Neuer Ligaverband Frauen-Bundesliga:"Wollen für den Frauenfußball eigene Identität schaffen"
Nach einer Übergangssaison übernimmt im Sommer 2027 der neue Ligaverband Frauen-Bundesliga FBL die Liga-Organisation. Präsidentin Katharina Kiel spricht im Interview über Pläne.
Nach einer Übergangssaison übernimmt im Sommer 2027 der neue Ligaverband FBL die Liga. Präsidentin Katharina Kiel spricht im Interview über Pläne.
20.08.2026 | 22:26 minZDFheute: Viele Spielerinnen wechseln gerade von der Bundesliga in die englische Women’s Super League. Was macht die Bundesliga aus Ihrer Sicht derzeit weniger attraktiv?
Katharina Kiel: Wenn man sich die vergangenen zehn Jahre in der Frauen-Bundesliga anschaut, gab es neben zwei Klubs kaum andere Vereine, die um den Titel mitgespielt haben. Insofern ist es richtig zu sagen, dass die englische Liga im Wettbewerb derzeit anspruchsvoller ist als die Frauen-Bundesliga.
Die englische Liga ist - ähnlich wie die Premier League bei den Männern - von ihrer DNA her anders aufgestellt und finanziell deutlich potenter als wir. Trotzdem können wir uns davon nicht freimachen, den Anspruch zu haben, aufzuschließen. Genau daran arbeiten wir gerade.
Die Frauen-Bundesliga wächst, aber immer mehr Top-Spielerinnen zieht es ins Ausland. Darunter auch Nationalspielerinnen wie Lea Schüller und Selina Cerci. Woran das liegt.
19.08.2026 | 1:40 minZDFheute: Was kann die Bundesliga von der englischen Liga lernen?
Katharina Kiel: Was ich sehr schätze, ist der hohe Professionalisierungsgrad. Wenn Spielerinnen keine professionellen Bedingungen haben, leidet das Spiel. Und das ist das Wichtigste.
Dafür brauchen die Spielerinnen und Spieler die bestmöglichen Bedingungen, damit sie jeden Tag daran arbeiten können, ihre beste Leistung auf den Platz zu bringen. Man kann aber auch von Dingen lernen, die wir bewusst nicht übernehmen würden.
Zum Beispiel sind Eigentumsstrukturen, wie sie in England zugelassen wurden, für uns nicht der richtige Weg. Die englischen Klubs haben sich teilweise auch über ihre Eigentumsstrukturen auf der Männerseite Finanzierungsmöglichkeiten erschlossen. Gleichzeitig entstehen dadurch aber auch Abhängigkeiten. Wir wollen für den Frauenfußball eine eigene Identität schaffen - losgelöst von solchen Zwängen.
Alle 14 Klubs der Frauen-Bundesliga beschlossen vor einer Woche die Zusammenarbeit mit dem DFB zu beenden. Stattdessen soll es einen eigenen neuen Ligaverband geben, welcher gestern gegründet wurde.
11.12.2025 | 1:29 minZDFheute: Für viele Vereine ist die Frauenmannschaft noch immer ein Zuschussgeschäft. Was kann der Verband daran ändern?
Katharina Kiel: Es reicht nicht, nur die 90 Minuten des Spiels anzubieten. Wir müssen unsere Zugänge viel stärker öffnen, um das Vermarktungspotenzial des Frauenfußballs zu stärken.
Für uns sind die wichtigsten Reichweitentreiber vor allem die Klubs und die Spielerinnen selbst. Wir wollen deshalb zentral dafür sorgen, dass gerade die Vereine gestärkt werden, die vielleicht noch nicht in der Lage sind, ihre Geschichten entsprechend zu erzählen.
Die Frauen des FC Bayern starten standesgemäß in die neue Saison. Mit einem 3:0 gegen den VfL Wolfsburg gewinnen sie den DFL-Supercup - zum dritten Mal in Serie.
15.08.2026 | 6:59 minZDFheute: Welche Themen wollen Sie dafür ab der Saison 2027/28 angehen?
Katharina Kiel: Für mich sind in den kommenden zwei Jahren vor allem vier Themen entscheidend: Standards erhöhen, Planbarkeit herstellen, Qualität steigern und Zugänge schaffen.
Wir wollen das Medienprodukt so gestalten, dass die Menschen, wenn sie Zugang dazu haben, denken: Das ist ansprechend. Deshalb wollen wir eine Art Always-on-Strategie entwickeln. Zur Vorbereitung auf ein Spiel sollen verschiedene hochwertige Formate entstehen, die den Zuschauern Lust darauf machen, das Spiel tatsächlich anzuschauen.
Wir wollen auch das Thema der großen Spiele strategischer angehen. Das soll nicht allein den Vereinen überlassen bleiben. Wir wollen als Liga gemeinsam Schaufensterspiele entwickeln, ihnen einen größeren Rahmen geben und dafür sorgen, dass diese Spiele planbar und sichtbar werden.
Die Frauen-Bundesliga stellt sich neu auf. Die Ausgliederung aus dem DFB soll der Liga zu besseren Vermarktungschancen eröffnen und für mehr Professionalisierung sorgen.
07.12.2025 | 2:11 minZDFheute: Wie soll die Frauen-Bundesliga in Zukunft aussehen?
Katharina Kiel: Wenn Sie die 14 Klubs fragen würden, was die Frauen-Bundesliga eigentlich sein soll, würden Sie wahrscheinlich 14 unterschiedliche Antworten bekommen. Frauenfußball ist stark von Identifikation geprägt.
Für mich ist es - auch weil ich selbst Spielerin war - eine große Ehre, zu sehen, dass wir den Frauenfußball in Deutschland hin zu einer eigenständigen Liga entwickeln dürfen. Einer Liga, die sich dem Wettbewerb stellt und den Anspruch hat, neben den Ligen in England und den USA ein attraktives Produkt zu bieten. Das liegt in unserer DNA.
Das Interview führte Pauline Herrle.
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