Diesel bis 2027 knapp: Diese Gründe hat der anhaltende Engpass

Auswirkungen auf Sprit und Güterverkehr:Drei Gründe, warum Diesel bis 2027 knapp bleibt

von Kerstin Ripper und Theresa Stoll

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Wird Diesel knapp, hat das Auswirkungen auf alle Bereiche: Unter anderem auf Spritpreise, Landwirtschaft und Güterverkehr. Warum wir mit einem längeren Engpass rechnen müssen.

Industrieanlagen einer Mineralölraffinerie im Gegenlicht.

Wegen eines drohenden Kerosinmangels hat die Lufthansa Maßnahmen am Flughafen Frankfurt ergriffen. Auch über den Wasserweg wird zurzeit aufgrund des anhaltenden Niedrigwassers weniger Kraftstoff transportiert. ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann berichtet.

15.10.2026 | 1:12 min

Die Dieselknappheit dürfte noch bis weit ins Jahr 2027 andauern. Davor warnt die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Monatsbericht. Trotz einer erwarteten Erholung der Raffinerieproduktion bis zum Jahresende dürfte das Angebot nicht ausreichen, um die entstandenen Lücken zu schließen.

Spritpreis

ZDFheute Infografik

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Die angespannte Versorgung belastet bereits die Wirtschaft: Hohe Dieselpreise verteuern Transporte und Waren. Das betrifft Verbraucher und Unternehmen gleichermaßen. Denn Diesel wird nicht nur an Tankstellen gebraucht, auch in der Landwirtschaft, im Güterverkehr und für Notstromaggregate. Drei Gründe für den anhaltenden Engpass.

Auf einem Preisschild an einer Tankstelle werden die aktuellen Preise für Kraftstoffe angezeigt.

Seit Beginn des Iran-Kriegs sind die Spritpreise in Deutschland deutlich gestiegen - am Wochenende war Benzin so teuer wie nie zuvor. Auch der ADAC kritisiert die hohen Tankkosten.

14.09.2026 | 1:44 min

1. Niedrigwasser

Diesel und Rohöl kommen auf dem Wasserweg nach Deutschland. Von den Tanks in Rotterdam und Amsterdam wird Diesel zunächst per Schiff auf dem Rhein zu uns transportiert. Aber seit Monaten führt die wichtigste Wasserstraße Deutschlands viel zu wenig Wasser. Dadurch können die Schiffe nicht mit voller Ladung fahren.

Bis die Binnenschiffe ihre Frachträume wieder komplett füllen können, kann es noch dauern: "Eine dauerhafte Entspannung der Niedrigwassersituation ist nicht zu erwarten", so die Bundesanstalt für Gewässerkunde.

Auch Meteorologe Özden Terli von der ZDF-Wetterredaktion geht nicht davon aus, dass die Pegelstände an Rhein und Main in absehbarer Zeit auf Normalniveau zurückgehen: "Damit sich an der Situation etwas ändert, müsste es lange und sehr viel regnen und das flächendeckend - das Defizit der vergangenen Monate ist nicht einfach auszugleichen." Regen in solch großen Mengen sei in der Analyse der Wettermodelle vorerst nicht zu erkennen, so Terli.

: Ein Schiff fährt bei Niedrigwasser auf dem Rhein bei Köln (Luftaufnahme mit einer Drohne).

Nur noch wenige Schiffe fahren aktuell in Köln auf dem Rhein. Das Niedrigwasser hat einen neuen historischen Tiefstand erreicht. Der Pegelstand sank auf 40 Zentimeter.

28.09.2026 | 0:22 min

Der Grund für das anhaltende Niedrigwasser sind vor allem zu geringe Niederschläge in diesem Jahr. Im vergangenen Winter sei zu wenig Regen gefallen. "Aber vor allem Schnee, der im Frühling durch die Schmelze für Wassernachschub hätte führen können. Frühling, Sommer und nun im Herbst fehlt immer noch massiv Niederschlag", erklärt Meteorologe Terli.

2. Der Krieg im Nahen Osten

Der Iran-Krieg belastet die weltweite Dieselversorgung erheblich. Durch die Einschränkungen bei den Öltransporten aus der Region steht auch den Raffinerien weniger Rohöl zur Verfügung. Auch das geht aus dem Monatsbericht der Internationalen Energieagentur hervor.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Straße von Hormus. Durch sie gelangt Rohöl aus den Golfstaaten auf den Weltmarkt. Seitdem infolge des Konflikts weniger Öl auf diesem Weg transportiert wird, müssen Raffinerien in Asien ihre Verarbeitung drosseln. Dadurch produzieren unter anderem China, Indien und Südkorea weniger Gasöl, ein Vorprodukt von Diesel.

Soldaten auf einem Militärfahrzeug

Die Huthi-Miliz bedroht wichtige Transportwege in der Region. Um Gebiete an der Meerenge Bab al-Mandab, über die etwa Saudi-Arabien die Mehrheit seiner Öl-Exporte verschifft, wird gekämpft.

06.10.2026 | 1:41 min

Die Ausfälle treffen auf ohnehin schrumpfende Lagerbestände. Laut IEA waren die Vorräte bereits im zweiten Quartal 2026 deutlich stärker als üblich zurückgegangen. Die anhaltenden Lieferprobleme beschleunigten den Abbau der Vorräte im dritten Quartal zusätzlich.

Zwar rechnet die IEA bis zum Jahresende mit einer Erholung der Raffinerieproduktion, diese dürfte aber nicht ausreichen, um das fehlende Angebot auszugleichen.

3. Weniger Diesel auf dem Weltmarkt

Ein weiterer Grund: Russland ist einer der großen Diesel-Exporteure weltweit. Derzeit liefert das Land aber weniger Kraftstoff auf den Weltmarkt. Ukrainische Drohnenangriffe haben russische Raffinerien beschädigt und damit die Produktionskapazitäten eingeschränkt. Russland kann deshalb weniger Diesel herstellen und exportieren. Das verknappt das Angebot auf dem Weltmarkt zusätzlich.

Nach einem ukrainischen Drohnenangriff sind in der Morgendämmerung Flammen und Rauch zu sehen, die aus der Moskauer Ölraffinerie im Südosten der Stadt aufsteigen.

Bei dem Angriff sind laut russischen Behörden zwei Menschen getötet worden, zudem geriet eine Raffinerie in Brand.

20.09.2026 | 1:28 min

Die EU hat als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine die Einfuhr russischer Erdölprodukte grundsätzlich verboten. Europäische Abnehmer müssen sich deshalb anderweitig über den Weltmarkt versorgen.

Wenn weltweit weniger Diesel verfügbar ist, wird aber auch die Beschaffung generell schwieriger. Auch höhere Exporte aus den USA und China konnten die Ausfälle aus Russland und dem Nahen Osten zuletzt nur teilweise ausgleichen, ebenso wie der am 9. Oktober 2026 bekannt gegebene Deal zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Trump lockerte Sanktionen, damit Russland Diesel in die USA und auf den Weltmarkt liefert. Kurzfristig sollen dafür mehr als 300.000 Tonnen Diesel bereitgestellt werden.

Kerstin Ripper ist Redakteurin in der ZDF-Sendung WISO.

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"Wir sehen einen neuen Keil im Verhältnis zwischen Donald Trump und Selenskyj", sagt Politikwissenschaftlerin Hanna Notte. Sie hält den Diesel-Deal mit Putin für einen politischen Erfolg Russlands.

12.10.2026 | 6:13 min

Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung heute am 15.10.2026 ab 17 Uhr.

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