Europas größter Reinraum für Halbleiter:Milliarden-Invest: Infineon eröffnet Chipfabrik in Dresden
von Steffi Moritz-Möller
Leistungshalbleiter aus Dresden sind für Infineon wichtig. Man will damit im Bereich Powering AI weiter wachsen und KI-Rechenzentren bedienen. Es gibt jedoch kritische Stimmen.
Der Chiphersteller Infineon hat in Dresden ein neues Werk für Halbleiter eröffnet. 1.000 Jobs sollen hier entstehen.
02.07.2026 | 1:13 minInfineon hat seine neue Smart Power Fab in Dresden auf eigenes Risiko gebaut. Der Halbleiterhersteller wollte die langen bürokratischen Prozesse eines Förderantrags nicht abwarten, denn Halbleiter werden dringend gebraucht, und die Produktion von Chips in der bisherigen Fabrik ist schon lange an ihre Grenzen gekommen.
Bei fünf Milliarden Euro Baukosten ging man aber fest davon aus, dass 20 Prozent staatlich gefördert werden, wie es dann auch passierte. "Es gibt einen globalen Förderwettlauf, dem man sich nicht entziehen kann", so Infineon-Chef Jochen Hanebeck.
Viele Regierungen haben mittlerweile verstanden, wie wichtig die Halbleiterindustrie ist. Wir dürfen nicht zu weit zurückfallen.
Jochen Hanebeck, Infineon-Chef
Im ZDFheute-Interview erklärte Infineon-Vorstandschef Hanebeck im November 2025, vor welchen Herausforderungen sein Unternehmen steht - und warum Deutschlands Chiphersteller Engpässe nicht einfach abfangen kann.
12.11.2025 | 1:50 minEuropas Wirtschaft braucht eine eigene Chip-Produktion
Es ist in Dresden nicht die größte Baustelle, die steht nebenan beim taiwanesischen Chip-Hersteller TSMC, der sein Werk nächstes Jahr eröffnen will. Aber auch da ist Infineon mit zehn Prozent beteiligt. An diesem Donnerstag ist bei Infineon der bisher größte Reinraum Europas eingeweiht worden: 20.000 Quadratmeter groß mit bis zu 1.000 Maschinen und Anlagen für eine fast komplette Automatisierung der Produktion von 300-Millimeter-Wafern, dem aktuellen Industriestandard in der Halbleiterfertigung.
1.000 neue Arbeitsplätze entstehen, die überwiegend mit Facharbeitern aus der Region besetzt werden. 370 Lehrlinge sind gerade in Ausbildung. Halbleiter von Infineon sind in Elektroautos, Solaranlagen, Windturbinen und KI-Rechenzentren zu finden.
Das niederländische Unternehmen ASML stellt sehr erfolgreich Fertigungsanlagen zur Produktion von Halbleiterchips her. Wie läuft die Produktion - und wie sehen echte Innovationen aus Europa aus?
07.11.2025 | 2:03 minDie Smart Fab soll dazu beitragen, bei Schlüsseltechnologien unabhängiger von Asien und den USA zu werden und mit einer eigenen Chip-Produktion in Europa aufgestellt zu sein.
Ökonom: Subventionen nur Mittel zweiter Wahl
Kritik kommt von Wirtschaftswissenschaftlern. Joachim Ragnitz vom Ifo-Institut Dresden hält Subventionen immer nur für ein Mittel zweiter Wahl.
"Subventionen sind irgendwann abgeschrieben, wie geht's aber danach weiter? Wir müssen Unternehmen langfristig hier halten und Bindungsfaktoren schaffen. Dazu gehört Forschung, denn die kann man nicht so ohne Weiteres verlagern."
Boom von Leistungshalbleitern für KI-Rechenzentren
Dem widerspricht der Infineon-Chef, für den diese Fabrik genau zum richtigen Zeitpunkt kommt. In ganz Europa wird ein Datenzentrum nach dem anderen gebaut. Diese KI-Rechenzentren brauchen Leistungshalbleiter. Ein Geschäft, das bei Infineon von 250 Millionen Euro vor zwei Jahren auf 1,5 Milliarden Euro in diesem Jahr wächst. 2027 sollen es 2,5 Milliarden Euro sein - das Dresdner Werk ist da schon mit eingeplant.
Laut einer Studie der Beratungsfirma PwC habe Europa in diesem Bereich einen Vorsprung, der sich auszubauen lohne.
In den USA werden "viermal so viele Rechenzentren installiert pro Jahr, wie es in Deutschland insgesamt gibt", so ZDF-Wirtschaftsexperte Neuhann. "Wir müssen da irgendwie mithalten."
11.11.2025 | 2:23 minDie EU hat sich mit dem sogenannten Chips Act das Ziel gesetzt: 20 Prozent Marktanteil für die europäische Chip-Herstellung. Joachim Ragnitz findet das sehr ambitioniert: "Derzeit liegen wir bei zehn Prozent." Und überall auf der Welt würden gerade Produktionsstätten für Halbleiter gebaut.
Wenn wir den Marktanteil in Europa verdoppeln wollen, müsste man die Produktion vervierfachen. Das ist nicht zu schaffen.
Joachim Ragnitz, Ifo-Institut Dresden
Magnet Silicon Saxony
Subventionen seien es auch nicht allein, die für Chipkonzerne wichtig sind, so Ragnitz. "Wenn ein Halbleiterhersteller in Europa investieren will, dann führt an Dresden kein Weg vorbei. Wir haben hier schon viele Werke, dazu zahlreiche Forschungseinrichtungen und damit auch die dringend benötigten Fachkräfte."
Eine Chipfabrik ziehe die nächste an. So ist Silicon Saxony mit zahlreichen Produktions- und Forschungsstätten entstanden und zählt damit zu den weltweit führenden Hightech-Standorten.
Durch die Infineon-Chipfabrik in Dresden sollen 7.000 neue Jobs entstehen - als Teil eines sogenannten Microelectronic-Clusters.
04.08.2025 | 2:29 minMehr über KI-Gigafabriken in Europa
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