Kann Putins Diesel wirklich die Spritpreise senken?

Zweifel an Trumps Diesel-Deal:Kann Putins Diesel wirklich die Spritpreise senken?

Oliver Klein

von Oliver Klein

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Die Preise für Diesel auf der ganzen Welt würden rekordartig und schnell sinken, verspricht Trump - weil er Sanktionen gegen Russland lockert. Experten bezweifeln, dass das klappt.

Donald Trump

Der US-Präsident steht innenpolitisch unter anderem wegen hoher Spritpreise unter Druck. Nun soll ein Deal mit Putin für Diesellieferungen aus Russland sorgen - trotz Sanktionen.

10.10.2026 | 2:18 min

Der Gegenwind für Donald Trumps Diesel-Deal mit Kreml-Chef Wladimir Putin wird immer stärker. Der US-Präsident lockert Sanktionen gegen Russland und will die Lieferung von russischem Diesel erlauben, um kurz vor den Zwischenwahlen die Sprit-Preise zu senken. Diese würden "für die Amerikaner und tatsächlich für die ganze Welt" rekordartig und schnell sinken, versprach er am Freitag in seinem Onlinedienst Truth Social.

Nun kritisieren sieben US-Senatoren - drei Demokraten und vier Republikaner - die Vereinbarung als rechtswidrig: "Der Kongress hat russische Energieimporte im Jahr 2022 ausdrücklich verboten, um zu verhindern, dass amerikanische Dollar Putins brutalen Krieg gegen die Ukraine finanzieren", erklärten sie.

Prof. Klemens Fischer

Der US-Präsident verfolge seine eigene Linie, analysiert Außenpolitikexperte Fischer. Mit dem Diesel-Deal signalisiere Trump, dass er für wirtschaftliche Interessen über Sanktionen hinweggeht.

10.10.2026 | 19:00 min

Russland liefert nur einen Bruchteil des US-Verbrauchs

Gleichzeitig ist mehr als fraglich, ob Trumps Pläne überhaupt geeignet sind, die Preise deutlich zu senken. Russland werde "sofort mehr als 300.000 Tonnen" Diesel für die USA und den Weltmarkt liefern, weitere 500.000 Tonnen im November, schrieb Trump. "Unmittelbar danach" solle eine weitere Million Tonnen Diesel folgen. Später sollen weitere drei Millionen Tonnen geliefert werden, wenn es die Produktionskapazität russischer Raffinerien zulasse. Insgesamt kündigte Trump also 4,8 Millionen Tonnen Diesel aus Russland an.

Um den tatsächlichen Effekt auf die Preise einschätzen zu können, muss man die Menge in Relation zum tatsächlichen Dieselverbrauch in Relation setzen. Allein im Transportsektor verbrauchten die USA 2025 nach Daten der Energie-Informationsbehörde EIA 2,94 Millionen Barrel Diesel pro Tag, insgesamt sind es 3,9 Millionen Barrel täglich. Eine Rechnung verdeutlicht:

  • Die von Trump angekündigte erste Tranche von 300.000 Tonnen Diesel entspricht etwa 2,2 Millionen Barrel. Selbst wenn diese komplett in die USA geliefert würden, könnte damit in etwa der dortige Verbauch von 14 Stunden gedeckt werden.
  • Die Menge von 800.000 Tonnen, die Trump bis Ende November versprach, könnte den US-Bedarf etwa eineinhalb Tage lang decken.
  • Die Menge von 4,8 Millionen Tonnen, die Trump für einen Zeitraum von mehreren Monaten in Aussicht stellt, entspricht rund 36 Millionen Barrel. Diese würden den USA etwa neun Tage lang reichen.
Schaltgespräch mit Christian Sievers und Claudia Bates/Felix Klauser

Trump habe Sorge, bei den Parlamentswahlen die Mehrheit zu verlieren, so Claudia Bates. Moskau dürfe mit dem Deal äußerst zufrieden sein, ergänzt Felix Klauser.

