janich zeigt sich dadurch "wie sich der politische Diskurs sprachlich und in der Sache nach rechts verschoben hat und sich damit auch die Sagbarkeitsregeln in unserer Demokratie auf bedenkliche Weise verändern."
Die Bezeichnung "alternative Fakten" ist der verschleiernde und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen, so die Jury.
Das Schlagwort werde "antidemokratisch und diffamierend verwendet", begründete eine Sprecherin der "Unwort"-Jury, die Sprachwissenschaftlerin Nina Janich, die Entscheidung.
Der Vorwurf diffamiere Hilfsbereitschaft und Toleranz pauschal als naiv und dumm, begründet die "Unwort"-Jury ihre Wahl.
Diese pauschale Verurteilung "verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit", so die Jury.
Der Ausdruck diskriminiert laut Jury Menschen, "die aus purer Not in Deutschland eine bessere Zukunft suchen, und verschleiert ihr prinzipielles Recht hierzu".
Die "Unwort"-Jury kritisiert, der Begriff stelle Frauen pauschal unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und damit selbst Täterin zu sein. Wetter-Unternehmer Jörg Kachelmann hatte die Wortschöpfung, die seine Frau Miriam erfunden habe, unter anderem in einem "Spiegel"-Interview verwendet. Darin ergänzte er: "Frauen sind immer Opfer, selbst wenn sie Täterinnen wurden."
Dieser Begriff ist für die Mordserie der rechtsextremistischen NSU-Terroristen verwendet worden. Mit der "sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung" würden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt, erklärt die Jury.
Das Wort suggeriere zu Unrecht, dass keine Diskussion mehr notwendig sei.
Damit würden Arbeitnehmer-Interessen in völlig unangemessener Weise als Seuche dargestellt.
Der Begriff stelle das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise auf den Kopf.
(Quelle: dpa)
Bis zum Einsendeschluss an Silvester gingen mehr als 2.300 Vorschläge ein. Mit der Aktion wollen die Initiatoren auf unangemessene und menschenverachtende Begriffe aufmerksam machen. Vor einem Jahr fiel die Wahl auf die Zuschreibung "biodeutsch", weil der Begriff in rassistischer und nationalistischer Weise gebraucht werde.