Weltsport-Verbände sind gespalten:Wie umgehen mit der Rückkehr russischer Sportler?
von Lars Becker
Nachdem das IOC den Weg für die Rückkehr Russlands geebnet hat, herrscht Uneinigkeit über den Umgang damit. In Deutschland regt sich mit Blick auf die Eishockey-WM viel Widerstand.
Nach einem Urteil des CAS darf die russische Eishockey-Nationalmannschaft wieder an internationalen Wettbewerben teilnehmen. Was das für die WM in Deutschland bedeutet, ist unklar.
30.10.2026 | 1:28 minEs scheint in diesen Tagen so, als würde ein Dominostein nach dem anderen für die umstrittene Rückkehr russischer Athleten in den Weltsport fallen. Erst vergab der Gewichtheber-Weltverband IWF die Weltmeisterschaft 2030 nach Moskau. Also genau dem Ort, von dem aus Präsident Wladimir Putin nun seit bald fünf Jahren seinen geächteten Angriffskrieg gegen die Ukraine mit Hunderttausenden Opfern auf beiden Seiten führt.
Dann entschied der Internationale Sportgerichtshof CAS, dass Russland im Eishockey wieder an internationalen Meisterschaften teilnehmen darf. Die Weltmeisterschaft soll 2027 in Düsseldorf, Mannheim und Gelsenkirchen stattfinden.
Rückgabe der Eishockey-WM ein Thema?
Spätestens jetzt hat also die Kontroverse rund um die Rückkehr russischer Sportler in den Weltsport auch Deutschland erreicht. Frank H. Lutz, Vorstandschef des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), will in diesen Tagen nach Berlin fahren und die Reaktion mit der großen Politik absprechen. Dabei liege laut Lutz auch die Option auf dem Tisch, dass man die WM zurückgebe.
Es müsse geklärt werden, ob russische Sportler überhaupt Visa für die Einreise nach Deutschland für die WM bekommen. Kanada hat bereits angekündigt, russischen Eishockey-Cracks die Einreise zur U-20-WM zum Jahresende zu verweigern. Die Niederlande ließen bei der Turn-WM im Oktober Olympiasiegerin und Titelverteidigerin Angelina Melnikowa wegen ihrer Nähe zu Putin nicht einreisen.
Das IOC hebt die Sanktionen gegen russische Sportler vorerst weitgehend auf. Die Beschränkungen für die Teilnahme an Wettbewerben auch mit Blick auf die Olympia-Quali entfallen.
07.07.2026 | 0:40 minWiderstand weltweit
Auch in Skandinavien formiert sich Widerstand gegen die Normalisierung der russischen Aggression gegen die Ukraine. Schwedens Migrationsminister Johan Forssell erklärte, dass man rechtlich prüfe, ob man russischen und belarussischen Sportlern die Einreise zur Nordischen Ski-WM vom 24. Februar bis 7. März 2027 verbieten könne.
Der Krieg ist nicht vorbei, nur weil es eine Ski-WM ist.
Schwedens Migrationsminister Johan Forssell
Trotz der gewaltigen weltweiten Kritik hält das Internationale Olympische Komitee (IOC) an der Rückkehr der seit Kriegsbeginn 2022 verbannten russischen Athleten fest. Am 7. Juli hatte das IOC ihnen den Weg geebnet, an Qualifikationswettkämpfen für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles teilzunehmen.
IOC will "Neutralität wahren"
"Wir wollen die Neutralität des Sports schützen. Athleten dürfen nicht für Entscheidungen ihrer Regierungen verantwortlich gemacht werden", unterstrich IOC-Sportdirektor Pierre Ducrey jüngst beim Forum Nordicum im tschechischen Nove Mesto.
Proteste in Italien, Team D bleibt bei der Eröffnung dem Einzug der Nationen fern: Die Teilnahme russischer und belarussischer Athleten sorgt vor den Paralympics für Diskussionen.
03.03.2026 | 0:56 minFür Deutschland geht es dabei nicht nur um die Austragung der Eishockey-WM, sondern auch um die Olympia-Bewerbung Münchens für 2036, 2040 oder 2044. Das IOC fordert nämlich ein, dass alle von den Herren der Ringe zugelassenen Sportler zu den jeweiligen Spielen einreisen dürfen. "Sportler sollten generell freien Zugang zu Wettkämpfen haben und die Sport-Verbände das bei den Gastgeber-Ländern einfordern", sagt Ducrey: "Aber in diesem Punkt ist die Situation gerade sehr dynamisch."
Chaos bei Welt-Sportverbänden
Oder anders gesagt: Es herrscht totales Chaos und Uneinigkeit. Bei der Ringer-WM im kasachischen Astana mussten russische Sportler nicht einmal mehr unter neutraler Flagge starten. Auch bei der Schwimm-WM 2027 in Budapest 2027 sind russische Hymne und Flagge wieder erlaubt. Der Weltfußball-Verband Fifa lässt bei der U-15-WM Russen wieder zu und setzt auf Normalisierung.
Die Zulassung von russischen Athleten, die bei den Paralympics wieder unter eigener Flagge an den Start gehen dürfen, hat für Empörung gesorgt.
03.03.2026 | 2:08 minGanz anders hält es der Leichtathletik-Weltverband, der an seinem Komplett-Ausschluss russischer und belarussischer Athleten festhält. Auch die Internationale Biathlon-Union IBU sieht derzeit keine Grundlage, ihre rigide Haltung zu ändern - allerdings fällt in nächster Zeit eine Entscheidung über eine russische Klage beim Internationalen Sportgerichtshof CAS.
Der Welt-Skiverband FIS setzt derweil auf den Start einer deutlich gewachsenen Zahl von Russen als sogenannte "neutrale Sportler". Einer davon ist Jewgeni Klimow, Olympia-Silbergewinner von 2022 im Mixed-Team. Er hatte im Februar 2022 kurz nach Kriegsbeginn bei einem Weltcup die russische Flagge auf seinen Handschuhen in die Fernsehkameras gezeigt und war später bei einem Event mit Putin aufgetreten.