10.10.2026 | 2:39 min

Preistreibende Faktoren bleiben bestehen

Weitere Faktoren dürften dafür sorgen, dass die Preise nicht plötzlich stark und dauerhaft fallen:

  • Trumps Deal erhöht nicht automatisch das globale Gesamtangebot: Russland lockerte zwar teilweise seine Exportbeschränkungen - doch ein Teil der russischen Lieferungen ist kein Kraftstoff, der vorher gar nicht auf dem Markt war: Über Drittstaaten war Russlands Diesel im Weltmarkt durchaus verfügbar. Wie viel zusätzliches Angebot durch die gelockerten Exportbeschränkungen entsteht, ist unklar.
  • Preistreibende Faktoren bleiben: Die Dallas Fed schätzt, dass weltweit zeitweise bis zu zehn Prozent der Raffineriekapazität wegen Transportschwierigkeiten und globaler Spannungen ausgefallen sind - zu den maßgeblichen Faktoren gehören die Schließung der Straße von Hormus, Angriffe von Huthi-Rebellen auf Schiffe im Roten Meer, beschädigte Raffinerien im Nahen Osten und Russland sowie Exportbeschränkungen, beispielsweise von China. An diesen Rahmenbedingungen ändert Trumps Deal nichts.
Torge Bode

Die Ukraine kritisiert die Lockerung der US-Sanktionen für russischen Diesel. ZDF-Korrespondent Torge Bode berichtet.

10.10.2026 | 0:57 min

Experten zweifeln an Trumps Ankündigung

Vor diesem Hintergrund bezweifeln Experten, dass Diesellieferungen aus Russland die Weltmarktpreise und die Preise an den US-Tankstellen derartig deutlich und schnell senken können, wie Trump versprach.

"Das ist ein bisschen so, als würde man die Liegestühle auf der Titanic umstellen", zitiert die Nachrichtenagentur AP Michael Lynch von der Energy Policy Research Foundation. "Wenn wir Diesel aus Russland beziehen, bedeutet das im Grunde nur, dass deren bisherige Kunden keinen bekommen und sich anderweitig umsehen müssen. Das wird den Preis im Wesentlichen dort halten, wo er jetzt ist", so Lynch.

Ähnlich sieht das auch Daniel Sternoff vom Columbia Center on Global Energy Policy: Wenn von russischer Seite etwas mehr Diesel auf die Weltmärkte gelangt, könnte das den Preisen zwar "die Spitze nehmen, aber sie nicht erheblich senken", erklärt er.

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, und Bundeskanzler Friedrich Merz (l, CDU) bei einem Empfang im Präsidentenpalast.

Der Bundeskanzler ist in die Ukraine gereist und verspricht weitere Militärhilfe. Während seines Besuchs traf eine russische Drohne eine Brücke.

04.10.2026 | 1:50 min

"Ich kann gar nicht genug betonen, wie unbedeutend das ist", schreibt der Ölanalyst Rory Johnston auf X. Russland exportiere normalerweise "fast das Zehnfache", wenn seine Raffinerien nicht angegriffen würden. Auch Jim Mitchell vom Beratungsunternehmen Wood Mackenzie sagte, es handele sich eindeutig nicht um eine Lösung, sondern um eine weitere Quelle zur Unterstützung eines sehr angespannten Marktes.

Trump gehe es vor allem um Symbolpolitik vor den Midterms, analysierte Klemens Fischer, Experte für Internationale Politik, am Wochenende bei ZDFheute live. Trump wolle damit zeigen, dass er etwas für die Steuerzahler tut. Es sei ein Signal an seine Wählerschaft - aber nicht mehr.

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Über dieses Thema berichtete die ZDFheute live im Beitrag "Win-Win durch Diesel-Deal?" am 10.10.2026 ab 13 Uhr.

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