Einführung des Euro:Euro-Starterkit: Kleiner Beutel, großer Umbruch
von Frank Bethmann
Vor 25 Jahren begann die Euro-Ära mit einem unscheinbaren Plastikbeutel. Heute ist das Starterkit ein Sammlerstück - und ein Symbol für eine Zeit, in der Bargeld noch König war.
Vor 25 Jahren wurden in Deutschland Millionen Euro-Starterkits ausgegeben. Frank Bethmann erinnert und berichtet über das ambivalente Verhältnis zwischen Deutschen und Bargeld.
17.01.2026 | 1:30 min17. Dezember 2001: In deutschen Bankfilialen bilden sich Schlangen. Nicht für Kredite, nicht für Aktien - sondern für kleine, versiegelte Tütchen. Inhalt: Münzen im Wert von 10,23 Euro. Preis: 20 D-Mark. Das Starterkit war geboren.
Das allererste Euro-Bargeld gab es bereits vor dem großen Wechsel am 1. Januar 2002. Die bange Frage damals: "Werden sie reichen?" Die Antwort gab der Tag selbst: In vielen Orten sind die Tütchen bereits nach wenigen Stunden ausverkauft. Ein damaliger Bankmitarbeiter einer Kreissparkasse in Schleswig-Holstein erinnert sich: "Die Menschen wollten den Euro anfassen, bevor er offiziell kam."
Bulgarien verabschiedet sich vom Lew: Seit Neujahr ist der Euro im Balkanstaat die offizielle Währung. Doch rund die Hälfte der bulgarischen Bevölkerung sieht den Wechsel skeptisch.
01.01.2026 | 1:36 minWarum die Starterkits für den Euro?
Das Starterkit sollte den Bürgerinnen und Bürgern den Übergang zur neuen Währung erleichtern und für mehr Akzeptanz werben. Denn die Einführung der Gemeinschaftswährung war mehr als ein technischer Akt - sie war ein psychologischer Kraftakt. Millionen Menschen mussten ihre gewohnte Währung aufgeben. Für die Deutschen war das besonders emotional, denn es hieß Abschied zu nehmen von einer Währung, die für den Aufstieg des Landes stand.
Das Starterkit sollte also auch Vertrauen schaffen: echtes Geld zum Anfassen, zum Ausprobieren. Händler konnten Wechselgeld vorbereiten, Verbraucher die neuen Münzen kennenlernen. Ein Stück pädagogische Währungspolitik.
Heute hat das Starterkit Sammlerwert
25 Jahre später sind die Starterkits Kult. Ungeöffnete Exemplare erzielen auf Online-Plattformen zwischen 12 und 22 Euro - seltene Kits aus Monaco oder dem Vatikan sogar ein Vielfaches. Für viele ist das Tütchen ein Symbol für europäische Integration und den Aufbruch in eine neue Ära.
Die EU plant, neue Regeln im Zahlungsverkehr einzuführen. Künftig soll es möglich sein, bei Einzelhändlern Geld abzuheben, ohne dort etwas kaufen zu müssen.
27.11.2025 | 0:24 minBargeld im Wandel
Ironischerweise steht das Bargeld heute selbst unter Druck. Kartenzahlungen und digitale Geldbörsen, sogenannte Wallets, dominieren den Alltag. In Deutschland sank der Anteil barer Transaktionen von rund 80 Prozent (2011) auf etwa 53 Prozent (2025).
Gleichzeitig steigt die Bargeldmenge im Umlauf - auf über 1,6 Billionen Euro im Euroraum. Warum? Viele Menschen horten Bargeld als Sicherheitsreserve. Banknoten-Paradoxon nennt das die Bundesbank. Seit der Euro-Einführung Mitte der 2000er Jahre hat sich die Menge des ausgegebenen Bargelds mehr als vervierfacht.
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29.12.2025 | 2:51 minBundesbank setzt sich für Erhalt des Bargelds ein
Die Bundesbank plädiert ausdrücklich dafür, Bargeld als Zahlungsmittel zu erhalten - nicht aus Nostalgie, sondern vor allem um im Notfall ein "Backup-System" zu haben. Bargeld funktioniert auch ohne Strom, Internet oder IT-Systeme. Es ist damit krisenresistent auch bei Stromausfällen oder Cyberangriffen.
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Für viele Bürgerinnen und Bürger ist Bargeld noch aus einem anderen Grund beliebt: Wenn man bar bezahlt, hinterlässt man keine persönlichen Daten. Und wo keine Daten gespeichert werden, können sie auch nicht gehackt oder missbraucht werden, wie es beispielsweise bei Kartenzahlungen möglich ist.
Was ist vom Starterkit geblieben?
Doch die Infrastruktur bröckelt: weniger Geldautomaten, weniger Akzeptanz im Handel. Das war vor einem Vierteljahrhundert noch anders.
Von daher erinnert das Starterkit auch daran, wie wichtig physische Nähe zu Geld einmal war - und wie schnell sich Zahlungsgewohnheiten ändern. Vielleicht wird das kleine Plastikbeutelchen bald nicht nur Sammlerstück, sondern auch Zeitzeuge einer Ära, in der Bargeld in den Geschäften oder Restaurants noch selbstverständlicher war als heute.
Frank Bethmann ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
Die Euro-Bargeldeinführung war ein logistisches Mammutprojekt: 14,9 Milliarden Banknoten und über 51 Milliarden Münzen mussten produziert und verteilt werden. Um am "E-Day" Engpässe zu vermeiden und die Bevölkerung rechtzeitig mit Kleingeld zu versorgen, beschlossen die EU-Finanzminister die Vorab-Ausgabe kleiner Münzpakete für Haushalte und größerer Sets für den Handel.
Ein Blick auf die Dimensionen: Deutschland stellte 53,5 Millionen Starterkits bereit - europaweit waren es rund 150 Millionen Sets. Das deutsche Kit enthielt alle acht Münzen (1 Cent bis 2 Euro) in festgelegter Stückzahl, zusammen im Wert von 10,23 Euro (Gegenwert 20,01 Deutsche Mark), verkauft für 20 Deutsche Mark.
Ab 17. Dezember 2001 lagen die deutschen Starterkits in den Filialen bereit. Ziel: Vertrautheit schaffen, Wechselgeld sichern und die Umstellung an den Kassen beschleunigen. Hierzulande nannte man die Starterkits zunächst technisch-spröde "Münzhaushaltsmischung". Der eingängige Name "Starterkit" setzte sich erst später durch.
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