Frauen-DFB-Pokal: Wie die Bayern-Frauen dem VfL entwischt sind

Finale im Frauen-DFB-Pokal:Wie die Bayern-Frauen dem VfL entwischt sind

von Johannes Fischer

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Augenhöhe war gestern, aktuell sind die Frauen des FC Bayern dem VfL Wolfsburg 16 Bundesliga-Punkte voraus. Ein Gradmesser fürs DFB-Pokal-Finale am Donnerstag?

Bayern München - VfL Wolfsburg, Supercup der Frauen 2025: Caitlin Dijkstra (VfL/links) und Lea Schüller

Immer einen Schritt voraus, auch im Supercup 2025: Hier hat Caitlin Dijkstra (VfL/links) das Nachsehen gegen Lea Schüller (damals FC Bayern). (Archiv)

Quelle: Imago / HMB-Media

Im Mai 2024 war in Wolfsburg die Vorstellung einer Machtverschiebung im deutschen Frauenfußball noch ein Reizthema. "Ich hasse dieses Wort", hatte Alexandra Popp vor dem damaligen Pokalfinale in Köln ihres VfL gegen den FC Bayern München auf die Frage geantwortet, ob sich gerade eine Wachablösung abspiele.

Zwei Jahre später: Gleicher Schauplatz, gleiche Konstellation - doch inzwischen bezweifelt kaum jemand, ob die Münchnerinnen die Nummer eins sind. Das Endspiel gegen den VfL Wolfsburg erzählt deshalb auch davon, wie sehr sich die Hierarchie im deutschen Vereinsfußball in den vergangenen Jahren verschoben hat.

Screenshot: Kathrin Lehmann

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Bayern: vom Herausforderer zum Favoriten

"Es wäre wahrscheinlich nicht ehrlich zu sagen, dass wir als Außenseiter in dieses Finale gehen", sagt Bayerns Sportdirektorin Bianca Rech vor dem Endspiel am Donnerstag (16 Uhr / ZDF-Livestream ab 15.40 Uhr). Lange war Wolfsburg das Maß aller Dinge, München der Herausforderer. Jetzt gehen die Bayerinnen von Cheftrainer José Barcala als Serienmeister und Favorit in den deutschen Klassiker.

Was sich dabei verändert hat, ist nicht nur die sportliche Ausgangslage, sondern auch das Selbstverständnis innerhalb des Klubs. Der Anspruch, Spiele wie dieses zu prägen, ist längst Teil der eigenen Identität geworden: "Mia san mia", auch im Frauenfußball.

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Da war für die SGS Essen nicht viel zu holen. Die Frauen des FC Bayern ziehen mit einem 4:0 ins DFB-Pokal-Finale ein und treffen dort auf den VfL Wolfsburg.

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Dass Rech trotzdem von einem Spiel "auf Augenhöhe" spricht, hat auch mit der besonderen Geschichte dieses Duells zu tun. Wolfsburg habe gerade international weiter gezeigt, "welche Qualität im Kader steckt".

Nicht nur für Rech ist Bayern gegen den VfL längst "der Klassiker" des deutschen Frauenfußballs und ein Finale zweier Mannschaften, die den deutschen Frauenfußball seit Jahren prägen.

Der Bayern-Blick geht längst nach Europa

Die nationale Dominanz der vergangenen Jahre hat beim FC Bayern allerdings längst neue Ziele erzeugt. Drei Meisterschaften in Folge, internationale Topspielerinnen wie Giulia Gwinn oder Pernille Harder und ein immer professionelleres Umfeld haben den Anspruch des Klubs verändert:

Der erste Schritt war zunächst, in Deutschland an Wolfsburg vorbeizuziehen, Meisterschaften zu gewinnen und national konstant erfolgreich zu sein.

Bayerns Sportdirektorin Bianca Rech

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Erst danach habe sich der Blick zunehmend Richtung Europa verschoben. Dort sieht Rech den FC Bayern inzwischen "knapp hinter" Klubs wie Barcelona oder Lyon.

Spielerisch könne man mithalten, sagt sie, doch "uns fehlt vielleicht noch ein Stück dieser letzten Konsequenz, dieser Punch in entscheidenden Spielen".

Rech: Erfolg durch "größere Stabilität im Kader"

Vor allem die Erfahrung auf absolutem Topniveau mache weiterhin den Unterschied:

Wenn man sich die Weltklassespielerinnen bei Barcelona oder Lyon anschaut, dann sieht man enorme Erfahrung, große Körperlichkeit und Spielerinnen, die schon mehrfach Champions-League-Endspiele gespielt haben.

Bayerns Sportdirektorin Bianca Rech

Dass Bayern in dieser Saison mit dem Einzug ins Champions-League-Halbfinale einen weiteren Schritt gemacht hat, führt Rech auch auf die größere Stabilität im Kader zurück.

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Anders als in den vergangenen Jahren blieb die Mannschaft in den entscheidenden Phasen weitgehend von Verletzungen verschont. Gerade bei einem Spielplan mit acht Partien in vier Wochen habe sich die Breite des Kaders ausgezahlt.

Der letzte Schritt zur europäischen Spitze

Der Traum vom Champions-League-Titel bleibe deshalb lebendig, sagt Rech, gleichzeitig werde der Konkurrenzkampf in Europa härter. Vor allem englische Klubs investieren massiv in den Frauenfußball, dazu kommen Vereine mit enormer finanzieller Unterstützung.

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Entscheidend werde sein, "dass wir weiter in den Kader investieren können - um Topspielerinnen in München zu halten und neue hochkarätige Spielerinnen zu gewinnen".

Das DFB-Pokal-Finale gegen Wolfsburg ist deshalb mehr als nur ein Endspiel um einen Titel. Es ist ein weiterer Gradmesser für eine Mannschaft, die die nationale Wachablösung inzwischen vollzogen hat - und diesen Anspruch auch an diesem Donnerstag in Köln untermauern will.

Über dieses Thema berichtete das ZDF in dem Beitrag "Lehmann: "Bayern ist der Leuchtturm der Liga" am 13.05.2026 um 13:26 Uhr.

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