Vereinigte Arabische Emirate:Was der Austritt der Emirate aus der Ölallianz Opec bedeutet
Was bedeutet der angekündigte Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der Ölallianz Opec für die Energiewirtschaft? Wie trifft er Verbraucher? Fragen und Antworten.
Zwei Monate nach Beginn des Kriegs der USA und Israels gegen Iran kündigen die Vereinigten Arabischen Emirate ihren Austritt aus der Ölallianz Opec an. Zuletzt verließ Katar 2019 das Bündnis.
28.04.2026 | 0:29 minDie Organisation erdölexportierender Länder (Opec) verliert ein wichtiges Mitglied: Zum 1. Mai wollen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) aus der Ölallianz austreten. Ein Überblick zu kurz- und langfristigen Folgen dieses Schritts.
Warum treten die Emirate jetzt aus?
"Es ist nicht vollkommen überraschend", sagt Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. Der Austritt sei die Konsequenz aus den Unstimmigkeiten zwischen den VAE und der Opec, sagt auch Sina Mainitz aus dem ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen. Schon länger habe es Streit über die Fördermengen von Öl gegeben. Die Emirate hatten mehr produzieren wollen und können, als es die für sie vorgesehene Quote erlaubte. Der Ausstieg sei nun gleichzeitig auch eine Kartellschwächung der Opec und zeige die Emanzipation der VAE, sagt Mainitz.
Hinzu kommt, dass die VAE durch fehlgeleitete Drohnen direkt in Mitleidenschaft des Iran-Kriegs gezogen wurden. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka Bank, sagt:
Die VAE fühlen sich seit dem Iran-Krieg in ihren Interessen nicht ausreichend vom Nachbarn Iran gehört. Das ist mit ausschlaggebend dafür, dass die VAE die Opec verlassen.
Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka Bank
Die VAE richten ihr Geschäftsmodell teilweise bereits jetzt auf ein Leben nach dem Öl aus. So setzt Dubai als Steuerparadies auf internationales Business, Tourismus und zunehmend auf erneuerbare Energien.
Die Golfstaaten hielten Iran für einen mächtigen und gefährlichen Nachbarn, erklärt Nahost-Experte Gerlach. Daher versuchten die Länder, zu verhindern, aktive Kriegspartei zu werden.
16.03.2026 | 28:53 minIn ihrer Mitteilung zum Austritt sprechen die Emirate von einem Blick auf "nationale Interessen und dem Ziel des Landes, aktiv zu den dringenden Bedürfnissen des Marktes beizutragen". Sultan Al Dschaber, Chef des staatlichen emiratischen Ölkonzerns, spricht von einer "souveränen Entscheidung im Einklang mit der langfristigen Energie-Strategie und der wahren Kapazität bei der Produktion".
Was sind die Folgen für die Energiewirtschaft?
Heute hatte die Ankündigung auf die Preise noch keine Auswirkung. Das könnte sich aber ändern - und zwar zum Wohle der Verbraucherinnen und Verbraucher. Ulrich Kater rechnet damit, dass die VAE die Fördermenge des Öls erhöhen werden. Das würde auf längere Sicht fallende Ölpreise mit sich bringen.
Das Baker Institute der Rice-Universität im texanischen Houston schätzte 2023, dass ein Austritt der Emirate kurzfristig zu Gewinnen führen könnte. Die emiratische Ölproduktion würde "entfesselt" und könnte jedes Jahr zusätzliche Einnahmen in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar bringen, hieß es seinerzeit. Zugleich drohten aber "zerbrochene Beziehungen" mit Saudi-Arabien und ein Preiskampf an den Ölmärkten.
Von den erneut angestiegenen Ölpreisen profitieren auch europäische Öl- und Gaskonzerne. Wie genau, das erklärt ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller.
