Interview
DFB-Präsident kritisiert FIFA-Pläne:Neuendorf: WM-Boykott Europas "durchaus eine Option"
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DFB-Präsident Neuendorf nennt den geplanten FIFA-Investoren-Deal ein "fatales Zeichen". Das FIFA-Council habe aus der Presse davon erfahren. Er bringt einen WM-Boykott ins Spiel.
Die FIFA und ihr Chef Gianni Infantino haben die Fußballwelt mit ihrem Plan zum Verkauf von WM-Anteilen an private Investoren in Aufruhr versetzt. Der Weltverband plant die Gründung einer Tochtergesellschaft namens FIFA Forward Enterprise (FFE), die alle kommerziellen Aktivitäten und Turnierorganisationen bündeln soll.
Die UEFA übte scharfe Kritik und warnte vor einem Verkauf der "Seele" des Fußballs. Ähnlich drastisch äußert sich nun DFB-Präsident Bernd Neuendorf im ZDF-Interview: Die Fußball-WM für Investoren zu öffnen sei "ein fatales Zeichen".
FIFA-Plan "nicht zustimmungsfähig"
Der Fußball lebe von der Akzeptanz der Gesellschaft, so Neuendorf, "wir dürfen ihn nicht zum Spielball von Investoren machen. Die Akzeptanz der Fans dürfen wir nicht verlieren, aber wir sind auf dem besten Wege, diese Akzeptanz zunichte zu machen. Das halte ich für überaus problematisch und nicht zustimmungsfähig", so Neuendorf.
Neuendorf sieht Geheimniskrämerei bei FIFA-Oberen
Das FIFA-Council, dessen Mitglied er ist, habe erst aus der Presse von dem Vorhaben der FIFA erfahren. "Darüber muss über Monate, wenn nicht sogar über ein Jahr oder noch länger gesprochen worden sein", sagt Neuendorf im ZDF-Interview, aber "es war nie Thema im Council".
Der DFB-Präsident beklagt generell eine Art Geheimniskrämerei im Kreise der FIFA-Oberen. Die WM-Aufstockung, die "Balogun-Problematik mit der Roten Karte" und der FIFA-Friedenspreis hätten "im FIFA-Council keine Rolle gespielt".
WM-Boykott als ultimative Antwort?
Wie wird sich die UEFA nun verhalten? "Wir werden alle 55 UEFA-Verbände zusammenholen, mit ihnen beraten und dann zu einer Reaktion kommen", sagt Neuendorf, der in der UEFA auch Mitglied der vierköpfigen Finanzkommission ist. Könne dabei womöglich ein WM-Boykott der UEFA-Verbände herauskommen? "Aus meiner Sicht ist das durchaus eine Option", sagt Neuendorf: "Ich würde mich so einem Gedanken nicht verschließen."
(Anm. d. Red.: Die Fragen in dem Interview wurden aus technischen Gründen nachvertont.)
Quelle: ZDF
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