CO2-Speicherung: Große Hürden für CCS-Technik in Deutschland

Der lange Weg zu CCS in Deutschland:CO2-Speicherung unter der Erde: Welche Hürden es gibt

Mark Hugo

von Mark Hugo

|

Treibhausgase einfangen und einfach unter die Erde pumpen: Nach dem Gesetz ist CCS in Deutschland nun erlaubt. Bis es wirklich losgehen kann, muss aber noch viel passieren.

Zwei große CO2-Lagertanks aus Metall stehen an einem Hafen.

Rechtlich ist Carbon Capture and Storage (CCS) in Deutschland nun erlaubt. Aber es gibt noch Hürden.

14.02.2026 | 1:16 min

Von einem "Meilenstein" war Ende Januar die Rede. Grund des Jubels: Der Bundestag machte den Weg frei für CO2-Exporte und auch für die Speicherung unter Nord- und Ostsee. Das so genannte CCS-Gesetz, das die Technik in Deutschland überhaupt erstmals erlaubt, wurde schon im Herbst beschlossen. Es kann also losgehen - eigentlich. Experten glauben, dass es trotzdem noch dauern wird. Denn noch ist viel zu klären und zu bauen. Noch gibt es bei uns weder die CCS-Anlagen noch die Infrastruktur.

Was ist CCS?



Ausstoß von Treibhausgasen "keine Peanuts"

Mit 60 bis 70 Millionen Tonnen CO2 im Jahr aus so genannten "technisch nicht vermeidbaren Emissionen" rechnet Manfred Fischedick vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Dazu zählen der Ausstoß bei der Herstellung von Zement und Kalk, aber auch aus Abfallverbrennungsanlagen oder der Landwirtschaft.

USA: Petra Nova CCS-Anlage im NRG-Kraftwerk in Richmond

Für einige Industriezweige könnte die Änderung des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes überlebenswichtig sein.

02.09.2025 | 9:12 min

"Also, es sind keine Peanuts", so Fischedick. Ohne den Aufbau von Infrastruktur werde es nicht gehen. Und die falle nicht vom Himmel. Da ist einmal die Frage des Transports:

Das Pipelinenetz muss sicher einige Tausend Kilometer umfassen.

Prof. Manfred Fischedick, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

Es müsse die Hauptquellen von CO2 mit den potentiellen Speichern im In- und Ausland verbinden, so Fischedick. Zusätzlich müsse es Transportmöglichkeiten per Schiff, Bahn oder Lkw geben.

"planet e.: Hightech für das Klima - Retten schlaue Ideen den Planeten?": Spezielle Iglus befördern Co2 in die vulkanische Erde.

Ein Staubsauger für Treibhausgase, CO2-fressende Algen, ein Sonnenschild aus Partikeln. Kann moderne Technik den Klimawandel bremsen? Oder bringt sie neue Risiken und Nebenwirkungen?

23.04.2023 | 28:40 min

Einfach ist das nicht, denn CO2 wird entweder unter hohem Druck oder in verflüssigter Form transportiert. In beiden Fällen muss sichergestellt sein, dass es keine Lecks gibt, aus denen es entweichen kann. Und der Energie-Aufwand ist hoch.

Noch keine genauen Daten zu Speichervolumen

Ebenso wichtig: Es müssen sichere Lagerstätten gefunden werden. Genaue Zahlen über das Speichervolumen in Deutschland an Land, vor allem aber im Boden unter dem Meer gibt es noch nicht.

Laut einem 2025 vorgelegten Bericht des Forschungsverbundes Geostor ist die CO2-Speicherung vor allem in Sandsteinschichten rund 1,5 bis zwei Kilometer tief unter dem deutschen Teil der Nordsee "prinzipiell möglich" - auch in "signifikantem" Umfang. Noch müsse aber die Gefahr von Lecks und kleineren Erdbeben weiter untersucht werden. Und: Wegen begrenzter Kapazitäten und der Umweltrisiken solle dort nur das CO2 deponiert werden, dessen "Entstehung sich trotz konsequenter Klimapolitik nicht vermeiden lässt".


"Bevor CO2 in der deutschen Nordsee gespeichert werden kann, müssen zunächst umfangreiche Erkundungsarbeiten an den jeweiligen Standorten durchgeführt werden", sagt Klaus Wallmann vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Dazu gebe es rechtliche Fragen. Im Moment sei noch nicht mal klar, welche Behörde für die Erteilung von Erkundungserlaubnissen zuständig sein wird. Und es gibt noch ein Problem:

Leider sind alle Gebiete, in den CO2 gespeichert werden kann, bereits für andere Nutzungen vorgesehen, vor allem für Offshore-Wind und für das Militär.

