Hexenjagd nimmt zu - Opfer in 46 Ländern

Verfolgung und Stigmatisierung:Hexenjagd nimmt zu - Opfer in 46 Ländern

|

In vielen Ländern gibt es sie noch immer: die Verfolgung von Mädchen und Frauen als vermeintliche Hexen. Nach Angaben des Hilfswerks missio Aachen nimmt der Hexenwahn zu.

Gruppe von Frauen in Ghana

Ghana zählt mit zu den Ländern, in denen Frauen und Mädchen fürchten müssen, der Hexerei beschuldigt zu werden.

Quelle: AP

Verfolgung und Stigmatisierung vor allem von Frauen und Mädchen als vermeintliche Hexen haben nach Angaben des Hilfswerks missio Aachen zugenommen. Für das laufende Jahr wurden in 46 Ländern der Erde Gewalttaten gegen Menschen dokumentiert, denen Hexerei vorgeworfen wird.

Hexenwahn: Mehr Todesopfer seit 1960 als in früher Neuzeit

Dies betreffe etwa Papua-Neuguinea, Benin, Ghana, Tansania oder Niger. Das Hilfswerk äußert sich zum internationalen Tag gegen den Hexenwahn am kommenden Sonntag. Die moderne Hexenverfolgung habe inzwischen mehr Todesopfer gefordert als die im Europa der frühen Neuzeit.

Eine Hexe hält eine Glaskugel in den Händen, im Hintergrund der Vollmond, Fledermäuse.

Sie sollen zaubern, auf Besen fliegen können und mit dem Teufel im Bunde stehen, so der Aberglaube. Doch wie viel Wahrheit steckt wirklich hinter dem Hexen-Mythos?

03.11.2023 | 44:09 min

Das Hilfswerk beruft sich auf Schätzungen des Kölner Historikers Werner Tschacher. Demnach wurden seit 1960 weltweit mindestens 55.000 Menschen wegen angeblicher Hexerei getötet. Für die Zeit der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert geht Tschacher von rund 50.000 Todesopfern aus.

Ausmaße der Hexenverfolgung "bisher wenig bekannt"

Zuletzt hatten kirchliche Partner von missio Aachen ein Projekt in Niger gestartet, bei dem über 800 Betroffene betreut werden. Dass in dem westafrikanischen Land entsprechende Fälle auftraten, ist demnach eine neue Entwicklung. Insgesamt hat missio nach eigenen Angaben in den vergangenen sechs Jahren Projekte gefördert, die über 3.300 Menschen schützen konnten - mit medizinischer Versorgung, Unterkunft oder psychosozialer Hilfe.

Für viele war es buchstäblich eine Rettung in letzter Minute.

Hilfswerk missio Aachen

Das Ausmaß dieser Art von Menschenrechtsverletzung sei noch zu wenig bekannt, mahnte Historiker Tschacher - und die Tendenz steige.

Angesichts von Klimakrise, Ressourcenkämpfen, Epidemien und Hunger erwarte ich steigende Opferzahlen, da in unter Druck stehenden Gesellschaften Sündenböcke gesucht und gefunden werden.

Werner Tschacher, Historiker

Werden Frauen der Hexerei bezichtigt, haben sie und ihre Familie keine Chance, sich zu wehren. Ihnen bleibt nur die Flucht. Eifersucht und Missgunst sind meist die Gründe für die Anklage: Oft sind es die zweiten Frauen in einer polygamen Ehe, die auf diese Art eine Konkurrentin loswerden wollen.

Leben im Dorf der verstoßenen Frauen

So auch im Fall von Salamatu Nanle in Ghana: Als jemand in der Familie schwer erkrankte, wurde ihr die Schuld gegeben. "Die Männer und Frauen aus dem Dorf schlugen auf mich ein, obwohl sie wussten, dass ich schwanger war."

Sie floh vor gut zwölf Jahren, das Baby kam im einem Camp im Norden des Landes zur Welt. Das Camp Gushiegu wird "Camp der alten Frauen" genannt, ist in keiner Landkarte verzeichnet und schwer zu finden. In dem Dorf mit Lehmhütten zwischen Maisfeldern und Sojaplantagen leben rund 90 Frauen und eine Handvoll Kinder. Die Frauen sind nicht freiwillig hier: Sie alle wurden als Hexen beschuldigt und aus ihren Dörfern vertrieben.

Auf Besen reitende Hexen neben Mirko Drotschmann

Bis 1780 wurden etwa 50.000 Menschen in Europa als vermeintliche Hexen oder Hexer ermordet. Wer waren die Opfer, wer waren die Täter?

