Stromausfall in Berlin:Wie gut sind Unternehmen auf einen Blackout vorbereitet?
von Henning Behrens
Nach einem Anschlag ist in Teilen Berlins seit Tagen der Strom ausgefallen. Gerade kleine Unternehmen können bei Stromausfall jedoch nicht weiterarbeiten.
Im Südwesten Berlins bleiben Tausende Haushalte weiter ohne Strom und Heizung. Helfer unterstützen die Betroffenen. Die Bundesanwaltschaft übernimmt die Ermittlungen zum Sabotage-Anschlag.
06.01.2026 | 1:11 minOb Anschlag oder nicht - wenn der Strom ausfällt, so wie jetzt in Berlin, unvorbereitet und ganz plötzlich, würde auch in Köln nichts mehr gehen. Es wäre kalt und finster - fast überall. Während Kliniken, Feuerwehren und die Bundeswehr mit Notstromaggregaten ausgestattet sind, würde es in den Unternehmen dunkel.
Notstromaggregate häufig zu teuer
"Eine Aufrechterhaltung durch ein Notstromaggregat ist einfach viel zu teuer für uns. Das lohnt sich nicht", sagt Heribert Schamong, Kaffeeröster aus Köln.
Dennoch schützt Schamong sich vor Angriffen auf das Stromnetz oder einem möglichen Blackout: "Ist der Strom weg, werden unsere Computer durch sogenannte USVs - eine unabhängige Stromversorgung - geschützt."
Das sind Batterien, die den Rechner im Falle eines Stromausfalls langsam herunterfahren, ohne dabei den Verlust von Daten zu riskieren.
Erst am Donnerstag soll der Stromausfall in Berlin behoben sein. Die Arbeiten an der Kabelbrücke gestalten sich schwierig, denn nicht alle Kabel passen zusammen.
05.01.2026 | 1:31 minKleine Unternehmen setzen meist auf Selbsthilfe
Damit in der Kaffeerösterei die Kaffeebohnen nicht in der Rösttrommel verbrennen, würde diese per Hand weiterbetrieben, wenn der Strom ausfällt. "Sonst droht der Kaffee darin durch die Hitze zu verbrennen", erklärt Schamong.
Auch große Unternehmen bereiten sich auf einen möglichen Blackout vor. Ein eigenes Stromkraftwerk, wie es beispielsweise bei VW steht, hat Coca-Cola in Deutschland nicht. Rettung im Falle eines Stromausfalls ist dennoch vorhanden.
"Durch 13 Standorte, die wir im Bundesgebiet haben, könnte bei einem Stromausfall in einem der Werke, die Arbeit von einem anderen übernommen werden", sagt Kommunikationsdirektor Steffen Türk.
Das ist der Vorteil der Großunternehmen. Die kleineren Firmen treffen meist selbst Vorkehrungen, wie eine aktuelle DIHK-Umfrage zeigt. Demnach greifen immer mehr Unternehmen beispielsweise zu Notstromaggregaten oder Stromspeichern.
Seit Samstag sind viele Menschen im Südwesten von Berlin ohne Strom. Das heißt auch keine Heizung oder Herd. Doch die Menschen helfen sich gegenseitig.
05.01.2026 | 1:35 minGoerzwerk in Berlin: Vom Stromausfall voll getroffen
Was passiert, wenn Unternehmen voll getroffen werden vom Stromausfall, zeigt das Beispiel des Gewerbeareals Goerzwerk in Berlin-Lichterfelde. Hier sind bis zu 150 Unternehmen ansässig. Doch arbeiten kann hier gerade niemand. Das Licht ist aus, die Rechner sind heruntergefahren.
"Wir sind vom Stromausfall voll getroffen. Was das kostet, wenn ein Unternehmen mit 500 Mitarbeitern nicht arbeiten kann, können Sie sich nicht vorstellen", sagt der Geschäftsführer des Goerzwerkes, Silvio Schobinger.
In den an Unternehmen vermieteten Etagen gibt es eigentlich eine redundante Stromversorgung, also eine Ersatzstromquelle für den Fall, dass die Hauptstromversorgung ausfällt. Wie es trotzdem passieren konnte, dass dort nichts mehr geht, ist Geschäftsführer Schobinger unklar.
Nach dem Stromnetz-Anschlag im Südwesten Berlins unterstützt die Bundeswehr die Versorgung mit Notstrom. Betroffene sollen zudem ihre Hotelkosten über das Land erstattet bekommen.
06.01.2026 | 1:27 minLernen von der Ukraine?
Lernen könnten die Deutschen beispielsweise von der Ukraine. "Die Ukraine ist kriegserprobt. So traurig das ist, so vorbereitet ist man dort auch", sagt Kerstin Petretto, Senior Managerin beim Bundesverband der deutschen Industrie.
"So besteht deren Stromnetz aus vielen verschiedenen kleinen Stromnetzen, die, wenn eines ausfällt, hinzugeschaltet werden." Das allerdings ist sehr kostspielig.
Im Idealfall sollte ein Haushalt bei einem Blackout mehrere Tage ohne fremde Hilfe auskommen. Dazu braucht es ausreichend Hygieneartikel, eine gefüllte Hausapotheke mit wichtigen Medikamenten und Verbandsmaterial, haltbare Lebensmittel und vor allem Wasser – das Bundesamt für Bevölkerungsschutz empfiehlt zwei Liter Flüssigkeit pro Tag und Person.
Wer sich einen eigenen Stromerzeuger anschaffen will, sollte sich im Vorfeld über die richtige Lagerung und den Aufstellort informieren, da ansonsten unter anderem Erstickungsgefahr droht.
Stromunabhängige Zubereitungsgeräte wie Camping-Kocher, dazu benötigtes Brennmaterial und Lichtquellen wie Kerzen oder Kurbeltaschenlampen sollten daheim lagern. Gleiches gilt für Batterien und damit betriebene Radiogeräte, mit denen man sich auch ohne Smartphone weiter über die aktuelle Situation informieren kann.
Quelle: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
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