Pekings Sicht auf Iran-Krieg:Wie Chinas kleine Raffinerien Iran nutzen
von Miriam Steimer, Dongying
Warum überlassen Chinas Staatsbetriebe kleineren Raffinerien das Geschäft mit günstigem Rohöl aus Iran? Und wie helfen diese Raffinerien nicht nur Teheran, sondern auch Peking?
Private Raffinerien in der Provinz Shandong verarbeiten Öl und tragen maßgeblich zu Chinas Energiesicherheit bei. Ölimporte aus Iran bleiben nun aus - was bedeutet das für China?
22.04.2026 | 6:36 minSie werden "teapots" genannt, Teekannen, weil die Öl-Tanks und der weiße Rauch aus den Schornsteinen so ähnlich aussehen sollen. In der Provinz Shandong an Chinas Ost-Küste grenzt eine Teekanne an die nächste. Sie produzieren Benzin, Diesel, aber auch Zwischenprodukte, zum Beispiel für Autoreifen: Jeder zehnte weltweit verkaufte Reifen kommt von hier.
Bei der Frage, wo das Rohöl herkommt, winkt ein Lkw-Fahrer ab, der vor dem Werkstor gerade Mittagspause macht:
Woher soll ich wissen, woher das Öl kommt, ich transportiere es nur.
Wang Hongtao, Lkw-Fahrer
Es ist ein offenes Geheimnis
"Andere Länder können gar kein Öl mehr importieren, oder? Die kriegen keinen Tropfen mehr, aber unser Rohöl kommt noch durch", fügt er hinzu. Dabei ist es ein offenes Geheimnis: Den "teapots" überlassen Chinas große Staatsbetriebe das heikle Geschäft mit sanktioniertem Rohöl aus Venezuela, Iran oder Russland. Sie kaufen es günstig ein und verkaufen lokal weiter - mit dem Risiko, selbst sanktioniert zu werden.
Die kleinen Raffinerien übernehmen das schmutzige Geschäft, stützen Pekings strategische Partnerschaften und wären die ersten Verlierer, sollten diese Ölquellen versiegen. Die Region ist eines der wichtigsten Öl-Zentren Chinas, hier liegt außerdem das zweitgrößte Ölfeld des Landes, die ganze Region hängt am Öl-Tropf.
Es treffe die Energieversorgung und andere Lieferketten, das chinesische Interesse an einer offenen Straße von Hormus sei elementar, sagt China-Experte Professor Sebastian Heilmann.
14.04.2026 | 7:28 minAuch Chinas Spritpreise sind gestiegen - staatlich kontrolliert
In einer kleinen Werkstatt zeigt die Besitzerin auf den Lkw-Fahrer, der gerade seine Klimaanlage repariert: "Du solltest ihn fragen, wie es läuft. Wenn die Lkw-Fahrer kein Geld verdienen, verdienen wir auch nichts", sagt Frau Yang. "Hauptsächlich liegt es daran, dass das Benzin teurer geworden ist. Der Benzinpreis steigt doch ständig seit dem Krieg."
Der Fahrer pflichtet ihr bei:
Was ich verdiene, bleibt gleich, aber der Dieselpreis steigt - das ganze Geld, das man verdient, geht für Diesel drauf.
Li Haitao, Lkw-Fahrer
Seit Beginn des Iran-Kriegs sind auch in China die Spritpreise spürbar gestiegen: der Liter Diesel um mehr als 30 Prozent. Alle zehn Tage werden die Maximal-Preise an den Tankstellen staatlich festgelegt. Diese Woche gingen sie zum ersten Mal seit Jahresbeginn leicht runter.
Die Blockade der Straße von Hormus verhindert wichtige Öllieferungen nach China. Neben Exporten aus Iran sind auch Lieferungen aus Golfstaaten betroffen, mit Folgen für die Energieversorgung.
15.04.2026 | 1:44 minPeking sorgt für Krisen vor
Ist China besser vorbereitet auf eine solche Krise? Zumindest hat Peking gut gefüllte Öl-Reserven - eine kommerzielle und eine strategische. Firmen sind zur Lagerhaltung verpflichtet, als Teil von Pekings Vorsorge-Politik: Der Staat hortet Gas, Öl und Nahrungsmittel - für Krisenzeiten.
Auf dem Weg zum Hafen von Dongying, wo das Öl für die Raffinerien ankommt, stehen am Straßenrand riesige neu gebaute Lagertanks. Auf dem Papier importiert China seit 2018 kein iranisches Rohöl mehr, seitdem die USA das Atomabkommen mit Iran aufgekündigt haben.
Doch vor einem Jahr sanktionierte Washington Betreiber-Firmen dieses Hafens. Der Vorwurf: Millionen Fässer iranischen Öls würden hier über Schattenflottentanker abgewickelt, die Herkunft verschleiert. Zum Beispiel: Aus Malaysia soll China zuletzt mehr Öl importiert haben, als das Land überhaupt selbst fördert.
Angesichts von Engpässen durch den Iran-Krieg stellt Moskau Peking zusätzliche Energielieferungen in Aussicht. Xi und Lawrow betonten die enge Partnerschaft, ein Putin-Besuch ist geplant.
15.04.2026 | 1:05 minTeheran braucht Peking dringender als umgekehrt
Bis zu 90 Prozent der iranischen Öl-Exporte gehen wohl nach China - wegen der Sanktionen über Umwege und besonders preiswert. Doch an Chinas Öl-Importen insgesamt sind das nur etwa 13 Prozent. Teheran braucht Peking also viel dringender als umgekehrt.
Nicht nur wirtschaftlich, auch politisch ist Iran wichtiger Partner für China. Bei der Militärparade in Peking im September 2025 gehörte Irans Präsident zu den Ehrengästen und bewunderte Pekings neueste Waffensysteme. Iran kauft Waffen aus China und testet sie bei gemeinsamen Militärübungen.
Auf Pekings Drängen wurde Iran in Bündnisse wie BRICS oder Shanghaier Kooperation aufgenommen. Bündnisse, die Staats- und Parteichef Xi Jinping mit seinen "Freunden" als Alternative zu denen aufbaut, die in seinen Augen von den USA dominiert werden.
Wirtschaftlich und politisch ist der Iran wichtiger Partner Chinas. Doch die Verbindung zwischen beiden Ländern ist asymmetrisch: Iran braucht China viel dringender als umgekehrt.
04.03.2026 | 3:06 minPeking hat Russland als alternative Öl-Quelle
Doch eine gesperrte Straße von Hormus ist auch für Peking problematisch: Denn da muss auch das Öl durch, das China aus Saudi-Arabien oder dem Irak importiert. Allerdings hat China noch seinen "Freund" Russland, der bei Engpässen gerne mit noch größeren Öl-Volumen einspringt.
So lange das günstige sanktionierte Öl weiter am Hafen von Dongying ankommt, läuft das Geschäft für Chinas "teapot"-Raffinerien. Für Pekings Staatsführung haben sie eine strategische Bedeutung und das Interesse ist groß, dass dieser Handel mit Iran über dubiose Wege weitergeht.
Miriam Steimer ist Korrespondentin und als Studioleiterin des ZDF-Studios Ostasien zuständig für die Berichterstattung u.a. aus China, Japan, Korea und den Philippinen.
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