29.10.2020 | 19:31 min

Hexenkraft wirkt angeblich nur im Heimatdorf

Heute steht ihr Sohn Joshua neben Nanle. Er hat in seinem Leben nichts anderes gesehen als dieses Dorf der verstoßenen Frauen. Versuche der Regierung, Frauen zurück in ihre Dörfer zu bringen, sind größtenteils gescheitert. Mit den Bewohnern des Ortes Gushiegu gibt es kaum Probleme. Angst vor der angeblichen Hexenkraft scheint niemand zu haben, denn dieser gelte - so der Glaube - nur im Heimatdorf.

Eine Frau wird von zwei Männern festgenommen

Sie werden zu Opfern von Wahn, Sexismus und Habgier: Während Hexenverfolgungen kommen in Europa etwa 60.000 Frauen ums Leben.

01.01.2016 | 6:19 min

Schon allein, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt, helfen sich die Verstoßenen gegenseitig. Einige versuchen, den Farmern in der Umgebung bei der Ernte zu helfen, sammeln Feuerholz zum Verkauf auf dem Markt oder kehren nach Marktschluss auf den Boden gefallene Körner und Samen zusammen und reinigen sie zu Hause. Was sie selbst nicht essen, verkaufen sie in kleinen Tüten wieder auf dem Markt.

Der zwölfjährige Joshua jedenfalls hat schon Zukunftspläne, er will später zum Militär. "Ich möchte Soldat werden", sagt der Junge. "Dann kann ich die Frauen im Camp vor Angriffen beschützen."

Quelle: KNA

Mehr aktuelle Nachrichten

  1. Die Halle im Azadi-Sportkomplex in der iranischen Hauptstadt liegt in Trümmern, nachdem eine Reihe von Angriffen der USA und Israels die Anlage zerstört hat
    Liveblog

    Aktuelle Entwicklungen der Eskalation:Iran-Krieg: Alle Nachrichten im Liveblog


  2. Polizeiautos stehen am Einsatzort.

    Verfolgungsfahrt endet tödlich:Saarbrücken: 22-Jähriger stirbt nach Polizeischüssen

    mit Video0:19

  3. Rettungskräfte räumen am 21.11.2025 die Trümmer eines Wohnhauses in Ternopil weg, das bei einem russischen Angriff schwer beschädigt wurde.
    Liveblog

    Russland greift die Ukraine an:Aktuelles zum Krieg in der Ukraine


  4. SGS Essen gegen FC Bayern München

    DFB-Pokalhalbfinale der Frauen:Abstiegskandidaten träumen vom Coup gegen die Favoriten

    von Frank Hellmann
    mit Video5:50

  5. Deniz Undav (li.) und Boris Büchler sind im Interview im Ministudio.

    Nach Kritik am Bundestrainer:Deniz Undav: "Alles gut zwischen Nagelsmann und mir"

    mit Video4:14

  6. Krankenkassenkarte und Geld

    Vorschläge der Gesundheits-Kommission:AOK-Chefin Reimann: Krankenkassenbeiträge könnten sinken

    mit Video2:31

  7. Eine A-10 Thunderbolt, auch bekannt als Warthog, fährt nach dem Tanken über Idaho am 25. November 2020 ab.

  8. Links: Mario Götze, rechts: Trainer Albert Riera bei der Auswechslung während des Bundesligaspiels zwischen Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach.

    Eintracht Frankfurts neuer Trainer:Warum Albert Riera schon jetzt unter Beobachtung steht

    von Frank Hellmann
    mit Video10:10

  9. Ein Kassenbon mit unterschiedlichen Mehrwertsteuerangaben liegt unter Münzen.
    Interview

    Überlegungen der Bundesregierung:Welche Folgen hätte eine höhere Mehrwertsteuer?

    mit Video2:22

  10. Andreas Volkert und Florian Glück, Geschäftsführer der BSW (Badische Stahlwerke GmbH) führen Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) durch das Stahlwerk in Kehl.

    Wirtschaftsstandort Deutschland:Industrie fordert "Reformpaket vor dem Sommer"

    mit Video1:38

  11. Vincenzo Grifo im Sportstudio.

    Freiburg-Star im sportstudio:Vincenzo Grifo: Mal Kabinenclown, mal großer Bruder

    von Andreas Morbach
    mit Video25:09

  12. Wolfgang Kubicki (FDP) steht vor der Pressekonferenz in der Bundeszentrale der FDP dem Hans Dietrich Genscher Haus nach den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz.

    Kandidatur um Parteivorsitz:Kubicki will die FDP aus der Krise führen

    mit Video1:49

  13. Polizisten laufen.

    Pyro, Jagdszenen, Polizeieinsatz:2. Liga: Heftige Ausschreitung bei Dresden gegen Hertha

    mit Video86:32