An Zugspitze geht "Ära zu Ende":Letzter Skilift abgebaut: Lassen sich Gletscher noch retten?
von Elisa Miebach
Auf der Zugspitze wird der letzte Gletscher-Skilift abgebaut. Schmelzende Gletscher zeigen die Folgen der Erderwärmung.
Auf der Zugspitze wird der Schneefernerkopf-Lift zurückgebaut. Das wegen immer höherer Temperaturen schmelzende Gletschereis macht den Betrieb unmöglich. Weltweit gehen die Gletscher zurück.
21.03.2026 | 4:14 minEr wäre fast 50 Jahre alt geworden, der Schneefernerkopf-Lift auf der Zugspitze. Doch er konnte schon in den vergangenen zwei Jahren keinen Skifahrer mehr nach oben befördern. Zu instabil standen die Trägersäulen auf dem schmelzenden Gletscher.
Eine Sprengung an den Halteseilen besiegelte das Schicksal am Freitag. Unter dem Gletscher geht der Skibetrieb an vier Skiliften weiter.
Die globale Erwärmung lässt Gletscher weltweit schrumpfen. Özden Terli zeigt, welche gewaltigen Mengen an Schmelzwasser innerhalb eines Jahres abfließen.
22.12.2025 | 0:42 minDoch der Schneefernerkopf-Lift wird vollständig zurückgebaut. Es sei der letzte von dreien, die auf dem ehemals so viel größeren Gletscher standen, sagt die Sprecherin der Zugspitzbahn Laura Schaper:
Damit ist der letzte Gletscherlift auf der Zugspitze abgebaut und für uns geht auch damit eine Ära zu Ende. Damit wird es jetzt keinen Skibetrieb mehr auf dem Gletscher geben.
Laura Schaper, Zugspitzbahn
Der Lift stand auf dem sogenannten nördlichen Schneeferner auf der Zugspitze. Im Bereich der Lifttrasse hat der Gletscher wegen steigender Temperaturen seit 2023 fast acht Meter an Eis verloren, so Messungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Von der Originalgröße sind noch rund zehn Prozent übrig.
Südlicher Schneeferner verliert 2022 Gletscherstatus
In Deutschland gibt es aktuell noch vier Gletscher von ehemals fünf. Der südliche Schneeferner auf der Zugspitze verlor 2022 seinen Status als Gletscher. Noch befinden sich zwei Gletscher am Zugspitzmassiv und zwei in den Berchtesgadener Alpen.
Der Klimawandel hat Folgen für Permafrost und Gletscher. Fels und Gestein kommen in Bewegung. Ein Grafikvideo in 3D
23.05.2025 | 0:39 minDie Gletscherschmelze wirkt sich nicht nur auf den Skibetrieb aus. Das Eis stabilisiert die Hänge. Wenn es schmilzt, gibt es laut Forschern ein deutlich höheres Steinschlag- und Gerölllawinen-Risiko - alpenweit und weltweit.
Flutwellen und Trinkwasserknappheit
Gerade im Himalaya nehmen auch die Gletscherseen zu. "Wenn die Gletscher zurückgehen, dann bleiben innerhalb der Moränen oft Seen übrig", sagt Christoph Mayer. Moränen entstehen als Ablagerungen von Gletschern, wenn diese auf ihrem Weg Gesteinsschutt mitführen und beim Abschmelzen oder Rückzug ablagern.
Die Gefahr durch Bergstürze nimmt zu. Denn der Permafrost, der die Berge zusammenhält, schmilzt durch den Treibhauseffekt. Die Sorge vor lebensbedrohlichen Murenabgängen wächst.
29.10.2023 | 28:44 min"Da diese Moränen aber nicht stabil sind, besteht immer die Gefahr, dass diese Moränen zusammenbrechen können", erklärt Mayer. Dann entstehen aus den Gletscherseen Flutwellen, die tieferliegende Tälerdörfer überfluten können.
Aber auch weit über die Berge hinaus hat die Gletscherschmelze Folgen. Zum einen für den Meeresspiegelanstieg, aber auch für die Trinkwasserversorgung, besonders in trockenen Gebieten. Christoph Mayer und sein Team untersuchen regelmäßig Gletscher in Tadschikistan. Gerade Zentralasien ist besonders vom Trinkwasser aus den Gletschern abhängig.
Am 19. Juli 1900 war es so weit: Die Wetterwarte auf der Zugspitze wurde eröffnet. Seitdem erfasst sie meteorologische Daten - und liefert eindeutige Belege für den Klimawandel.
19.07.2025 | 1:30 minBesteht noch Hoffnung für die Gletscher?
"In den nächsten zehn Jahren werden die Gletscher in Deutschland voraussichtlich verschwunden sein", sagt Gletscherforscher Christoph Mayer von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Weltweit beobachten er und sein Team einen massiven Gletscherrückgang, vor allem in den vergangenen besonders warmen Jahren.
Doch es sei nicht so, dass alles verloren ist. "Wir können also sicherlich noch 30 bis 40 Prozent der Eismassen in den Alpen erhalten, wenn wir starke Klimaschutzmaßnahmen ergreifen", sagt Glaziologe Mayer.
2025 fand der Tag der Gletscher am 21. März zum ersten Mal statt. Die Vereinten Nationen wollen damit mehr Aufmerksamkeit für das rasante Schmelzen der Gletscher und die Auswirkungen wecken.
Elisa Miebach ist Redakteurin der ZDF-Umweltredaktion.
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