Keine fossilen Kraftstoffe mehr:Neue Regeln für Rennautos: Wie nachhaltig ist die Formel 1?
von Mark Hugo
Mehr E-Motor und sonst nur nachhaltiger Kraftstoff. Die Formel 1 soll mit dieser Saison klimafreundlich werden. Ein großer Schritt. Aber wie grün ist der Rennzirkus damit wirklich?
In der Formel 1 gibt es neue Regeln für die Antriebe der Rennautos: Nur nachhaltig hergestellte Kraftstoffe sind erlaubt. Außerdem ist der Strom-Anteil im Hybrid-Motor deutlich höher.
07.03.2026 | 0:47 minNeue Regeln für eine neue Formel-1-Saison. Das hat es zwar schon oft gegeben. Diesmal allerdings müssen die Rennautos erstmals ohne fossile Kraftstoffe auskommen.
Das heißt einmal, dass die Hybrid-Antriebe zu fast 50 Prozent aus Strom gespeist werden müssen. Und dann, dass die darüber hinaus verwendeten Kraftstoffe nur noch aus nachhaltigen Quellen hergestellt werden dürfen. Ein großer Wurf für Umwelt und Klima? Oder doch Augenwischerei?
Die neue Formel-1-Saison bringt umfangreiche Regeländerungen mit sich. So gehen die Teams damit um.
05.03.2026 | 1:16 minMehr Strom, weniger Sprit in der Formel 1
Sicher ist: So "grün" waren die Rennautos in der Formel 1 noch nie unterwegs. Zuletzt hatten sie E10-Kraftstoffe im Tank. Das heißt, dass im Mix zehn Prozent Bio-Sprit enthalten war. Der Rest war Kraftstoff auf Erdöl-Basis. Und nur etwa 20 Prozent der Power kam aus dem Hybrid-System.
Dass es jetzt deutlich mehr Strom sein muss, spart Sprit. 2025 verbrauchte ein Auto pro Rennen maximal etwa 140 Liter. Es wird erwartet, dass es jetzt rund 15 bis 20 Prozent weniger sein werden.
Und dieser Sprit muss nun eben komplett nachhaltig sein. Das heißt: Er muss synthetisch hergestellt werden, seine chemische Struktur wird quasi künstlich gebaut.
Infrage kommen für die neuen Formel-1-Kraftstoffe so genannte E-Fuels, bei deren Herstellung zunächst Wasser mit Strom in Sauerstoff und Wasserstoff aufgespalten wird. Der Wasserstoff wird im zweiten Schritt zusammen mit Kohlendioxid (CO2) in flüssigen Kraftstoff umgewandelt.
Nach dem Reglement muss das CO2 dazu aus der Luft gefiltert werden. Denn bei der Verbrennung wird es wieder freigesetzt. Das ist teuer, aber nur so bleibt die Bilanz ausgeglichen.
Erlaubt sind daneben Kraftstoffe, die auf Basis von Biomasse designt werden. Das dürfen pflanzliche Abfälle sein, etwa aus der Landwirtschaft. Oder Biomasse, die nicht als Nahrung geeignet ist. Bei dieser Variante wird das CO2 zuvor von den Pflanzen aus der Luft aufgenommen.
Details der Kraftstoffe bleiben streng geheim
Wie genau die Hersteller der neuen Formel-1-Kraftstoffe das machen, halten sie weitestgehend geheim, weil "wir unseren Wettbewerbern keine Hinweise darauf geben wollen, was unser neuer Treibstoff sein könnte", teilt etwa Shell auf ZDFheute-Anfrage mit.
Rennkraftstoffe können in der Formel 1 einen großen Unterschied in der Leistung ausmachen.
Mitteilung von Shell
Shell erklärt, unter anderem "biogene Rohstoffe, die nicht mit der Nahrungskette in Konflikt stehen", zu verwenden und darüber hinaus mit Ökostrom und grünem Wasserstoff den CO2-Fußabdruck zu reduzieren. In welchem Umfang, bleibt offen.
Shell versorgt Ferrari mit Kraftstoff. Natürlich lassen sich auch die anderen Hersteller, darunter Ölkonzerne wie Petronas, ExxonMobil oder Aramco, nicht in die Karten schauen.
Bei einem Pilotprojekt in Bremerhaven sollen umweltfreundliche E-Fuels genau dort produziert werden, wo häufig sogar zu viel Strom produziert wird: Bei Windkraftanlagen im Meer.
08.07.2025 | 1:34 minKlimabilanz von vielen Faktoren abhängig
Wie gut die Klimabilanz der neuen Kraftstoffe ist, hängt tatsächlich von vielen Faktoren ab, bei E-Fuels zum Beispiel vom verwendeten Strom. In Deutschland kommen immer noch rund 50 Prozent aus fossilen Quellen. "Wenn der verwendete Strom nur etwa 20 Prozent fossile Anteile beinhaltet, so leisten E-Fuels keinen Klimaschutzbeitrag mehr", sagt Falko Ueckerdt vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK).
Und bei biologischen Quellen komme es sehr auf die Herkunft an. "Reststoffe sind tendenziell besser, während der gezielte Anbau von Energiepflanzen problematische Landnutzungsänderung verursachen kann, die die Emissionen deutlich erhöhen", erläutert Ueckerdt.
Die EU-Kommission will auch nach 2035 neue Verbrennerfahrzeuge erlauben. Statt eines Komplettverbots soll der CO2-Ausstoß nun nur noch um 90 Prozent sinken.
16.12.2025 | 2:45 minExperte: E-Fuels für den Pkw-Bereich ungeeignet
Ob nun rund um die Formel 1 die Öko-Kraftstoffe der Zukunft entstehen, ist zweifelhaft. Zumindest nicht für den Pkw-Bereich. Für den sei die Nutzung von E-Fuels "extrem unwahrscheinlich", sagt der PIK-Experte. Sie würden viermal so viel kosten wie Benzin, die Mengen wären gering, die E-Mobilität dagegen günstiger und effizienter.
Das Argument, E-Fuels in Pkw einzusetzen, weckt falsche Erwartungen, verzögert den Hochlauf der Elektromobilität und schwächt die Erreichung von Klimaschutzzielen.
Falko Ueckerdt, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)
E-Fuels würden künftig dagegen für den globalen Luft- und Schiffsverkehr gebraucht werden, für den E-Antriebe auf absehbare Zeit nicht in Frage kommen.
Logistik im Rennzirkus gewaltig
Zur Wahrheit gehört außerdem, dass der Formel-1-Rennzirkus aus weit mehr als nur den Autos besteht: Ein großer Teil der Treibhausgase entsteht bei der Logistik, also vor allem dem Transport der Teams mit Equipment rund um die Welt. Und natürlich durch die an- und abreisenden Fans und Medienvertreter.
Immerhin: Die Formel 1 will beim Treibhausgasausstoß "Netto Null" bis 2030 erreichen. Heißt: Es werden nur noch so viele Treibhausgase ausgestoßen, wie kompensiert werden können. Das beinhaltet dann auch das Drumherum: die Rennställe, Sendezentrum bis hin zum Verbot von Einweg-Plastik. Bis dahin ist noch viel zu tun.
Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.
Zandvoort in Vorreiterrolle:So will die Formel 1 klimaneutral werden
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