Mario Adorf - Trauer um Ikone des deutschen Films

Trauer um Ausnahme-Schauspieler:Mario Adorf - eine Ikone des deutschen Films

von Karin Beck-Loibl

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Er brillierte als Ganove ebenso wie als strenger Patriarch: Mario Adorf war einer der wenigen deutschen Weltstars des Kinos. Nun ist er im Alter von 95 Jahren gestorben.

Porträtfoto des Schauspielers Mario Adorf

Er brillierte als Ganove ebenso wie als strenger Patriarch: Mario Adorf war einer der wenigen deutschen Weltstars des Kinos. Nun ist der Schauspieler im Alter von 95 Jahren gestorben.

09.04.2026 | 14:57 min

Charakterrollen waren sein Fach, bis ins hohe Alter: Mario Adorf, eine Ikone der deutschen Schauspielkunst. Er schien lange auf den Bösewicht abonniert. Zuerst als Massenmörder Bruno Lüdke in "Nachts, wenn der Teufel kam" - sein Filmdebüt, das ihm 1958 den Bundesfilmpreis einbrachte. Nach dem ersten großen Kino-Erfolg reihte sich Rolle an Rolle, doch Adorf blieb bodenständig.

Geboren am 8. September 1930 in Zürich, als uneheliches Kind der Röntgenassistentin Alice Adorf. Als Mario drei Jahre alt war, zog sie mit ihm zu Verwandten nach Mayen. Sie verdiente ihr Geld als Näherin, musste Mario in ein Waisenhaus geben und sah ihn nur am Wochenende.

Mario Adorf - 2024

Er prägte Generationen von Kino- und TV-Zuschauern: Mario Adorf ist tot. In mehr als 200 Produktionen verkörperte er unvergessliche Rollen - vom Schurken bis zum Lebemann.

09.04.2026 | 1:33 min

Diese Szene verzieh das Publikum Adorf lange nicht

Adorf studierte erst in Mainz Theaterwissenschaften und Philosophie, machte Studententheater, bevor er nach München ging. Dort fing alles an mit dem Maikäfer Sumsemann in "Peterchens Mondfahrt", seine erste große Rolle an den Münchner Kammerspielen. Wo er den Intendanten mit zwei Eigenschaften überzeugte, die nicht so häufig waren: Kraft und Naivität. Nach dem Schauspielstudium an der Otto-Falckenberg-Schule gehörte er von 1955 bis 1962 dem Ensemble an.

Dass er 1963 in der Karl-May-Verfilmung Winnetous Schwester Nscho-tschi erschoss, verzieh ihm das Publikum lange nicht. Die Rolle des Frederick Santer sollte sein Image über Jahrzehnte prägen.

Schauspieler Mario Adorf ist zu sehen.

Schauspiel-Legende Mario Adorf ist tot. Im Alter von 95 Jahren starb der Charakterdarsteller nach kurzer Krankheit in seiner Pariser Wohnung. Das teilte sein langjähriger Manager mit.

09.04.2026 | 2:38 min

Zwischen Mussolini und "Lola": Adorfs große Rollen

Mario Adorf sprach fließend Englisch, Französisch und Italienisch. Das machte es ihm leicht, in den 1960er-Jahren in der berühmten italienischen Filmstadt Cinecittà Fuß zu fassen. Er, der Deutsche, schlüpfte sogar in die Rolle des "Duce" Mussolini.

Durch Regisseur Volker Schlöndorff kam er in den 1970er-Jahren zum sozialkritischen Neuen Deutschen Film in Literaturverfilmungen wie "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" und "Die Blechtrommel". In Rainer Werner Fassbinders Wirtschaftswunder-Satire "Lola" von 1981 war er der machtbewusste Baulöwe Schuckert. Eine Rolle - wie für ihn gemacht. 1985 dann im ZDF-Dreiteiler "Via Mala" ein Schock fürs Publikum: als tyrannischer, trunksüchtiger Vater einer Müller-Familie in den Bündner Alpen - so hatte man Mario Adorf noch nicht gesehen.

