Prozess um Kindesentführung:Warum Christina Block vor Gericht steht
von Petra Meier, Hamburg
Steakhaus-Erbin Christina Block steht ab heute vor dem Hamburger Landgericht. Der Vorwurf: Kindesentführung. Es geht um einen langanhaltenden Sorgerechtsstreit.
Unternehmerin und Block-House-Erbin Christina Block soll zwei ihrer Kinder entführt haben - nun startet der Prozess.
Quelle: dpaDie Vorgeschichte
Steakhaus-Erbin Christina Block und Stephan Hensel waren seit 2008 verheiratet, sie haben vier gemeinsame Kinder. 2014 trennten sie sich, 2018 wurden sie geschieden. Zwei der Geschwister, inzwischen elf und 14 Jahre alt, sind nach einem Wochenendbesuch bei ihrem Vater in Dänemark nicht zu der in Hamburg lebenden Mutter, Christina Block, zurückgebracht worden.
Sie leben seitdem in Dänemark beim Vater, ihrer bereits volljährigen Schwester und der neuen dänischen Ehefrau, bei der Hensel mittlerweile lebt. Versuche Blocks, ihre beiden Kinder auf legalem Weg zurück nach Deutschland zu holen, scheiterten an den dänischen Behörden.
Christina Block mit ihrem damaligen Ehemann Stephan Hensel und zwei ihrer Kinder. (Archivbild)
Quelle: imago imagesWas Christina Block vorgeworfen wird
Am Silvesterabend 2023 mündete der Streit um die Kinder offenbar in eine Entführung der Kinder aus Dänemark. Die Hamburger Generalstaatsanwaltschaft erhob deswegen am 25. April 2025 Anklage gegen die Unternehmerin Christina Block wegen schwerer Kindesentziehung, schwerer Misshandlung Schutzbefohlener und gefährlicher Körperverletzung.
Ein dänisches Gericht in Sonderborg hatte Block nach Erhebung der Anklage gegen sie in Deutschland das Sorge- und das Umgangsrecht für Tochter und Sohn entzogen. Bis Ende dieses Jahres soll nun vor dem Hamburger Landgericht in 37 Verhandlungstagen geklärt werden, ob sie sich schuldig gemacht hat.
Der Beginn des Sorgerechtsstreites
Im Juli 2021 war Christina Block mit den vier Kindern auf Sylt, die älteste Tochter, damals 15, riss aus und fuhr zum Vater. Christina Block ließ sie gehen.
Wenige Wochen später waren die beiden jüngsten Geschwister übers Wochenende beim Vater und seiner dänischen Lebensgefährtin in Dänemark. Danach brachte der Vater sie nicht wie vereinbart nach Hamburg zurück - obwohl er damit gegen das Umgangsrecht verstieß. Gegenüber der Mutter, Christina Block, argumentierte er in einer E-Mail, die Kinder hätten Angst vor ihr und ihren Erziehungsmethoden.
Laut der Hamburger Staatsanwaltschaft verhielt sich Hensel widerrechtlich. Das Hamburger Familiengericht aber sprach ihm das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht für die beiden jüngsten Geschwister zu. Christina Block legte Beschwerde ein.
Die Hamburger Staatsanwaltschaft verklagt Stephan Hensel
Im Oktober 2021 hob das Hamburger Oberlandesgericht dann die Entscheidung des Familiengerichts auf und erteilte der Mutter vorläufig das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht. 2023 erhob die Staatsanwaltschaft Hamburg Anklage gegen Hensel und forderte, dass er die Kinder wieder zu Christina Block zurückbringen müsse.
Hensel weigerte sich, dänische Behörden setzten die deutschen Beschlüsse nicht um und erklärten, dass es für die Kinder besser wäre, beim Vater zu bleiben. Christina Block soll verzweifelt nach Wegen gesucht haben, ihre Kinder zurückzubekommen. Über Sicherheitsfirmen soll sie ihren Ex-Mann und dessen Familie in Dänemark ausspioniert haben.
Entführung an Silvester 2023 und mögliche Rolle Gerhard Dellings
Die beiden Kinder wurden in Dänemark bei ihrem Vater entführt, Hensel wurde niedergeschlagen. Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma sollen den Vater und seine Kinder abgepasst haben. Wie genau es zu der Entführung kam, muss das Gericht klären.
Ein Verdächtiger wurde Ende 2024 auf Zypern verhaftet und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Bereits kurz nach der Entführung war berichtet worden, dass ehemalige Mossad-Agenten an der Entführung beteiligt gewesen sein sollen. Nach weiteren Beteiligten wird noch gefahndet.
Hier kommt Christina Blocks Lebensgefährte, der Sportjournalist Gerhard Delling, wegen mutmaßlicher Beihilfe nach der Entführung ins Spiel: Ihm wird vorgeworfen, unter anderem Blocks gemeinsame Rückkehr mit den Kindern nach Hamburg koordiniert zu haben.
Die Kinder von Christina Block sind wieder in Dänemark
Am Abend des 2. Januar 2024 waren die Kinder bei Christina Block in Hamburg, am 5. Januar 2024 entschied das Oberlandesgericht Hamburg im Eilverfahren, dass die Kinder zurück zum Vater nach Dänemark müssten. Die Kinder sind daraufhin auch nach Dänemark zurückgekehrt und sind dort auch heute noch.
Im Mai 2025 sprach ein dänisches Gericht dem Vater das alleinige Sorgerecht zu. Christina Block wird in der Entscheidung nicht einmal mehr ein Umgang mit ihren Kindern zugesprochen. Christina Block zog daraufhin vor das Bundesverfassungsgericht, hatte mit ihrer Klage aber keinen Erfolg.
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