Ausbildungsdefizit:Afrohaare: Friseuren fehlt die Expertise
von Sarah Danquah
In der deutschen Friseurausbildung wird der Umgang mit Afrohaaren nicht vermittelt. Dabei besteht mittlerweile Bedarf. Die Friseurausbildung soll jetzt modernisiert werden.
Der deutschen Friseurausbildung fehlt die Expertise beim Umgang mit Afrohaaren. Das soll sich ändern.
28.04.2025 | 6:26 minErst zwickt es, dann zieht es - und plötzlich bricht der Kamm entzwei. Mit Afrohaaren sind traditionelle Friseursalons häufig überfordert. Denn vielen Friseuren wird in ihrer traditionellen Ausbildung nicht beigebracht, die Afro-Lockenpracht zu frisieren.
Das hat auch Victoria so erlebt. Sie trägt Afrohaare und meidet traditionelle Friseursalons. Ihrer Erfahrung nach wissen die nicht, wie sie mit ihrem Haar umgehen müssen. Sie lässt sich stattdessen regelmäßig in einem Afro-Barbershop frisieren.
Ich war noch nie bei einem traditionellen Friseur in Deutschland, weil die mit meiner Haarstruktur nicht zurechtkommen. Man geht da rein und kriegt direkt schon Angstblicke.
Victoria, Kundin eines Afro-Barbershops
In einem Afro-Barbershop kennt man sich mit der Pflege von Afrohaaren aus. Dabei gibt es einiges zu beachten, denn sie unterscheiden sich von denen anderer Menschen.
Afrohaar braucht viel Feuchtigkeit. Bei Afrohaar wird weniger Fett, also Sebum, von der Kopfhaut her produziert. Afrohaare haben einen geringeren Wasseranteil. Dementsprechend müssen wir die Haare seltener waschen. Wir müssen viele Produkte anwenden, die wir in das Haar auftragen, die tatsächlich im Haar drinbleiben.
Abina Ntim, Afrohaarexpertin
Für Vielfalt in der Friseurausbildung
Afrohaare spielten in der traditionellen Friseurausbildung hierzulande bislang keine Rolle. Mittlerweile leben jedoch mehr als eine Million potenzielle Afrohaarträger in Deutschland.
Auch Abina Ntim hat Afrohaare und will der Friseurausbildung hierzulande neue Impulse geben. Die 36-jährige Unternehmerin und Kulturanthropologin möchte mit Schulungen mehr Verständnis und Sensibilität für die Afro-Haarstruktur schaffen.
Wir haben Menschen mit Afrohaaren in Deutschland und die haben genauso das Bedürfnis, ihre Haare pflegen und schneiden zu lassen, wie alle anderen Menschen auch. Aktuell gibt es leider wenig bis kaum Möglichkeiten, diese Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen und deshalb ist es wichtig, dass auch Friseure das abbilden.
Abina Ntim, Afrohaarexpertin
Schulungen zum Umgang mit Afrohaaren
Am Landesfachtag Körperpflege in Schleswig-Holstein konnte sie im November 2024 erstmals eine Fortbildung für Berufsschullehrende geben. Nur wenige Monate später wird nun an dem Berufsbildungszentrum Norderstedt Afrohaarkunde in kleinen Lehreinheiten unterrichtet. Es brauche mehr Vielfalt in der Friseurausbildung, findet auch Franziska Pöhling, Lehrkraft an der Berufsschule.
Es geht ja darum, viele Kundinnen und Kunden in Friseursalons bedienen zu können und ihnen alles anbieten zu können, was sie möchten. Und nicht darum, sie nicht bedienen zu können, weil man vielleicht die Fähigkeiten dazu noch nicht hat.
Franziska Pöhling, Berufsschullehrerin
Die neue Lehreinheit trifft auf offene Ohren. Die Berufsschülerinnen und -schüler wenden die Theorie direkt praktisch an den neu gekauften Trainingsköpfen an: Feuchtigkeitsspendende Produkte wie "Leave-in-Conditioner", Haaröle und Cremes werden behutsam aufgetragen und sind die Grundlagen bei der Hair Care Routine, erklärt Abina Ntim.
Der Niederländer Patrick van Hoof ist alleinziehender Vater mit zwei kleinen Töchtern. Das Frisieren musste er erst mühsam lernen und inzwischen kann er nicht nur klassisches Flechten, sondern auch Fischgräte und Steckfrisuren. Seit ein paar Monaten gibt er Kurse, damit auch andere Väter diese Kunst erlernen.
21.11.2016 | 2:06 minMehr Friseure sollen den Umgang mit Afrohaaren lernen können
Solange die Expertise in traditionellen Friseursalons fehlt, helfen sich schwarze Menschen oft untereinander aus - flechten und stylen die Haare ihrer Freunde. Oder gehen zu einem Afro-Barbershop, so macht es auch Victoria A. aus Hannover.
Sie empfände es als Gewinn, wenn angehende Friseure in Schleswig-Holstein künftig den Umgang mit Afrohaaren lernen könnten.
In kleineren Dörfern ist das schon ein sehr cooles Angebot für diejenigen, die dann nicht so weit fahren müssen und wissen, ich kann in den Friseursalon um die Ecke gehen und mir da die Haare machen lassen.
Victoria, Kundin eines Afro-Barbershops
Es wird wohl noch dauern, bis in Deutschland flächendeckend Pflege von Afrohaaren Teil der Ausbildung sein wird. Noch gibt es nur vereinzelte Weiterbildungsmöglichkeiten für Friseure, um den richtigen Umgang mit der Lockenpracht zu lernen - damit es schon beim Kämmen nicht mehr zwicken und ziehen muss.
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