Vogelbeobachtung boomt: So startet man ins Trendhobby "Birding"

Was Vogelbeobachtung so reizvoll macht:Birdwatching boomt: So starten Einsteiger in das Trendhobby

von Nicole Frölich

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Vogelbeobachtung galt lange als Nischenhobby älterer Generationen. Inzwischen entdecken auch immer mehr jüngere Menschen das "Birding" für sich. Einblicke und Tipps zum Hobby.

Birdwatching: Eine Gruppe von Jugendlichen beobachtet Vögel durch Ferngläser.

Birding erfreut sich vor allem bei jungen Menschen zunehmender Beliebtheit - auch als Ausgleich zum digitalen Alltag. Was benötigt man für den Einstieg in das Hobby?

29.04.2026 | 3:16 min

Es ist ein Spektakel, Simon Kiesé und seinen Freunden beim Birden zuzusehen. "Rohrweihe!", "Schwarzmilan!", "Fischadler!" - beinahe im Sekundentakt wird eine weitere Vogelart gesichtet. Die Gruppe ist hochkonzentriert und scheint mit der Natur komplett verschmolzen zu sein. Jeder Laut, jedes Rascheln wird registriert, identifiziert und notiert. Diese Form radikaler Aufmerksamkeit steht im Kontrast zu einem oft überladenen Alltag - und macht für viele den Reiz dieses Hobbys aus.

Sarah Diering ist Landesjugendsprecherin der Naturschutzjugend (NAJU) Brandenburg und Mitarbeiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Naturschutzbund Deutschland (NABU). Sie kennt einen weiteren Grund, warum das Birden, wie Liebhaber die Vogelbeobachtung nennen, immer beliebter wird: Man kann niedrigschwellig starten.

Vor allem nach der Pandemie wollten die Leute in die Natur. Beim Birden kann man einfach und ohne viel Wissen Naturerfahrungen machen.

Sarah Diering, Landesjugendsprecherin der Naturschutzjugend (NAJU) Brandenburg

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Der 22-jährige Simon Kiesé ist seit rund zehn Jahren dabei. Der Biologiestudent aus Ostfriesland hat inzwischen auch einen eigenen Birding-Podcast. Für ihn ist die Vogelbeobachtung mehr als ein Zeitvertreib: In der Natur fällt der Alltagsdruck ab, und zugleich bleibt es spannend, weil man nie weiß, was einem begegnet.


Tipps für den Einstieg in die Vogelbeobachtung

Birden kann man immer und überall. Zum Einstieg empfehlen Experten, zunächst den Vögeln in der eigenen Umgebung mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Viele Tiere lassen sich schon mit bloßem Auge und aufmerksamem Hinhören erkennen.

Für ein besseres Beobachtungserlebnis empfiehlt der Hobby-Ornithologe Kiesé ein Fernglas: "Das kann ein recht einfaches sein", sagt er. "Es macht viel mehr Spaß, wenn man den Vogel nicht nur durch den Busch hüpfen sieht, sondern auch einen guten Blick von ihm erhascht. So kann man den Vogel viel besser bestimmen."

Grafik weniger Vögel

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Der nächste Schritt, so Kiesé: "Mit Gleichgesinnten rausgehen und von anderen lernen - das ist besser als jedes Buch." Möglichkeiten bieten beispielsweise die Regional- und Lokalgruppen des NABU, die Spaziergänge und Wanderungen mit erfahrenen Vogelkundlern organisieren.

Aufgrund des gestiegenen Interesses an vogelbezogenen Aktivitäten für Kinder organisiert die Naturschutzjugend (NAJU) mittlerweile regelmäßig "Ornicamps" für Birder ab zwölf Jahren.


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Vogelbeobachtung: Welche Regeln gelten

Naturschützer begrüßen die wachsende Popularität des Hobbys, ermahnen allerdings alle Vogelbeobachter zur Einhaltung wichtiger Grundregeln. "Auf den Wegen bleiben und gerade in der Brut- und Setzphase die Tiere nicht stören", erklärt Sarah Diering.

Auch Simon Kiesé mahnt zur Rücksichtnahme:

Gerade wenn man nicht einschätzen kann, wo Vögel brüten, kann man durch Laufen abseits der Wege große Störungen verursachen. Das sollte man tunlichst vermeiden.

Simon Kiesé, Hobby-Ornithologe

Man solle sich lieber entfernen, wenn man bemerke, dass dort gerade ein Vogel nistet. "Und nicht alles dafür tun, dass man dieses eine Foto bekommt", ergänzt Diering.

zwei Bilder von Vogelkindern

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Vogelbeobachtung als Beitrag zum Artenschutz

Der NABU erhofft sich vom Birding-Boom auch ein gesteigertes Interesse am Natur- und Artenschutz. Viele Birder melden ihre Sichtungen inzwischen auf Online-Plattformen wie ornitho.de (Dachverband Deutscher Avifaunisten e. V.) oder ebird.org (Cornell) und leisten damit einen Beitrag zur wissenschaftlichen Datenerhebung.

"Jährlich werden mehrere Millionen Vogelbeobachtungen gemeldet", sagt Kiesé, der für beide Plattformen in der Koordination und Datenvalidierung mitarbeitet. Für ihn hat das Birden auch eine politische Seite: Mit seinem Engagement will er dazu beitragen, das zu schützen, was ihm selbst so viel bedeutet.

Nicole Frölich ist Redakteurin im ZDF-Studio in Potsdam.

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Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 29.04.2026, ab 09:05 Uhr.

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