"Kir Royal" war Karriere-Höhepunkt

Ein Höhepunkt seiner Karriere: der Klebstoff-Fabrikant Haffenloher in der Schickeria-Satire "Kir Royal". Regisseur und Autor Helmut Dietl schenkte ihm einen Satz, der Filmgeschichte schrieb: "Ich scheiß dich sowas von zu mit meinem Geld, dass Du keine ruhige Minute mehr hast. Ich schick Dir jeden Tag Cash, im Koffer, und dann hab ich dich, dann gehörst du mir. Und dann bist du mein Knecht, ich mach mit dir was ich will."

Schauspiel-Legende Mario Adorf ist gestorben

Mario Adorf ist am 8. April 2026 im Alter von 95 Jahren in Paris gestorben. Sein langjähriger Manager hat ihn noch vor kurzem besucht. Adorf gab ihm eine Nachricht für sein Publikum mit.

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Ende der 1980er wandelte sich sein Image erneut. Immer häufiger spielte er den Patriarchen wie in der ZDF-Produktion "Der große Bellheim". Im Fernseh-Mehrteiler "Der Schattenmann" gab er den Mafia-Boss. Brillierte als Gastronom "Rossini" in Dietls Filmsatire über den Jahrmarkt der Eitelkeiten im Filmbusiness. Verkörperte Karl Marx in einem ZDF-Dokumentarspiel. Wurde vom Schurken zum begehrten Liebhaber in "Altersglühen - Speeddating für Senioren", von der Kritik hoch gelobt als "großes Theater im Fernsehformat".

ZDF-Intendant Dr. Norbert Himmler würdigt das Lebenswerk des Schauspielers: "Mario Adorf war ein Schauspieler von außergewöhnlicher Präsenz und Tiefe, der Generationen von Zuschauerinnen und Zuschauern geprägt hat. "Mit seinen intensiven und nuancierten Charakterdarstellungen - unter anderem in den großen ZDF-Mehrteilern Der große Bellheim, Die Affäre Semmeling und Der Schattenmann - hat er das Programm des ZDF nachhaltig bereichert. Sein Werk hat weit über einzelne Rollen hinausgewirkt und ist fest im kollektiven Gedächtnis verankert", sagte Himmler.

Quelle: ZDF


Adorf hat in 221 Produktionen mitgewirkt

In 221 Kino-, Fernseh- und Serienproduktionen hat er mitgewirkt. Und kehrte immer wieder auch auf die Theaterbühne zurück, etwa als Siegfried-Mörder "Hagen" bei den Nibelungen-Festspielen in Worms, wo man seit 2018 den "Mario-Adorf-Preis" verleiht. In einem Kulturzeit-Interview in Worms erinnerte er sich:

Der Anfänger am Theater, der hat’s viel schwerer. Der muss ja erst einmal die Menschen auf sich aufmerksam machen.

Mario Adorf, Schauspieler

"Das ist schon etwas schwerer, das verlangt ein bisschen mehr Persönlichkeit, eine gewisse Sicherheit, ein Auftreten und das Beginnen sagen wir mal einer kleinen Aura, die man sich schafft - wo einen dann die Menschen erkennen auf der Bühne."

Ihn hat man in jeder Rolle erkannt - denn er hatte sie, diese Aura: Mario Adorf.

Seinem langjährigen Manager Michael Stark trug Adorf auf dem Sterbebett in Paris auf, seinem Publikum Dank für die jahrzehntelange Treue zu hinterlassen.

Karin Beck-Loibl ist ZDF-Redakteurin und Reporterin für 3sat Kulturzeit.

Im ZDF-Streaming-Portal sind das Porträt "Mario Adorf - Ein Leben", der erste Teil von "Winnetou" und "Die Blechtrommel" bereits abrufbar. Am Freitag, 10. April 2026, 0.30 Uhr, zeigt das ZDF "Terra X History: Mario Adorf - eine deutsche Filmlegende" sowie am Samstag, 11. April 2026, 13.40 Uhr die Komödie "Krokodil".


Über das Thema berichtet das ZDF am 09.04.2026 in mehreren Sendungen, etwa im Beitrag: "Mario Adorf - ein Leben" ab 10:05 Uhr, in der ZDFheute Xpress um 10:29 Uhr und in der Sendung hallo Deutschland um 13:19 Uhr.

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