28.04.2026 | 1:06 minMomentan hängt aber zunächst alles davon ab, wie schnell die Straße von Hormus wieder für die Schifffahrt und den Transport von Öl geöffnet wird.
Was hat Saudi-Arabien mit dem Schritt zu tun?
Das Königreich hat durch seine enormen Kapazitäten bei der Produktion und seine massiven Ölreserven - Saudi-Arabien besitzt etwa 17 Prozent der weltweit nachgewiesenen Reserven - eine beherrschende Stellung innerhalb der Opec. Durch das weitere Bündnis Opec+, dem auch Russland angehört, hat Saudi-Arabien seinen Einfluss noch ausgebaut. Mit dem Austritt aus der Opec und der Opec+ kehren die Emirate dem gesamten Kartell den Rücken und sagen sich auch vom Führungsanspruch Saudi-Arabiens los.
Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) fördert mehr als ein Drittel des weltweiten Erdöls und besitzt rund drei Viertel der Reserven. Das Ölkartell wurde am 14. September 1960 in der irakischen Hauptstadt Bagdad von Saudi-Arabien, Iran, Irak, Kuwait und Venezuela gegründet. Ziel war, die Ölquellen statt der Ölkonzerne zu kontrollieren und durch Förderabsprachen auch den Ölpreis zu beeinflussen, um sich stabile Gewinne zu sichern.
Heute hat das Ölkartell 12 Mitgliedsländer: Algerien, Äquatorialguinea, Gabun, Irak, Iran, Republik Kongo, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien, Venezuela und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).
Die Opec hat an Einfluss verloren, weil beispielsweise die USA neue Förderquellen in großem Umfang erschlossen haben.
Quelle: dpa, ZDF
Stand: 28.04.2026
Abu Dhabi und Riad waren lange enge Verbündete am Golf, treten aber zunehmend als Rivalen auf und tragen diesen Konflikt auch immer offener aus. Im Jemen und im Sudan unterstützen sie verschiedene Seiten und verfolgen auch mit Blick auf Israel unterschiedliche Strategien. Wirtschaftlich wetteifern beide Monarchien um Investitionen, Handel und Tourismus. Saudi-Arabien muss nun versuchen, die Opec zusammenzuhalten. Einige sagen bereits den Anfang vom Ende des Kartells voraus. Das israelische Nachrichtenportal "ynet" schreibt, die Emirate hätten die Opec "zerbrochen".
Wie reagieren die USA?
Für die USA als größtem Ölproduzenten der Welt ist die Ankündigung ein Balanceakt. US-Präsident Donald Trump hat die Opec immer wieder wegen ihrer Kartellbeschlüsse kritisiert. Der Austritt der VAE ist insofern ein politischer Sieg für ihn. Was das Ölgeschäft in den USA angeht, wären sinkende Ölpreise auf dem Weltmarkt schlecht für die Exporte der USA.
US-Präsident Trump pflegt enge wirtschaftliche Beziehungen in die Golfregion, ebenso wie einige seiner engsten Vertrauten. Doch welche Rolle spielen die Interessen des Trump-Clans im Iran-Krieg?
25.03.2026 | 6:16 minWelche Auswirkungen hat der Austritt für Verbraucher?
Der Ölmarkt knüpft nach Ansicht von Ulrich Kater daran an, was vor dem Krieg ein Thema war: Es gab damals eine Überproduktion von Öl. Die Lager sind in den letzten zwei bis drei Jahren überdurchschnittlich voll, das spricht für geringere Ölpreise. Der Preis für die Verbraucher hängt letztendlich von zwei wichtigen Dingen ab: der Fördermenge einerseits, andererseits vor allem davon, wie schnell das Öl tatsächlich wieder durch die Straße von Hormus transportiert werden kann.
Auch für die US-Bürger dürften durch ein größeres Ölangebot die Benzinpreise sinken, was Trump wenige Monate vor den wichtigen Kongresswahlen massiv in die Karten spielen dürfte.
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