Insolvenzen und Leerstand: Der Kampf gegen das Innenstadt-Sterben

Kampf gegen Leerstand in Innenstädten:Zahlen des Schreckens für den Einzelhandel

von Stefan Hanf

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Kein Fun Fact - in der Wirtschaft läuft es nicht: seit Jahren Mini-Wachstum, die Firmen-Insolvenzen auf Höchststand. Eine Branche macht besonders große Sorgen: der Einzelhandel.

Schild mit Aufschrift "Räumungsverkauf" klebt an einer Ladenscheibe.

Hinter jeder Pleite stehen Menschen: Beschäftigte, denen Arbeitslosigkeit droht, Unternehmer, die ihr Lebenswerk verlieren und Innenstädte, in denen weitere Geschäfte verschwinden. Woran liegt's?

03.08.2026 | 5:10 min

Der historische Strukturwandel, der die deutschen Innenstädte durchschüttelt, ist kein brandneues Phänomen: Hertie, Horten, Kaufhof, Karstadt - die Kaufhausgiganten und einstigen Kundenmagneten werden schon seit Jahrzehnten immer weniger. Neu aber ist die Dynamik, mit der die Veränderungen vor sich gehen.

Der Einzelhandel in Zahlen

15! 2.440! 296.600! Das sind sie, die Zahlen des Schreckens für den stationären Einzelhandel.

  • 15 Prozent - so hoch ist mittlerweile der durchschnittliche Leerstand an Geschäften in deutschen Innenstädten. In Vor-Corona-Zeiten war die Lage noch deutlich besser: Die Leerstandsquote lag damals deutschlandweit bei rund zehn Prozent.
  • Creditreform verzeichnete 2025 rund 2.440 Insolvenzen im Einzelhandel. Das ist ein Anstieg von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr.
  • Der Handelsverband Deutschland rechnet in seiner Prognose damit, dass es Ende 2026 nur noch 296.600 stationäre Einzelhandelsgeschäfte geben wird, rund 70.000 weniger als noch vor zehn Jahren.

Zahlen, die belegen, warum der Einzelhandel zu den am stärksten schrumpfenden Wirtschaftsbereichen überhaupt gehört.

Schild mit der Aufschrift: "Filiale dauerhaft geschlossen"

Von Mainz bis München: Immer mehr Läden schließen, auch Traditionsbetriebe. Der Handelsverband fordert Steuervorteile und faire Regeln für den Wettbewerb.

24.12.2025 | 1:35 min

Ladensterben trifft Groß und Klein

Die Schließungen treffen alle - kleine wie große Betriebe, Traditionsgeschäfte und Handelsketten. Vom klassischen Warenhaus über den mittelgroßen Modefilialisten bis hin zur kleinen Buchhandlung.

Besonders in den Innenstädten wird dieser Wandel mittlerweile auch sichtbar: Fachgeschäfte verschwinden, Leerstände nehmen zu und die Vielfalt des stationären Handels geht verloren. Der Handelsverband Deutschland blickt mit Sorge auf die aktuellen Daten.

Besserung scheint bei den Zahlen der letzten Jahre nicht in Sicht. So kann und darf es nicht weitergehen.

Dr. Alexander von Preen, Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE)

Onlinehandel und Kaufzurückhaltung treiben Ladensterben

Eine der Hauptursachen für die Entwicklung: der anhaltende Boom des Onlinehandels. Die neuesten Daten sind eindeutig: Der Einzelhandelsumsatz sank im Juni 2026 im Vergleich zum Vorjahresmonat um real 0,2 Prozent.

Der Internet- und Versandhandel dagegen trotzt dem Trend zur Kaufzurückhaltung: Im Jahresvergleich gab es hier sogar 4,9 Prozent Zuwachs. Die Kannibalisierung des Einzelhandels durch das digitale Einkaufen geht also unvermindert weiter.

Handwerker, daneben der Schriftzug "Insolvenz" sowie eine Linie, die in Zacken nach unten verläuft

Der Pleitegeier kreist über Deutschland. Warum sterben gerade so viele Firmen? Was kann die Politik tun? Eröffnet die Krise sogar eine Chance? WISO - Wirtschaft erklärt mit Florian Neuhann.

03.07.2026 | 10:33 min

Hinzu kommt die immer noch andauernde allgemeine Kaufzurückhaltung. Nach einem massiven Einbruch im Frühjahr 2026 verharren etwa die Werte des Gfk-Konsumklimaindexes weiter deutlich im Minusbereich. Für August 2026 werden −29,6 Punkte erwartet.

Die Menschen halten ihr Geld zusammen, geben wenig aus. Gespart wird vor allem bei nicht lebensnotwendigen Konsumgütern wie Bekleidung, Büchern, Möbeln und Unterhaltungselektronik.

Gewinnmargen der Einzelhändler schrumpfen

Gestiegene Energiekosten, höhere Mieten und die allgemeine Inflation tun ihr Übriges, dass die Gewinnmargen bei Einzelhändlern dauerhaft sinken. Sind die finanziellen Reserven dann aufgebraucht, bleibt vielen nur noch die Schließung. Ein Teufelskreis:

Einkaufen ist der Hauptgrund für einen Innenstadtbesuch. Wer sein Stadtzentrum vital erhalten oder gestalten will, braucht deshalb Geschäfte.

Dr. Alexander von Preen, Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE)

Aber: Der Online- und Versandhandel wird nie mehr verschwinden und die allgemeine wirtschaftliche Stagnation nicht so bald überwunden sein. Die Innenstadt kann als reines Konsumzentrum nicht überleben.

Auf einem Schild steht in roter Schrift "Sonntag geöffnet".

Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels fordert die Erlaubnis für Öffnungszeiten an Sonntagen. Hauptgeschäftsführer Genth sagte, Öffnung an Sonntagen würden Innenstädte attraktiver halten.

06.07.2026 | 0:23 min

Wie Innenstädte gerettet werden könnten

Experten fordern deshalb eine Transformation der Citys mit neuen Nutzungskonzepten. Die Umgestaltung öffentlicher Räume sowie eine stärkere Mischung aus Handel, Wohnen und Freizeit müssten im Mittelpunkt stehen.

Eine aktuelle Analyse von Creditreform und dem Handelsblatt Research Institute bestätigt das. "Wer Frequenz zurückholen will, muss Menschen wieder Gründe geben, überhaupt in die Innenstädte zu kommen," meint Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Nur wenn sich die Innenstädte so neu erfinden, haben sie die Chance, als lebendige Stadtzentren zu überleben.

Kleine Läden, große Wirkung

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Über dieses Thema berichtete "WISO" am 3.8.2026 ab 19:25 Uhr.

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