Radsport-WM in Montreal:Warum das Straßenrennen der Männer besonders spannend wird
von Benno Krieger
Ohne Pogacar ist das Straßenrennen offen wie lange nicht mehr. Evenepoel will als erster Fahrer Doppel-Weltmeister werden, hat aber große Konkurrenz - sogar im eigenen Team.
Wird es ein Duell zwischen diesen beiden? Remco Evenepoel (l.) und Wout van Aert.
Quelle: Nico Vereecken / ImagoJedes WM-Rennen der Männer-Elite ist ein Ausscheidungsfahren. Die rund 270 Kilometer erfordern bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 40 km/h eine außergewöhnliche Ermüdungsresistenz.
Zusätzlich braucht der neue Weltmeister von Montreal sowohl besondere Explosivität als auch Ausdauer am Berg. Das macht dieses Rennen (ab 17:30 Uhr auf sportstudio.de) schwer berechenbar, zumal mit Tadej Pogacar der große Dominator nach seinem Schlüsselbeinbruch bei der Vuelta a Espana nicht startet.
Strecke: Anspruchsvoller Rundkurs in Montreal
Der Unterschied zu vergangenen Austragungen ist, dass die Strecke in Montreal (rund 3.600 Höhenmeter) weniger Höhenmeter aufweist als die Kurse von Zürich und Kigali zuletzt. Gleichzeitig enthält der 13 Kilometer lange Rundkurs, der mehr als die Hälfte des Rennens ausmacht, aber einen längeren Anstieg.
Am Straßenrennen diesen Sonntag ist der 26-Jährige wieder Teil des Feldes. Es ist sein erster großer Einsatz, nachdem er bei der Tour de France das Schlüsselbein gebrochen hatte.
25.09.2026 | 1:10 minÜber den Côte Camilien-Houde (1,6 Kilometer mit knapp acht Prozent) können die Fahrer nicht mit einem Antritt drüber rauschen, vor allem da sie den Berg in zwölf Runden passieren müssen. Danach folgen je zwei kurze steile Gegenanstiege und ein eher flaches Finish, was wiederum bergfesten Sprintern entgegenkommt.
Wer zu den Favoriten gehört und wer nicht
So gehören einerseits explosive Klassementfahrer wie Remco Evenepoel, Isaac Del Toro und Paul Seixas und andererseits auch leidensfähige Klassikerfahrer wie Wout van Aert oder Mathieu van der Poel zum Favoritenkreis.
Das Ziel beim Mixed-Team-Wettbewerb war ein Podestplatz. Doch es war nicht der Tag für das deutsche Sextett bei der Rad-WM in Montreal.
22.09.2026 | 0:29 minKlassische Bergfahrer, die ihre Stärken auf längeren Anstiegen haben, dagegen nicht. Florian Lipowitz, Vuelta-Sieger Enric Mas, Österreichs bester Rundfahrer Felix Gall und Routinier Primoz Roglic haben in Montreal weniger Chancen.
In welcher Form sind Evenepoel, Del Toro und Seixas?
Remco Evenepoel ist am Sonntag zum vierten Mal Zeitfahr-Weltmeister geworden. Jetzt will der Belgier als erster Fahrer im gleichen Jahr dazu auch das Straßenrennen gewinnen.
Franziska Koch hat zum Auftakt der Radsport-WM die Bronzemedaille im Zeitfahren geholt. Nur Siegerin Marlen Reusser und Zoe Backstedt waren nach 39,2 Kilometern durch Montreal schneller.
20.09.2026 | 1:39 minDer Straßenweltmeister von 2022 ist auch 2026 in Form. Nach der bisher stärksten Tour de France seiner Karriere hat er in San Sebastian und Quebec zwei Eintagesrennen gewonnen und bei der Generalprobe, dem Grand Prix von Montreal, vor zwei Wochen Platz fünf belegt.
Del Toro gewann Generalprobe
Isaac Del Toro ist sein vielleicht größter Herausforderer. Der 22-Jährige hat neben der Deutschland Tour auch die Generalprobe in Montreal gewonnen, die zum Teil der WM-Strecke entspricht. Nach Platz sechs und sieben in den WM-Straßenrennen zuletzt will der Mexikaner seine erste Medaille.
Miguel Heidemann und Maximilian Schachmann sprechen bei der Deutschland Tour mit Felix Tusche über das Wetter als zusätzliche Herausforderung - und blicken auf eine anspruchsvolle Schlussetappe.
22.08.2026 | 2:23 minDie hat sich Paul Seixas, das französische Supertalent, das während der WM in Montreal 20 Jahre alt geworden ist, bereits am Sonntag gesichert. Im Zeitfahren überraschte Seixas mit Bronze. Von den dreien hat Seixas nach der Tour de France am längsten pausiert - sieben Wochen - dann aber mit dem zweiten Platz beim Grand Prix von Montreal gute Form bestätigt.
Van der Poel, Van Aert und Belgiens Dilemma
Gut in Form sind auch zwei, die die Vorbereitungsrennen in Kanada ausgelassen haben. Mathieu van der Poel ist der Anstieg zum Côte Camilien-Houde eventuell einen Tick zu schwer, aber der Niederländer kann unglaublich gut ans Limit gehen. Das unterstreichen vor allem sein WM-Titel 2023 und der Etappensieg auf der finalen Tour-de-France-Etappe 2026.
Wout Van Aert hat bei der Vuelta a Espana zuletzt mit zwei Etappensiegen die Sprintwertung gewonnen und wurde in der Bergwertung Zweiter. Der Belgier hat bereits viermal WM-Silber gewonnen. Was ihm noch fehlt, ist Gold. Viele Chancen bleiben dem 32-Jährigen dafür in seiner Karriere nicht mehr, denn die WM-Strecke nächstes Jahr in Frankreich dürfte ihm vom Profil her zu schwer sein.
Isaac del Toro greift nach dem Gesamtsieg bei der Deutschland Tour. Auf der Königsetappe setzt der Top-Favorit zur Attacke an - doch den Tagessieg schnappt sich ein anderer.
22.08.2026 | 0:45 minDaher stellt sich die Frage, ob sich Van Aert im vielleicht stärksten Nationalteam des Fahrerfeldes im Zweifel in den Dienst von Remco Evenepoel stellt oder ob sich die beiden Belgier auf dem Rundkurs sogar gegenseitig attackieren.
Deutsche Fahrer nur Außenseiter
Fahrer aus dem erweiterten Favoritenkreis, wie Tom Pidcock (Großbritannien), Brandon McNulty (USA) oder der nach einem Infekt wiedergenesene Mads Pedersen (Dänemark), werden sich genau darauf Hoffnungen machen. Die deutschen Fahrer dürften mit dem Kampf um die Medaillen eher weniger zu tun haben.
Bereits ein Top-10-Platz wäre ein Erfolg. Aussichtsreichster Kandidat dafür ist der formstarke Marco Brenner.