Prof. Klaus Wallmann, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung

Eine Mehrfachnutzung sei notwendig und auch möglich, so Wallmann. Die müsse aber politisch geklärt werden und erfordere "Kompromissbereitschaft von allen Beteiligten".

-

Eine Mülldeponie für CO2 unter der Nordsee bietet das CCS-Pilotprojekt. Dabei wird das verflüssigte CO2 durch Tanks und 100 Kilometer Pipeline 2600 m tief in den Grund gepumpt.

23.10.2024 | 2:04 min

CO2-Speicher auch im Ausland gesucht

So oder so: "Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden die nationalen Speicher nicht ausreichen, sondern auch eine Einspeicherung von deutschem CO2 im Ausland notwendig werden", glaubt Fischedick. Dabei wird es wohl auf Dänemark oder Norwegen hinauslaufen, wo erste Standorte bereits zur Verfügung stehen. Wieviel Platz Deutschland dort bekommen kann, ist aber noch völlig offen.

Die Grafik zeigt das CCS-Verfahren: Flüssiges CO2 wird durch Pipelines in untere Gesteinsschichten geführt. Barriere-Gestein verhindert das Austreten.

Unterm Strich rechnet Fischedick mit mindestens acht bis zwölf Jahren, bevor der CCS-Betrieb in Deutschland starten kann. Auch GEOMAR-Forscher Wallmann glaubt, dass frühestens 2035 mit der Speicherung in der deutschen Nordsee begonnen werden kann.

Zementfabrik

In London beraten Experten über die CCS Technologie. Diese soll es ermöglichen CO2 aus der Luft zu saugen und im Boden zu speichern. Doch Umweltverbände warnen vor Risiken.

02.09.2025 | 1:42 min

Vorschlag: CCS auf wenige Bereiche begrenzen

Bleibt die Frage: Rechnet sich CCS überhaupt? Nach Berechnungen von Agora Industrie liegen die Kosten zwischen 150 und 300 Euro pro Tonne. Für Betriebe ist das nur wirtschaftlich, wenn es teurer ist, CO2 auszustoßen als es einzufangen.

Der CO2-Preis im europäischen Emissionshandel liegt aktuell mit rund 85 Euro darunter, müsste also steigen. Allerdings: "Es ist unklar, ob die Politik bereit ist, diesen Kostenanstieg auf europäischer und nationaler Ebene durchzusetzen", so Wallmann.

Klar ist: Auf dem Weg zur Klimaneutralität 2045 ist es immer günstiger, Treibhausgase zu vermeiden, wenn es denn geht. CCS dagegen ist aufwändig, teuer, das Potenzial für Speicher nicht unendlich. Deshalb: "Der Einsatz von CCS sollte auf die sehr schweren oder nicht vermeidbaren Emissionen begrenzt werden", empfiehlt Klimaforscher Fischedick.

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.

CO2-Emissionen
:Deutschland droht sein Klimaziel 2030 zu verfehlen

Weniger CO2-Ausstoß bis 2030? Deutschlands Klimaziel könnte wackeln, heißt es aus dem Umweltministerium. Grund dafür ist unter anderem, dass der Verkehrssektor die Ziele verfehlt.
von Dominik Rzepka
mit Video0:37
Symbolbild: Rauch aus der Werksleitung eines Heizkraftwerks in einer Stadt im Winter
Exklusiv
Über das Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Der lange Weg zu CCS" am 14.02.2026 um 06:21 Uhr.

Mehr zu Kohlenstoffdioxid

  1. Regen fällt auf das Königsmoor im Kreis Rendsburg-Eckernförde.

    Comeback der Moore?:Natürlicher Klimaschützer für Jahrtausende

    Claas Thomsen, Kiel
    mit Video3:49

  2. Symbolbild: Rauch aus der Werksleitung eines Heizkraftwerks in einer Stadt im Winter
    Analyse

    Hälfte der CO₂-Emissionen von 32 Firmen:Wie Unternehmen den Klimawandel ankurbeln

    von Sarah Danquah und Christian Harz
    mit Video0:27

  3. Symbolbild: Dampf steigt von den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerkes Neurath am frühen Morgen in den Himmel.

    Emissionshandel in Deutschland:Rekord bei Einnahmen von CO2-Zertifikaten

    mit Video0:37

  4. Fünf Icons mit Fabrikschlot, Blitz, Thermometer vor Deutschland und Weltkarte, und einem Haus über Wellen. Im Hintergrund ein Braunkohlekraftwerk.
    Grafiken

    ZDFheute-KlimaRadar:Daten zum Klimawandel im Überblick

    von Moritz Zajonz