Einsturz von Morandi-Brücke: 12 Jahre Haft für Ex-Manager

Unglück in Genua im August 2018:Einsturz von Morandi-Brücke: Zwölf Jahre Haft für Ex-Chef

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2018 war die Morandi-Brücke in Genua eingestürzt. Nun fiel im Prozess ein Urteil: Der Ex-Chef der Betreiberfirma, Giovanni Castellucci, wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Italien, Genua: Die Trümmer der teilweise eingestürzten Autobahnbruecke Ponte Morandi liegen auf einer Straße. Archivbild

Fast acht Jahre nach dem Einsturz der Morandi-Brücke ist ein Urteil gefallen. (Archivbild)

Quelle: dpa

Im Prozess um den Einsturz der Morandi-Autobahnbrücke mit 43 Todesopfern im Sommer 2018 in Genua ist der Hauptangeklagte zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Ein italienisches Gericht in der Hafenstadt sprach den früheren Generaldirektor der Autobahngesellschaft Autostrade per l'Italia (Aspi), Giovanni Castellucci, schuldig. Der 66-Jährige war bei der Urteilsverkündigung nicht dabei: Er sitzt wegen eines tödlichen Busunglücks auf einer anderen Autobahn bereits im Gefängnis.

Die Staatsanwaltschaft hatte gegen Castellucci 18 Jahre und sechs Monate Haft gefordert. Sie legte ihm zur Last, bereits seit 2009 von Mängeln gewusst zu haben. Die Anklage beschrieb ihn als Alleinherrscher, der das Unternehmen wie sein "Königreich" geführt habe. Wichtiger als eine sichere Infrastruktur sei ihm der Profit gewesen. Die Verteidigung hingegen sprach von einem nicht erkennbaren Konstruktionsfehler an einem Pfeiler der Brücke. Castellucci selbst sagte: "Ich fühle mich verantwortlich, aber nicht schuldig."

Prozess um Morandi-Brücke: Weitere Beschuldigte verurteilt

Insgesamt standen mehr als 50 Beschuldigte vor Gericht, neben weiteren Beschäftigten der Autobahngesellschaft und Ingenieuren, die für die Sicherheit hätten zuständig sein sollen, auch Vertreter des Verkehrsministeriums. Die damalige Nummer Drei von Aspi muss für elf Jahre hinter Gitter. Zwei weitere Ex-Manager bekamen jeweils fünfeinhalb Jahre Haft. Die Vorwürfe lauteten unter anderem auf fahrlässige Tötung, Fälschung von Dokumenten und unterlassene Wartung.

Das Gerichtsverfahren hatte vier Jahre gedauert, es gab 283 Anhörungen. Für den Mega-Prozess war im Hof des Gerichts von Genua ein Zelt errichtet worden.

Erklärraum mit Marietta Slomka zur neuen Autobahnbrücke in Genua im hjo vom 03.08.2020

Rückblick: Die Morandi-Brücke stürzte am 14. August 2018 vermutlich wegen Wartungsmängeln ein. Ein rund 200 Meter langer Abschnitt brach aus der Konstruktion heraus. 43 Menschen starben. 2020 wurde der Neubau eingeweiht.

03.08.2020 | 0:53 min

Am 14. August 2018 hatte ein Pfeiler der Morandi-Brücke nachgegeben, sodass die Fahrbahn des vielbefahrenen, riesigen Bauwerks auf einer Strecke von etwa 200 Metern wegbrach. Dutzende Fahrzeuge stürzten in die Tiefe.

Etwa 600 Anwohner verloren ihr Zuhause. Mehrere Häuser mussten abgerissen werden, weil sie unter akut einsturzgefährdeten Brückenpfeilern lagen. Die restlichen Teile des Ponte Morandi - benannt nach dem Erbauer Riccardo Morandi - wurden schließlich kontrolliert gesprengt.

Ermittler: "Nicht einmal minimale Instandhaltungsmaßnahmen"

Nach Angaben des Ermittlungsrichters waren seit der Einweihung der Brücke 1967 "nicht einmal minimale Instandhaltungsmaßnahmen ergriffen" worden, um die Tragseile von Pfeiler Nummer neun zu verstärken.

Dass der Betonstahl der 1,2 Kilometer langen Brücke spröde war, war bekannt. An den baugleichen Pfeilern zehn und elf waren Arbeiten vorgenommen worden. Für Pfeiler Nummer neun war eine Renovierung vorgesehen. "Die Morandi-Brücke war eine Zeitbombe. Sie konnten es ticken hören, aber sie wussten nicht, wann sie explodieren würde", sagte Staatsanwalt Walter Cotugno während des Verfahrens.

Heutiger Chef von Betreibergesellschaft bittet um Entschuldigung

Der heutige Chef der Betreibergesellschaft, Arrigo Giana, hatte kurz vor Prozessende die Hinterbliebenen öffentlich um Entschuldigung gebeten. In einem Brief, der von der Tageszeitung "Corriere della Sera" veröffentlicht wurde, schrieb er: "Lasst uns das Schweigen brechen."

Wie Millionen andere habe er das Geschehen damals vor dem Fernseher verfolgt. "Ich fragte mich immer wieder, wie es möglich war, sich nicht sofort für das Geschehene zu entschuldigen. Eine weitere unverständliche Wunde." Angehörige begrüßten die Entschuldigung - auch wenn sie sehr spät komme.

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Quelle: AFP, dpa, Reuters
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 16.07.2026 ab 15:00 Uhr.
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