Lage auf dem Weltmarkt angespannt:Wie lange bleibt der Diesel noch so teuer?
von Helge Hoffmeister und Frederick Dustmann
Die Lage auf dem weltweiten Energiemarkt ist angespannt. Hohe Preise für Diesel treiben die Inflation - mit Folgen für Wirtschaft und Verbraucher. Ist Entspannung in Sicht?
Diesel ist knapp und teuer. Für Speditionen steigen die Kosten, zugleich fließen die höheren Preise über Transport und Produktion in die Inflation ein.
31.08.2026 | 2:38 minDie Fahrt zur Tankstelle endet für viele Menschen in Frust: Die Spritpreise bleiben hoch, insbesondere Diesel ist vergleichsweise teuer. Seit Anfang des Jahres stieg der Dieselpreis in Deutschland um rund 35 Prozent auf im Schnitt 2,27 Euro pro Liter.
Die hohen Energiepreise erhöhen auch die Inflation. Für August erreicht sie laut Statistischem Bundesamt 2,9 Prozent, ein Anstieg um 0,2 Prozentpunkte im Vergleich zum Vormonat.
Der deutsche Dieselpreis liegt laut EU-Kommission rund 20 Cent über dem EU-Durchschnitt - auch ohne staatliche Abgaben und Steuern. Obwohl der Rohölpreis seit Mitte Juli weitgehend stabil ist, steigt der Dieselpreis weiter. Der hohe Weltmarktpreis erzeugt hohe Margen für Raffinerien und macht Exporte attraktiv.
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Keine Entspannung auf dem Weltmarkt
Die seit Februar 2026 infolge des Konflikts zwischen Iran und USA verhängte Blockade der Straße von Hormus hat die weltweiten Preise für Rohöl, aus dem auch Diesel gewonnen wird, erhöht. Ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien machen die Versorgungslage beim Diesel aber noch kritischer. Denn Russland ist einer der größten Exporteure von Diesel, beliefert sonst Länder wie China oder die Türkei. Die Folge: Auf dem Weltmarkt wird Diesel knapper, der Wettbewerb schärfer und die Preise höher.
Die Versorgung sei aktuell zwar nicht gefährdet, eine Entlastung ist aber auch nicht in Sicht, so Ökonom Tomaso Duso.
Wir müssen uns vorbereiten, dass in den nächsten Monaten diese Engpässe bleiben, dass die Preise hoch bleiben und eine große Entspannung nicht vorzusehen ist.
Prof. Dr. Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission
Benzin und Diesel sind in Deutschland teurer als in anderen EU-Ländern. Gründe seien höhere Steuern und Abgaben sowie fünf große Konzerne, die den Markt abdecken, so Florian Neuhann.
31.08.2026 | 5:49 minDeutsche Raffinerien erhöhen die Auslastung
Nach Zahlen des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie stieg die Dieselexportquote von 29 Prozent im Jahr 2025 auf 38 Prozent im Zeitraum März bis Juli, während die Importe weiter zurückgingen. Deutsche Raffinerien haben ihre Auslastung von 80 Prozent im vergangenen Jahr auf etwa 90 Prozent in der ersten Jahreshälfte erhöht, um die gestiegene Nachfrage auf dem Weltmarkt zu bedienen.
Die hohen Einnahmen der Raffinerien seien laut Verbandssprecher Alexander von Gersdorff der Situation auf dem Weltmarkt geschuldet.
Wenn ein Produkt knapp ist, dann steigt der Preis. In anderen Jahren hatten wir andere Situationen, teilweise mit Verlusten. Nur, dann hören wir nichts von der Politik.
Alexander von Gersdorff, Pressesprecher des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie
Durch die hohen Ölpreise erzielen Energiekonzerne Rekordgewinne. Verdienen die Unternehmen zu viel an der Krise?
08.08.2026 | 1:40 minDieselpreise treffen die Lieferanten
Stark von den hohen Dieselpreisen sind Logistikunternehmen betroffen, so auch die Spedition Wennekamp aus Steinbach im Taunus, die vor allem Lebensmittel transportiert. Denn laut Geschäftsführer Christoph Wennekamp verursacht Diesel fast ein Drittel der gesamten Kosten.
Zwar gibt er die steigenden Kosten an seine Kunden weiter, bis das Geld aber wieder beim Unternehmen ankommt, dauere es lange. "Ich muss mindestens drei Monate die hohen Dieselkosten vorfinanzieren", sagt er.
Die Unternehmen sind am Ende. Der Markt wird das irgendwann regulieren, aber vielleicht ohne deutsche Unternehmer.
Christoph Wennekamp, Geschäftsführer der Spedition Wennekamp
Ökonom Fuest erwartet keine steigenden Lebensmittelpreise
Auf die Lebensmittelpreise sollten die Dieselpreise eigentlich nur wenig Auswirkungen haben, sagt Prof. Clemens Fuest, Vorstand des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung. Denn Transportkosten machen nur einen kleinen Anteil der Gesamtkosten aus.
Weiter erklärt Fuest: "Wir leben in einer Marktwirtschaft. Es ist nicht verboten, Preise zu nehmen, die etwas von den Kosten abweichen. Es ist allerdings nicht zulässig, Marktmacht zu missbrauchen." Es sei aber nicht einfach nachzuweisen, aus welchen Gründen Preise angepasst wurden, so der Ökonom.
Laut Fuest ist keine Entlastung für Diesel-Kunden in Sicht, weder für Großabnehmer noch für Normalverbraucher. Erst, wenn die Straße von Hormus wieder geöffnet werde, könnten die Ölpreise wieder sinken. Bis dahin werde der Dieselpreis die Inflation möglicherweise weiter antreiben.
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